| GOLD | 4.134,70 $/oz | 3.623,50 €/oz | 116,50 €/g | 116.498 €/kg |
| SILBER | 59,82 $/oz | 52,43 €/oz | 1,69 €/g | 1.685,66 €/kg |
Ab dem 20. April gerieten die Goldpreise erneut unter Druck, und ab Mitte Mai schlossen sich auch die Silberpreise wieder diesem Abwärtstrend an. Zunächst setzten sich die Bären nur zögerlich und über Umwege durch. Erst in den letzten beiden Handelswochen, ausgelöst auch durch unerwartet starke US-Arbeitsmarkt- und Inflationsdaten, beschleunigte sich die Korrektur deutlich und ging in massive Abverkäufe über. In der Folge fiel der Goldpreis auf bis zu 4.023 US-Dollar, während Silber bis auf 61,50 US-Dollar nachgab. Immerhin konnte Silber sein März-Tief bislang knapp verteidigen. Gold hingegen hat das Tief vom März bei 4.100 US-Dollar mit rund 80 US-Dollar bereits leicht unterschritten.
Nach der mehrjährigen, spektakulären Rallye im Edelmetall-Sektor müssen sich viele Anleger erst wieder daran gewöhnen, wie heftig Korrekturen in diesem Markt ausfallen können.
Von seinem neuen Allzeithoch bei 121,67 US-Dollar war der Silberpreis Mitte März bereits fast 50 % zurückgekommen. Seit seinem letzten signifikanten Hochpunkt am 13. Mai bei 89,37 US-Dollar ist der Silberpreis nun innerhalb von nur vier Wochen um mehr als 31 % eingebrochen.
Angesichts dieser Entwicklung kann man mittlerweile durchaus von einer Kapitulations- beziehungsweise Blutbad-Phase in den letzten Tagen sprechen.
Diese stark überverkaufte Marktsituation, gepaart mit zunehmendem Pessimismus und der Tatsache, dass viele Spekulanten erst nach den wasserfallartigen Kursrückgängen den Mut zu Leerverkäufen fanden, deutet nun darauf hin, dass eine kräftige Gegenbewegung bzw. Erholung bzw. eine Fortsetzung des Short Squeeze bevorstehen könnte.
Schließlich genügt in Phasen extremer Unsicherheit und einseitiger Positionierung oft schon ein kleiner Stimmungswechsel, um eine dynamische Erholung auszulösen. Genau dieses Muster scheint sich nun abzuzeichnen.
Erste konkrete Anzeichen dafür waren bereits gestern Abend zu beobachten, als der Goldpreis innerhalb kurzer Zeit um rund 175 US-Dollar anzog. Diese Bewegung war technisch überfällig, wurde jedoch durch neue politische Signale zusätzlich beschleunigt. Berichten zufolge hat Donald Trump in den Verhandlungen mit dem Iran eine zentrale Konzession gemacht, indem er akzeptierte, dass angereichertes Uran unter internationaler Aufsicht im Iran verbleiben könnte.
Dieser Schritt stellt eine deutliche Abkehr von früheren Maximalforderungen dar und könnte tatsächlich einen Durchbruch bei den äußerst schwierigen Verhandlungen bringen, insbesondere da gleichzeitig über eine rasche Öffnung der Straße von Hormus und eine Stabilisierung der globalen Lieferketten spekuliert wird.
Letztlich reagierten die Finanzmärkte gestern aber nicht auf gesicherte Fakten, sondern auf die Erwartung einer möglichen Entspannung im Iran-Konflikt, die kurzfristig zu einer Risiko-Neubewertung führt.
Daher bleibt die fundamentale Lage widersprüchlich und fragil. Seit Monaten kündigt Trump immer wieder weitreichende Fortschritte an, die sich kurz darauf relativieren oder von iranischer Seite vollständig dementiert werden. Teheran betont weiterhin, dass keine Einigung erzielt wurde und zentrale Forderungen unverändert bestehen. Diese Diskrepanz zwischen politischer Rhetorik und tatsächlichem Verhandlungsstand sorgt dafür, dass Marktbewegungen zunehmend von kurzfristigen Narrativen statt von belastbaren Entwicklungen getrieben werden.
