| GOLD | 4.165,56 $/oz | 3.705,85 €/oz | 119,15 €/g | 119.146 €/kg |
| SILBER | 56,98 $/oz | 50,70 €/oz | 1,63 €/g | 1.630,04 €/kg |
Wer kauft die gewaltigen Goldmengen, die nach China fließen? Die Antwort reicht weit über die chinesische Zentralbank hinaus.
Zunächst muss zwischen Importeuren und endgültigen Käufern unterschieden werden. Die Einfuhr erfolgt über zugelassene Marktteilnehmer, insbesondere Geschäftsbanken.
Nach einer bei der London Bullion Market Association (LBMA) veröffentlichten Untersuchung verfügen unter anderem 19 chinesische Geschäftsbanken über entsprechende Importlizenzen. Die People’s Bank of China (PBoC, Zentralbank Chinas) steuert den Zugang über Genehmigungen und Quoten. Das macht sie aber nicht automatisch zum Käufer des eingeführten Metalls.
Hinter den Rekord-Gold-Importen stehen unterschiedliche Bedürfnisse:

Hongkong ist dabei ebenfalls ein wichtiges Handelsdrehkreuz für Gold. Ein Goldbarren kann über Hongkong eingeführt werden und schließlich im Depot eines Privatanlegers auf dem chinesischen Festland landen.
Bemerkenswert ist die Verschiebung hin zur Kapitalanlage: Nach Angaben des Analysehauses Metals Focus übertraf die private Investmentnachfrage in China 2025 erstmals die Schmucknachfrage. Gold wird damit zunehmend als Vermögensreserve gekauft.
Auch börsengehandelte Goldfonds (ETFs) bleiben gefragt. Chinesische Gold-ETFs stockten ihre Bestände im August 2026 um elf auf 293 Tonnen auf. Gleichzeitig meldete die Zentralbank einen Zuwachs ihrer Goldreserven um 20,2 Tonnen auf rund 2.387 Tonnen. Es war der 22. monatliche Anstieg in Folge.
Parallel zum Goldaufbau schrumpfen die China direkt zugerechneten Bestände amerikanischer Staatsanleihen. Im Juli 2026 lagen sie bei rund 618 Milliarden US-Dollar, dem niedrigsten Stand seit 2008.
Allerdings können Bestände bei ausländischen Verwahrstellen, wie zum Beispiel in Belgien, die Länderzuordnung etwas verzerren. Grundsätzlich zeigt diese Entwicklung den Trend hin zu einer breiteren Diversifizierung chinesischer Auslandsanlagen, weg von Schuldpapieren und hin zu Vermögenswerten ohne Schuldnerrisiko.
Dieser strategische Unterschied ist erheblich: Eine Staatsanleihe bleibt das Zahlungsversprechen eines Schuldners. Physisches Gold im eigenen Tresor ist keine Forderung gegen einen anderen Staat. Für eine Reservepolitik, die politische Souveränität aufbauen möchte, ist das ein gewichtiges Argument.
Zugleich baut China seine Marktinfrastruktur aus. In Hongkong begann am 7. Juli 2026 (GOLD.DE berichtete) der Probebetrieb eines zentralen Gold-Clearing- und Abwicklungssystems. Über „Delivery Connect“ werden der dortige außerbörsliche Handel und die Shanghai Gold Exchange miteinander verbunden. Hongkongs Lagerkapazität soll vor diesem Hintergrund innerhalb von drei Jahren auf mehr als 2.000 Tonnen Gold ansteigen.

Der Finanzsekretär Hongkongs, Paul Chan formulierte das Ziel in der offiziellen Mitteilung so:
Wir sind entschlossen, ein florierendes Ökosystem für den Goldhandel aufzubauen.
Zusätzlich prüft die Börse HKEX (Hongkong) einen neuen Gold-Futures-Kontrakt in der chinesischen Binnenwährung Renminbi mit Lieferunterstützung durch die Shanghai Gold Exchange mit ausschließlich physischer Lieferung.
In diesen Zusammenhang gehört auch mBridge, eine Plattform für grenzüberschreitende Zahlungen mit digitalen Zentralbankwährungen. Sie eröffnet technische Möglichkeiten für die direkte Abwicklung zwischen teilnehmenden Währungen.
Eine Golddeckung der chinesischen Außenhandelswährung Yuan oder eine goldgedeckte BRICS-Gemeinschaftswährung ist damit jedoch noch nicht Realität. Ziel ist zunächst, ein vom westlich kontrollierten SWIFT-System unabhängiges globales Zahlungssystem zu etablieren. Die Golddeckung oder Teildeckung der teilnehmenden Währungen ist als nächster, eher mittelfristig angelegter Schritt geplant.
Die Entwicklung lässt sich deshalb so einordnen: Mit den Goldbeständen wachsen auch die Möglichkeiten, Handel, Lagerung und Abwicklung stärker in Asien zu verankern.
Nach dem außergewöhnlich starken Importvolumen der ersten acht Monate richtet sich der Blick auf das Jahresultimo 2026. Zusätzliche Unterstützung könnte aus dem saisonalen Geschäft kommen: Vor den Feiertagen Anfang Oktober stocken Schmuckhändler üblicherweise ihre Bestände auf. Später gewinnen die Vorbereitungen für das chinesische Neujahrsfest an Bedeutung.

Ein Teil der dafür notwendigen Beschaffung erfolgt bereits vor dem eigentlichen Festgeschäft. Diese wiederkehrenden Muster beschreibt der World Gold Council (WGC) in seinen Berichten zum Herbstgeschäft und zur Nachfrage vor dem Neujahrsfest.
Für das vierte Quartal erwartet der WGC saisonale Unterstützung v. a. beim Schmuckgeschäft. Aber auch Gold-Granulat, Gold-Münzen sowie kleine Gold-Barren werden immer häufiger anstatt Schmuck verschenkt.
Ein Jahresrekord beim Gold-Import Chinas erscheint angesichts des bisherigen Tempos möglich, ist aber noch nicht gesichert. Für den Goldmarkt reicht die Bedeutung ohnehin über einen einzelnen Jahreswert hinaus. Reservepolitik, private Vermögensbildung und der Ausbau asiatischer Handelsplätze können die chinesische Nachfrage auf längere Sicht positiv prägen.
Zur Finanzierung des anglo-ukrainisch/russischen Kriegs muss Russland gegen den selbstmörderischen Boykott der EU teilweise seine Langzeitgedächtnis angelegten Goldreserven mit Gewinn veräußern. Damit gibt es eine win-win Situation. Russland gewinnt Kaptital und China das Gold.