Stand: 19.06.2018 von Jörg Bernhard 6 Kommentare

Weltweit sind die Inflationsraten signifikant gestiegen. Dem Goldpreis hat dies bislang jedoch keine positiven Impulse gebracht. Das Vertrauen in die Geldpolitik der Notenbanken scheint weiterhin ungebrochen zu sein. Fragt sich nur, warum viele statt Geld auf Sachwerte wie Aktien und Immobilien setzen?

Geldentwertung beschleunigt sich

Das „Schreckgespenst Deflation“ scheint endgültig vertrieben zu sein. Seit Jahren ist von den wichtigsten Notenbanken der Welt zu hören, dass eine Inflationsrate von ungefähr zwei Prozent wünschenswert sei.

In den USA wurde dieser Wunsch angesichts einer Mai-Inflation in Höhe von 2,8 Prozent (siehe Tabelle) mittlerweile übererfüllt.

Inflation in den G7-Staaten

Mai 2018 Dezember 2017
Deutschland 2,2 1,7
Frankreich 2,0 1,2
Italien 1,0 0,9
Großbritannien 2,4 3,0
Japan 0,6 1,0
Kanada 2,2 1,9
USA 2,8 2,1
Quelle: Trading Economics

Zur Erinnerung: 2015 wurden noch Raten um null Prozent bzw. darunter gemeldet. An eine markante Geldentwertung scheint man sich nun gewöhnen zu müssen, schließlich war in der vergangenen Woche zu hören, dass die US-Produzentenpreise mit 3,1 Prozent p.a. auf den höchsten Stand seit sechs Jahren geklettert sind.

Für US-Anleger mag das Inflationsproblem nicht höchste Priorität zu genießen, da sie mit US-Staatsanleihen relativ ansehnliche Renditen erzielen können. Bei Laufzeiten von zehn Jahren werfen diese nämlich immerhin 2,91 Prozent p.a. ab.

Davon können deutsche Anleger nur träumen. Zehnjährige Bundesanleihen kommen derzeit auf lediglich 0,4 Prozent p.a. – und das bei einer jährlichen Inflationsrate von aktuell 2,2 Prozent (Mai).

Ein Grund für die daraus resultierende Vernichtung von Geldvermögen ist neben der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (Leitzinsen, EZB-Einlagenzinsen und Anleihekäufe) die gute Bonität deutscher Staatsanleihen.

In Italien erhalten Anleger für italienische Papiere mit zehnjähriger Laufzeit immerhin 2,6 Prozent pro Jahr. Dennoch machen Italiener derzeit einen großen Bogen um die Papiere und transferieren ihr Geld lieber ins Ausland.

Laut Medienberichten seien an den römischen Chaos-Tagen eine Milliarde Euro pro Tag ins Ausland geflossen – vor allem in die Schweiz und nach Deutschland. Der deutsche Staat profitiert dadurch in Form von extrem günstigen Finanzierungskosten.

Strafzölle treiben Inflation weiter an

Beim Thema Inflation droht weiteres Beschleunigungspotenzial, falls der Trend zu Strafzöllen weiter um sich greifen sollte. Am vergangenen Freitag kündigte US-Präsident Donald Trump Strafzölle gegen chinesische Produkte im Volumen von 50 Milliarden Dollar an, worauf die Chinesen mit Vergeltungsmaßnahmen in identischer Höhe antworten wollen.

In diesem Fall drohten die USA mit zusätzlichen Zöllen im Volumen von 50 Milliarden Dollar. Es ist wohl wahr, dass China mit der eigenen Bevölkerung und ausländischen Firmen nicht sonderlich fair umgeht. Nun darf man gespannt sein, ob die nicht nur von Chinesen erhobenen Importzölle auf US-Agrargüter den (noch) mächtigsten Mann der Welt auf seiner „globalen Porzellanzerschlagungstour“ bremsen werden.

Schließlich sollen diese vor allem das Wahlvolk Trumps treffen. Ohnehin wird nicht der US-Präsident, sondern die US-Bevölkerung die Rechnung bezahlen müssen, schließlich dürften massive Strafzölle die Preise und steigende Zinsen die Finanzierungskosten der überwiegend auf Pump konsumierenden Bevölkerung in die Höhe treiben – kein sonderlich gesunder Mix.

Ausblick für die laufende Woche

Nachdem sich in der vergangenen Woche die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank zur aktuellen und künftigen Geldpolitik geäußert haben, darf man gespannt sein, ob damit das Thema „Zinsen“ erst einmal abgehakt ist.

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Goldbesitzer sollten sich aus mehreren Gründen vor steigenden Zinsen weniger fürchten als Anleiheinvestoren. Zum einen würden sich nämlich die Preise für festverzinsliche Wertpapiere bei einem anhaltenden Zinsanstieg vor allem bei langen Laufzeiten deutlich verbilligen und somit zu Vermögensverlusten führen.

Zum anderen gilt in der Kapitalmarktlehre stets die These, dass höhere Renditen immer mit einem höheren Risiko verbunden sind. Und da die Notenbanken weltweit durch ihre expansive Geldpolitik im vergangenen Jahrzehnt die Renditen nach unten manipuliert haben, dürfte das tatsächliche Risiko im Anleihesektor deutlich höher ausfallen als dies durch die aktuell angezeigten Renditen zum Ausdruck kommt.

Das Schutzbedürfnis scheint angesichts der lediglich verhaltenen Goldpreistendenz gegenwärtig zwar nicht sonderlich ausgeprägt zu sein, das enorme Interesse an Aktien, Immobilien und Kryptowährungen zeigt allerdings, dass viele Investoren von ungedeckten Währungen wenig überzeugt sind und deshalb ihr substanzarmes Geldvermögen lieber in andere Werte tauschen.

Gold: Comeback der Inflation bislang ohne Wirkung
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [6]
  • von Goldfisch | 19.06.2018, 13:03 Antworten

    Guter Artikel, der zeigt, dass Goldbesitzer alles richtig gemacht haben. Einfach Geduld haben und liegenlassen ...

  • von Ursula Hakenscheid | 19.06.2018, 09:24 Antworten

    Gold verläuft in den nächsten 24 Monaten bei 1300 $ seitwärts.

    • von Wolga66 | 19.06.2018, 12:38 Antworten

      Glaskugel oder Kaffeesatz?

    • von Goldmex | 19.06.2018, 11:49 Antworten

      Uschi Hackenscheid weiss besonders gut bescheid.... ;-P ;-)))

      • von Marc Langner | 19.06.2018, 12:26 Antworten

        Goldmex, die Dame heißt "Ursula Hakenscheid und nicht Uschi Hackenscheid", frauenfeindliche Defamierungen sollten Sie doch hier bitte unterlassen!!! Und "bescheid" wird groß geschrieben! Schönen Tag noch.....

        • von Silmarillion | 19.06.2018, 14:00 Antworten

          ...und es heißt "Diffamierung"...

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