Stand: 14.05.2019 von Jörg Bernhard 3 Kommentare

Den Chinesen wird seit Langem eine starke Affinität zu Gold nachgesagt. Diesem Ruf wurde in der vergangenen Woche die chinesische Notenbank gerecht, nachdem für den Monat April die stärksten Goldkäufe seit Juni 2016 gemeldet wurden.

Chinas Notenbank setzt Diversifikation fort

So hat die staatliche Devisenbehörde State Administration of Foreign Exchange, deren Internetpräsenz witzigerweise unter safe.gov.cn zu finden ist, vor einer Woche für den Monat April einen Anstieg der offiziellen Goldreserven um 14,9 Tonnen auf über 1.900 Tonnen gemeldet.

Damit hat man den fünften Monat in Folge die Bestände signifikant nach oben gefahren (siehe Tabelle). Seit vergangenen Dezember hat sich damit die bei der chinesischen Notenbank gelagerte Goldmenge um insgesamt fast 58 Tonnen erhöht.

Chinas "offizielle" Goldreserven

Monat Goldbestand (Tonnen) Zuflüsse (Tonnen)
Nov.-18 1845,68 t -
Dez.-18 1852,52 t 6,84 t
Jan.-19 1864,34 t 11,82 t
Feb.-19 1874,3 t 9,95 t
März-19 1885,49 t 11,2 t
Apr.-19 1900,42 t 14,93 t
Quelle: State Administration of Foreign Exchange

Damit endete dann mit Käufen im Volumen von fast sieben Tonnen die Zeit der freiwillig auferlegten Abstinenz, nachdem von Oktober 2016 bis November 2018 keinerlei Goldkäufe gemeldet worden waren.

An den Goldmärkten wird bereits seit Längerem vermutet, dass die tatsächlichen Goldreserven Chinas deutlich höher ausfallen dürften als die offiziell gemeldeten. Ende April lieferte ein Marktbericht der London Bullion Market Association (LBMA) neue Argumente für diese These.

So wurde darauf hingewiesen, dass von China allein im Jahr 2018 insgesamt 1.506 Tonnen Gold importiert und lediglich 17 Tonnen exportiert wurden. Außerdem wurde den Chinesen vom World Gold Council (WGC) eine landeseigene Goldförderung von 404 Tonnen nachgesagt.

Da mag es schon ein bisschen unglaubhaft wirken, dass der offizielle Goldbesitz um nicht einmal sieben Tonnen zugelegt haben soll. Wahrscheinlich will man durch das „ständige Understatement“ einen unerwünschten Goldpreisanstieg verhindern.

Weniger US-Staatsanleihen in chinesischer Hand

Noch immer gilt China - gefolgt von Japan - als größter Auslands-Gläubiger der USA. Derzeit liegt die Quote der US-Staatsanleihen in chinesischem Besitz bei fünf Prozent und hat sich somit seit 2010 (14 Prozent) bereits deutlich reduziert. Insgesamt beläuft sich das Volumen auf 1,13 Billionen Dollar. Es ist davon auszugehen, dass sich dieser Trend zur Diversifikation weiter fortsetzen wird.

Ein massiver Verkauf der Papiere dürfte aus folgenden Gründen aber eher unwahrscheinlich sein. Zum einen würde sich bei einem solchen Ausverkauf der Wert dieser Assets markant reduzieren. Außerdem würde dies den Dollar belasten und dadurch die Exportchancen chinesischer Unternehmen unterminieren.

Des Weiteren dürfte die US-Regierung im Falle von massiven Finanzmarktturbulenzen zu rigiden Maßnahmen greifen, um den Schuldenberg weiterhin beherrschen zu können. In diesem Zusammenhang sind beispielsweise Anleihekäufe der Fed und ein Einfrieren der chinesischen Anleihepositionen denkbar.

Fazit: Es sieht so aus, als ob sich Chinesen und Amerikaner bei US-Staatsanleihen in starken wechselseitigen Abhängigkeiten befinden.

Ausblick für die laufende Woche

Weder die gestiegenen geopolitischen Risiken (Irankrise) noch der Rückschlag bei den Handelsgesprächen zwischen den USA und China haben die internationalen Finanzmärkte bislang sonderlich stark belastet.

Von einem erhöhten Verkaufsdruck kann daher nicht gesprochen werden - eher von einer abwartenden Haltung bzw. von „ganz normalen“ Gewinnmitnahmen. Offensichtlich stuft die internationale Anlegerschar den US-Dollar gegenwärtig im Vergleich zu einem Investment in Gold als attraktiveren Hafen ein.

Während der Dollarindex, der die US-Währung mit sechs anderen wichtigen Währungen vergleicht, in den vergangenen zwölf Monaten um fünf Prozent zugelegt hat, kam das gelbe Edelmetall auf ein Minus von 2,5 Prozent.

Am morgigen Mittwoch erfahren die Investoren, wie sich die Konjunktur in den beiden besonders exportabhängigen Ländern China und Deutschland entwickelt hat. Dann stehen nämlich aktuelle Zahlen zur chinesischen Industrieproduktion bzw. zu den Einzelhandelsumsätzen zur Bekanntgabe an.

Hierzulande dürften sich Anleger aber auch für das BIP-Wachstum der deutschen Wirtschaft besonders stark interessieren. Es droht die vierte Verlangsamung in Folge. Nachdem für Q1 2018 noch ein Plus von 2,8 Prozent p.a. zu Buche schlug, rechnen Analysten mittlerweile mit einem Zuwachs um lediglich 0,6 Prozent p.a.

Im Falle eines globalen Handelskriegs oder einem ungeordneten Brexit drohen indes rote Vorzeichen. Bei Gold könnten dann die Ampeln wieder auf „Grün“ springen.

Gold: Chinas Goldhunger unübersehbar
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [3]
  • von Fleischesser | 15.05.2019, 23:06 Antworten

    Die Chinesen lassen sich nicht in die Karten schauen!

  • von der deutsche Michel | 15.05.2019, 20:18 Antworten

    China holt sich die echten Goldstücke ! und die Dummen Deutschen die falschen !!!! aus AFRIKA

  • von Eberhard Wagenfeld | 15.05.2019, 18:18 Antworten

    Allein die manipulationen der Banken und Börsen bestimmen den Goldpreis alles andere hat kaum Einfluss

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