Stand: 23.04.2013  0 Kommentare

Als der Goldpreis Mitte April überraschend zurück ging, war von einem "Gold-Crash" die Rede, von einem historischen Einbruch, von einer geplatzten Blase. Auch abseits der Boulevard-Medien überboten sich die Marktbeobachter mit Abgesängen auf das gelbe Metall und stellten vor allem die historische Dimension des Preisrutsches in den Vordergrund. Doch wurde im April 2013 tatsächlich Gold-Geschichte geschrieben?

Ein Blick auf die Entwicklung des Goldpreises in den vergangenen hundert Jahren fördert erstaunliche Erkenntnisse zu Tage - tatsächlich gibt es nur wenige Preisrückgänge in den Dimensionen, die im April 2013 zu beobachten waren. Zuletzt rutsche der Goldpreis im Februar 1983 im zweistelligen Bereich ab - an einem einzigen Tag ging der Goldpreis um 16,55 Prozent zurück. Damals verbilligte Gold sich innerhalb eines Jahres um über 100 Dollar auf weit unter 400 Dollar pro Feinunze - Anfang 1980 lag der Preis noch bei 850 Dollar und hatte sich somit im Verlauf von nur drei Jahren mehr als halbiert, in der Spitze sackte der Goldpreis Mitte 1982 sogar bis auf 290 Dollar ab.

Fehleinschätzungen hinsichtlich langfristigem Gold-Trend

Die Entwicklung des Goldpreises der vergangenen Jahrzehnte macht aber deutlich, dass sich Abgesänge auf das gelbe Metall zu früheren Zeiten immer wieder als Fehleinschätzung heraus gestellt haben. So hat Gold beispielsweise zwischen 1980 und 2000 inflationsbereinigt über 60 Prozent seines Wertes eingebüßt, seit 2000 seinen Wert allerdings vervielfacht. Zudem sahen die politischen Rahmenbedingungen in den 80er und 90er Jahren anders aus: Die FED hatte ihr Handeln auf Inflationsbekämpfung ausgerichtet und einen starken Dollar forciert.

Besonders eindrucksvoll wird die langfristige Bedeutung von Goldpreisrückgängen durch ein Beispiel aus der Mitte der Siebziger Jahre deutlich - zwischen Februar 1975 und August 1976 verlor der Goldpreis rund 45 Prozent seines Wertes. Auch damals überschlugen sich die Marktbeobachter mit bissigen Kommentaren zu einem vermeintlichen Ende der Goldhausse. Was sie allerdings übersehen hatten: Die Hausse in den Vorjahren hatte eine Korrektur nötig gemacht - und wer im August 1976, als die Stimmung für Gold besonders schlecht war, seine Münzen und Barren verkaufte, wurde bitter enttäuscht. Denn zwischen 1976 und 1980 explodierte der Goldpreis förmlich: Im Jahresdurchschnitt von rund 120 Dollar auf über 800 Dollar.

Ende des Bretton-Woods-Systems

Insbesondere zu Beginn der Siebziger Jahre wurden Goldbesitzer von anderen Investoren schief angeschaut - mit dem Ende des Bretton-Woods-Systems stieg der Preis allerdings kontinuierlich an. US-Präsident Richard Nixon hatte die Bindung des US-Dollar an Gold aufgehoben und damit das Währungssystem, welches 1944 in Bretton Woods entwickelt wurde, abgeschafft. In den Folgejahren gingen immer mehr Staaten zu flexiblen Wechselkursen über, was dem Goldpreis weiteren Auftrieb verschaffte.


Entwicklung des Goldpreises in 3 Phasen

Aufwärtstrend zwischen 1971 und 1980

Die Entwicklung des Goldpreises lässt sich ganz allgemein in drei Phasen einteilen - zwischen 1971 und 1980 war ein starker Aufwärtstrend zu beobachten, der im Januar 1980 mit einem damaligen Hochstand von 873 US-Dollar endete - dies entspricht inflationsbereinigt einem Wert von etwa 2.566 US-Dollar. Damals war eine hohe Inflation aufgrund steigender Ölpreise zu beobachten, zudem schlug sich der sowjetische Einmarsch in Afghanistan auf den Goldpreis nieder.

Abschwung ab 1980 bis 1999

Ab 1980 war ein lang anhaltender Abschwung zu beobachten, der im Juli 1999 mit 252 US-Dollar seinen Tiefpunkt fand, was nach heutiger Kaufkraft etwa 367 Dollar entspricht. Verantwortlich waren vor allem Spekulationen auf eine Reduzierung der Goldreserven der Notenbanken. Im Jahr 1999 einigten sich die Notenbanken allerdings auf Begrenzungen der Goldverkäufe.

Fortsetzung des Aufwärtstrends 2000 bis dato

Seitdem steigt der Goldpreis kontinuierlich an - parallel zur Staatsverschuldung der Vereinigten Staaten von Amerika. Die 500-Dollar-Marke wurde 2005 überschritten, 2008 kletterte Gold über die 1000-Dollar-Marke - im September erzielte Gold mit etwa 90 Dollar seinen größten Tagesgewinn überhaupt, Auslöser war die Pleite der US-Investment Bank Lehman Brothers. Besonders im Jahr 2009 galoppierte der Goldpreis zu neuen Höhen - drastische Kursverluste an den Börsen und massive Goldkäufe durch die Zentralbanken begünstigten die Goldhausse. 2011 lag der Preis erstmals jenseits von 1500 US-Dollar pro Unze und kletterte im Jahresverlauf auf das Allzeithoch von genau 1920,65 US-Dollar an.

Seitdem sind immer wieder Rückschläge zu beobachten, die allerdings bisher ausnahmslos ausgeglichen wurde. Beispielsweise drückte ein schwacher Dollar in Verbindung mit dem Atomkonflikt mit dem Iran den Goldpreis zwischen April und Juni 2006 von 730 Dollar auf 543 US-Dollar - auch damals wurde ein Ende der Goldhausse proklamiert, nachdem der Goldpreis mit 730 Dollar so hoch stand wie zuletzt vor 26 Jahren.

Lektüretipp für vertiefende Information zur Entwicklung des Goldpreises: Die historischen Goldpreise, die auch in diesem Artikel genannt werden, können beispielsweise unter "//www.gold.de/kurse/goldpreis/entwicklung/? oder "stooq.de" eingesehen werden.

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