Stand: 29.01.2020 von Jörg Bernhard 7 Kommentare

Der erste Degussa-Marktreport des Jahres 2020 enthielt unter anderem aktuelle Prognosen zur Entwicklung der Edelmetallpreise zum Jahresende. Chefökonom Dr. Thorsten Polleit prognostiziert einen Preis von 1.700 Dollar für Gold und 25 Dollar für Silber.

Vermögenspreisinflation durch Notenbanken

Die Analysten von Degussa rechnen dank der expansiven Geldpolitik der Notenbanken im Jahr 2020 nicht mit einem Einbruch der Konjunktur, das Wirtschaftswachstum könnte sich allerdings verlangsamen. Während sie vielen Märkten eine blasenhafte und inflationäre Aufblähung attestieren, sehen sie dieses Problem bei Gold und Silber nicht. Beide Edelmetalle stufen sie als eine 

„Versicherung gegen die Tücken des ungedeckten Papiergeldsystems“ ein. 

Hinsichtlich der Zinsentwicklung sei die Wahrscheinlichkeit für extrem niedrige Zinsen – insbesondere in der Eurozone und Japan – weiterhin sehr groß. Aber auch in China und den USA dürfte die Geldpolitik der Notenbanken locker bleiben.

Da in der heutigen Wirtschaft ohne Kredit nichts mehr geht, würden die Notenbanker alles daransetzen, dass das Kreditprinzip nicht in Misskredit gerät. Sobald dieses Vertrauen wegfällt, würde die in den vergangenen Jahrzehnten Schuldenpyramide der Fiat-Geldsysteme kollabieren. 

Als Folge dieser Geldpolitik herrscht derzeit zwar keine Inflation der Konsumentenpreise, sondern vielmehr eine Vermögenspreisinflation. Durch die künstlich niedrig gehaltenen Zinsen sind nämlich Anleihen, Aktien und Immobilien in die Höhe getrieben worden, was zu einer anhaltenden Aushöhlung der Kaufkraft von Geld führt

In der Fachsprache spricht man in einem solchen Fall auch häufig von der Fehlallokation von Kapital mit der Folge, dass das Halten von Geld aufgrund des negativen Realzinses (inflationsbereinigte Rendite) zum Verlustgeschäft wird.

Degussa warnt vor „besonderen Risiken“

Ein besonderes Risiko birgt derzeit das Banken- und Finanzsystem. In einer kritischen Lage befände sich zum Beispiel das Euro-Bankensystem. Zum einen könnte es zu Problemen bei der Refinanzierung fällig werdender Schulden kommen und zum anderen drohe aufgrund der steigenden Netto-Verschuldung im Staat-, Unternehmens- und Privatsektor eine

gewaltige Krise."

Und auch der ungelöste Konflikt zwischen den USA und China würde erhebliches Rückschlagpotenzial eröffnen. Die Degussa-Analysten weisen darauf hin, dass es dabei nicht ausschließlich um den Außenhandel ginge, sondern auch um die globalen Machtansprüche beider Länder.

Dies alles könne unter Umständen den derzeit prognostizierten Konjunkturverlauf „aus dem Gleis werfen“. Deshalb weisen die Experten darauf hin, dass man sich trotz der optimistischen Stimmungslage an den Finanzmärkten nicht über die besonderen Risiken hinwegtäuschen lassen solle. Deshalb sprechen sie für Anleger fünf Empfehlungen aus:

  • Geldhaltung verringern 

  • Euro-Klumpenrisiko vermeiden

  • Vorsicht gegenüber klassischen Zinsprodukten 

  • auf „Vermögenspreisinflation“ setzen

  • Kosten für Konten- und Depothaltung senken

Edelmetallprognosen von Degussa

aktuell Prognose Ende 2020 Jahrestief 2020 Jahreshoch 2020
Gold (USD) 1.578,25 1.695,00 1.459,00 1.931,00
Silber (USD) 18,17 25,00 20,00 29,00
Platin (USD) 999,00 1.256,00 1.020,00 1.492,00
Palladium (USD) 2.390,00 1.536,00 1.300,00 1.772,00
Quelle: Degussa Marktreport vom 23. Januar 2020; Stand: 27. Januar

Ausblick für die laufende Woche

Die EZB-Sitzung der vergangenen Woche erwies sich für den Goldpreis als klassisches Non-Event. Kein Wunder, schließlich bleibt alles erst einmal beim Alten:

  • monatliche Anleihekäufe im Volumen von 20 Milliarden Euro

  • Leitzinsen von null Prozent 

  • minus 0,5 Prozent für EZB-Einlagen. 

