Gold: 4.051,65 € 0,00 %
Silber: 64,99 € 0,00 %
Stand: 13.03.2026 von Alexander Köhne
Der Goldmarkt ist turbulent ins Jahr 2026 gestartet. Nach Rekordständen – Gold über 5.500 Dollar, Silber über 121 Dollar – kam es Ende Januar und Anfang Februar zu deutlichen Rücksetzern: Gold verlor in zwei Tagen bis zu 21 %, Silber in sechs Handelstagen 47 %. Als Goldhändler ordne ich diese Entwicklung aus Sicht unseres Geschäfts für Sie ein.
Gold-Crash, der keiner war: Ein Edelmetallhändler über den Jahresanfang 2026

Mechanismen hinter Preisrückgang Ende Januar

Die Preisstürze an den Märkten waren hauptsächlich auf technische Faktoren an den Terminbörsen, den Fed-/Warsh-Effekt, einen stärkeren US-Dollar sowie teilweise Gewinnmitnahmen zurückzuführen. An der Shanghai Futures Exchange und der Comex erhöhten die Betreiber die Margin-Anforderungen, also die Sicherheitsleistungen, die Händler für Futures-Positionen hinterlegen müssen. Dies führte zu einem erheblich höheren Kapitalbedarf für Transaktionen, insbesondere nach der starken Rallye seit Mitte 2025. Viele kurzfristig orientierte Marktteilnehmer mussten daher Positionen liquidieren, um ihre Liquidität zu sichern – eine typische Reaktion in solchen Szenarien.

Der Commitments of Traders Report (CoT) der US-Aufsichtsbehörde CFTC bestätigt dies: Das Open Interest, also die Anzahl offener Kontrakte, sank seit Ende Dezember um über 15 Prozent, begleitet von nachlassendem Optimismus bei großen und kleinen Spekulanten. Charttechnisch verstärkte das Unterschreiten wichtiger Marken darüber hinaus den Druck, da automatische Stop-Loss-Orders ausgelöst wurden. Solche Margin-Anpassungen sind an Börsen üblich, dienen der Risikominimierung und führen oft zu vorübergehender Unruhe, ohne dass sich jedoch fundamentale Treiber wie Inflation, Zinsentwicklung oder geopolitische Risiken ändern.

Physische Märkte und institutionelle Stärke

Trotz der Spekulanten-Abflüsse zeigte der Goldmarkt eine bemerkenswerte Resilienz. Bis zum 6. März 2026 gewann Gold rund 20 Prozent seit Jahresbeginn – trotz des Rückgangs vom Jahreshoch, also ein beeindruckendes Plus für das bisherige Jahr.

Dies deutet darauf hin, dass andere Käufergruppen wie ETF-Investoren, institutionelle Anleger und physische Nachfrager die Kursrückgänge für sich nutzten. Laut dem World Gold Council flossen weltweit bereits 108,6 Tonnen in Gold-ETFs (im Vergleich zu 800,3 Tonnen im Vorjahr), wobei Asien mit 63,6 Tonnen den Großteil stellte, gefolgt von Nordamerika mit 44,6 Tonnen. Europa verzeichnete leichte Abflüsse von 1,4 Tonnen. Besonders auffällig ist das Wachstum asiatischer Gold-ETFs: Von 19,4 Tonnen vor 15 Jahren auf 436,8 Tonnen heute (mehr als zwanzigfacher Zuwachs), während Europa und Nordamerika moderater expandierten.

Ergänzt wird dies durch eine anhaltend hohe physische Nachfrage, die wir auch an unseren Standorten und im Onlineshop spüren. Die globale Nachfrage nach Barren und Münzen hält sich seit Langem auf einem beispiellosen Niveau; Verfügbarkeiten sind über die gesamte Angebotspalette zwar weiterhin gegeben, jedoch bei einigen Produkten kleinerer Stückelung aus dem Barrensegment eingeschränkt, insbesondere bei Silber war dies im Januar der Fall. In Zeiten hoher Volatilität, wie sie durch wiederholte Margin-Erhöhungen verstärkt wurde, ist diese Nachfrage ein stabiles Fundament, von dem die Erholung der Preise profitierte.

Kundenverhalten in der Praxis

In den Gesprächen mit unseren Kunden erleben wir, dass Verkäufe weiterhin primär aus konkretem Kapitalbedarf oder für Gewinnmitnahmen bereits langjährig investierter Edelmetallkunden getätigt werden. Nach den hohen Kursrückgängen dominierten Käufe, sowohl bei Gold als auch bei Silber.

Dies deckt sich mit unserer Empfehlung für langfristig orientierte Investoren, derartige Korrekturen als Chance zu betrachten.

Bei Goldbarren sind weiterhin Stückelungen zwischen 10 und 50 Gramm besonders beliebt, bei Anlagemünzen die gesamte Bandbreite von 1/10 bis 1 oz.

Externe Treiber: Politik, Geopolitik und langfristige Perspektiven

Maßgeblich für dieses Kaufverhalten vor Ort sind neben den sich verschärfenden geopolitischen Unsicherheiten der Wunsch nach einem langfristig werthaltigen Baustein in der persönlichen Anlagestrategie.

Ebenso spielen die großen Zweifel, ob vermeintlich sichere Anlageklassen wie Staatsanleihen die Kaufkraft des Ersparten langfristig tatsächlich erhalten, für unsere Kunden eine wichtige Rolle bei der Entscheidung für Edelmetalle.

Zusammenfassend lässt sich somit sagen: „What goes up must come down“ – nach den extremen Preisanstiegen der letzten sechs Monate war es ehrlicherweise Zeit für dieses „reinigende Gewitter“. Langfristig werden Edelmetalle jedoch sowohl von unseren Kunden als auch von großen Investoren und Notenbanken als Krisenwährung und Vermögensschutz gesehen, und die dazugehörigen kurzfristigen Rückgänge wurden genutzt, um Positionen weiter auszubauen.


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Stand: 13.03.2026
geschrieben von:
Vertriebsleiter Edelmetallhandel
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