Die jüngsten Kurssprünge sind daher weniger Ausdruck einer nachhaltigen Entspannung als vielmehr ein Spiegel der hohen Unsicherheit – und solange sich die Kommunikationslinie nicht stabilisiert, dürfte auch die Volatilität erhöht bleiben.
Für die Edelmetallpreise bleibt das Umfeld also schwierig. Allerdings mehren sich die Anzeichen, dass sich nach rund viereinhalb Monaten Korrektur nun das klassische Sommertief ausgebildet haben könnte. Sowohl Gold als auch Silber dürften nach einer Phase der Bodenbildung in den kommenden ein bis vier Monaten im Zuge der typischen Sommerrallye einen spürbaren Teil der Verluste wieder aufholen.
OPTIX Sentiment für Gold, vom 12. Juni 2026.© Sentimentrader
Im größeren Bild fehlt bislang jedoch die vollständige Kapitulation und Panik im Edelmetallsektor. Sollte das Stimmungspendel von „eineinhalb Jahren Euphorie“ in das Gegenteil von Angst und Panik umschlagen müssen, bevor die Korrektur als gesund abgeschlossen gelten kann, wären nach einer zwischenzeitlichen Erholungsphase auch neue Tiefststände denkbar.
Gold in US-Dollar, Tageschart vom 12. Juni 2026. © GOLD.DE
Die Unterstützung an der 200‑Tage-Linie (4.446 US-Dollar) konnten die Bären vor zwei Wochen noch einmal abwehren. Die anschließende scharfe Erholung endete jedoch bereits am folgenden Tag bei 4.590 US-Dollar. Danach rutschte der Goldpreis nahezu ungebremst gen Süden und fand erst gestern bei 4.023 US-Dollar einen Boden. Damit hat sich das übergeordnete Bild weiter eingetrübt, und die Wahrscheinlichkeit, dass sich diese Korrektur noch länger hinzieht, ist gestiegen.
Daraus ergibt sich ein Szenario, das für die kommenden Wochen bis in den Hochsommer hinein eine Erholung erwarten lässt.
Mögliche Zielmarken liegen neben den Fibonacci-Retracements bei 4.355, 4.457 und 4.560 US-Dollar auch an der 200‑Tage-Linie (4.446 US-Dollar) sowie an der fallenden 50‑Tage-Linie (4.586 US-Dollar). Zudem könnte die seit dem Allzeithoch im Januar bestehende Abwärtstrendlinie angelaufen und getestet werden. Für einen nachhaltigen Ausbruch darüber dürfte es jedoch noch zu früh sein.
Insgesamt zeigt der scharfe Abverkauf der vergangenen zwei Wochen Anzeichen einer Kapitulation. Der Edelmetall-Sektor sollte damit zunächst von schwachen Händen bereinigt sein und nun eine Erholungsbewegung starten.
In der Summe befindet sich der Edelmetall-Sektor derzeit in einem Spannungsfeld zwischen struktureller Schwäche, geprägt von anhaltender geopolitischer Unsicherheit, und einer zunehmenden Erholungschance infolge der stark überverkauften Marktlage nach der viereinhalbmonatigen Korrektur.
Der jüngste Ausverkauf trägt dabei klare Züge einer Kapitulationsphase und hat die Grundlage für eine technische Gegenbewegung geschaffen, die in den kommenden Wochen an Dynamik gewinnen kann. Gleichzeitig bleibt das übergeordnete Bild fragil: Weder ist die fundamentale Unsicherheit gewichen, noch ist die geopolitische Situation gelöst. Zudem hat der Pessimismus bislang das für nachhaltige Tiefpunkte typische Ausmaß noch nicht erreicht.
Erst wenn sich Marktstimmung, Positionierung und fundamentale Rahmenbedingungen deutlicher bereinigt haben, wird sich beurteilen lassen, ob das „Blutbad“ der letzten zwei Wochen tatsächlich das finale Tief markiert – oder lediglich als klassischen Frühsommer-Tief eine Zwischenstation in einer noch nicht abgeschlossenen Korrektur- und Konsolidierungsphase darstellt.