Immer mehr Banken geben diese „Strafzinsen“ der EZB an ihre Privatkunden weiter. Laut dem Zinsportal biallo.de reichen rund 90 Finanzinstitute diese Kosten als Verwahrentgelte – unter Berücksichtigung unterschiedlich hoher Freibeträge – an ihre Kunden weiter.

Zur Erinnerung: Vor sechs Monaten lag diese Zahl bei lediglich 30. Niedrige Zinsen und vor allem Strafzinsen gelten im Goldhandel meist als Kaufargument und dürfte beim Ende Dezember Anfang Januar zu beobachtenden „Goldrausch“ eine wichtige Rolle gespielt haben.

Nun blicken die Akteure bereits auf das nächste Zins-Event: das Zusammentreffen der US-Notenbanker am Mittwoch (29. Januar). 

Eine Zinssenkung gilt als das unwahrscheinlichste Szenario, schließlich zeigt das vom Terminbörsenbetreiber CME Group konzipierte FedWatch-Tool aktuell eine Wahrscheinlichkeit von null Prozent an. Signifikante Werte von über zehn Prozent werden erst für die Sitzungen Ende April (18,1 Prozent), im Juni (34,4 Prozent) und Ende Juli (44,3 Prozent) angezeigt. Doch bis dahin kann noch viel passieren.

Gold: Degussa-Chefökonom Polleit sieht Gold bei 1.700 Dollar
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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von Commander Crash | 03.02.2020, 15:45 Antworten

An anderer Stelle beschreibt der Chefökonom wie Inflation vor Arbeitslosigkeit und Offenbarungseid schützen kann/soll/könnte. Und was auf diesen Glauben folgte.

von JS56 | 01.02.2020, 09:19 Antworten

Gerhard: Es wird nirgendwo so viel manipuliert und geschoben
wie bei der Berechnung der Inflation.
Wer das alles glaubt, was in der Zeitung steht, der glaubt auch,
dass Mario Draghi das Bundesverdienstkreuz verdient hat.

von Rotgoldmarie | 29.01.2020, 17:12 Antworten

Die Aussage der Degussa halte ich für noch sehr zurückhaltend

von JS56 | 31.01.2020, 13:53 Antworten

Gerhard:
Aha, der gute Glaube steckt also hinter einer Währung und die Inflation findet nicht statt.
Interessante Theorie !?!
Was ist mit den weltweiten Schulden, die rasant wachsen, insbesondere
in den USA ? Auch nur Angstmache ?
Oder das hemmungslose Gelddrucken der Zentralbanken ?
Vermutlich Fakenews.
Geld wird so lange gedruckt, wie Baumwolle erhältlich ist,
Goldvorkommen dagegen ist begrenzt und bleibt wertvoll.
Seit Einführung des Euro hat die Währung 40 % ihres damaligen Wertes verloren.
Aber Inflation gibt es für Sie ja nicht.

Verkaufen Sie uns doch bitte nicht für dumm.

1 Antwort an JS56 anzeigen
von Gerhard | 31.01.2020, 12:36 Antworten

Geld ist heutzutage nur noch ein virtuelles Gut in Form von Zahlen, die zwischen Computern hin und her geschoben werden und wird nicht mal mehr in vollem Umfang als Papiergeld gedruckt. Wichtig ist nur das der bemessene Wert von den Nutzern akzeptiert wird. Da nun der gute Glaube hinter der Währung steckt wird die ständig vorhergesagte Inflation nicht stattfinden. (Siehe hierzu auch die Akzeptanz von Kryptowährungen) Mitverantwortlich für das momentane Hoch ist die weltweite Angstmache für die der eigentliche Hintergrund fehlt. Nach dem diese Erkenntnis bei den Anlegern angekommen ist wird der Goldpreis wieder erheblich fallen.

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