Stand: 08.03.2021 von Jörg Bernhard
Erstmals seit 1979 überweist die Deutsche Bundesbank ihren im vergangenen Jahr erzielten Gewinn nicht an das Bundesfinanzministerium, sondern betreibt lieber eine verstärkte Risikovorsorge. Anleger sollte dies aufhorchen lassen.
Gold: Deutsche Bundesbank erhöht ihre Risikovorsorge

Bundesfinanzministerium muss auf Milliarden verzichten

Nur zur Erinnerung: In den Jahren 2017 bis 2019 kletterte zur Freude der Bundesfinanzminister der Gewinn der Bundesbank von 1,90 Milliarden auf 5,85 Milliarden Euro. Aufgrund erhöhter Risiken verzichtete man in diesem Jahr auf die Ausschüttung an den Bund und erhöhte lieber die Risikovorsorge von 16,40 Milliarden auf 18,42 Milliarden Euro.

Laut Bundesbankpräsident Jens Weidmann sei damit

„der Anstieg der Risiken im vergangenen Jahr aber nur zu einem Teil abgedeckt“.

Das heißt: Auch in diesem Jahr droht eine weitere Aufstockung der Wagnisrückstellung, weil mit einer grundsätzlichen Änderung der Risikolage nicht zu rechnen sei.

Der Gewinneinbruch war vor allem auf gestiegene Zinsaufwendungen und zurückgegangene Zinserträge zurückzuführen. Gut zu wissen, dass nicht nur deutsche Sparer unter der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank zu leiden haben, sondern auch die Bundesbank und somit die Bundesrepublik Deutschland.

Besonders problematisch: Die gehaltenen Anleihen werfen immer weniger Zinsen ab und bergen immer höhere Ausfallrisiken.

Besorgniserregend entwickelt sich aber auch die Bilanzsumme der Bundesbank. Aufgrund der corona-bedingten geldpolitischen Stützungsmaßnahmen erhöhte sie sich im vergangenen Jahr um 42 Prozent auf 2,53 Billionen Euro.

Bundesbankgewinn (in Mio. Euro) und Risikovorsorge (in Mio. Euro)

Sowohl das Wachstumstempo als auch deren absolute Höhe stellt einen neuen Rekord dar.

Das bisherige Allzeithoch wurde mit 1,84 Billionen Euro im Jahr 2018 gemeldet. Neben längerfristigen Refinanzierungsgeschäften waren hierfür auch das Anleihekaufprogramm PEPP maßgeblich verantwortlich. Des Weiteren haben Liquiditätszuflüsse aus dem europäischen Ausland dazu geführt, dass die TARGET2-Forderung der Bundesbank gegenüber der Europäischen Zentralbank 2020 erstmals die Marke von einer Billion Euro überschritten hat und zum Jahresultimo bei 1,14 Billionen Euro angelangt war.

Inflation auf dem Vormarsch

Auch beim Thema Inflation herrscht national wie international ein hohes Maß an Verunsicherung. Bundesbankpräsident Weidmann geht davon aus, dass Sonderfaktoren die Inflationsrate in Deutschland gemäß dem Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) bis Ende Dezember auf über drei Prozent treiben werden.

Für den Monat Februar wurde übrigens eine Beschleunigung von 1,0 Prozent (Januar) auf 1,3 Prozent p.a. gemeldet.

Mit deutschen Anleihen kann man die Geldentwertung in den kommenden Jahren sicherlich nicht kompensieren. Mit Goldinvestments dürfte dies eher gelingen, schließlich vertraut auch die Bundesbank auf dessen wohltuende Wirkung. Laut World Gold Council belaufen sich die Goldreserven der Bundesbank aktuell auf 3.362,4 Tonnen im Gegenwert von 154 Milliarden Euro.

Bleibt zu hoffen, dass diese Form der Risikovorsorge in den kommenden Jahren bzw. Jahrzehnten von niemandem angerührt wird.

Ausblick für die laufende Woche

In den kommenden Handelstagen stehen einige „Hingucker“ auf der Agenda.

So erfahren die Akteure an den Finanzmärkten am Mittwoch, wie es in den USA um die Inflation im Februar bestellt war. Laut einer von Trading Economics veröffentlichten Umfrage unter Analysten soll sich die Teuerungsrate gegenüber dem Vormonat von 1,4 auf 1,7 Prozent p.a. beschleunigt haben. Einen Tag später dürfte die anstehende Sitzung der Europäischen Zentralbank und die nachfolgende Pressekonferenz mit EZB-Chefin Christine Lagarde für erhöhte Aufmerksamkeit sorgen.

Eine wichtige Rolle dürften Themen wie zum Beispiel der jüngste Zinsanstieg, die unsicheren Konjunkturperspektiven und natürlich die Inflation spielen.

Je nach Tenor ihrer Statements könnte der Euro entsprechend reagieren und dadurch auch den Goldpreis stark beeinflussen. Derzeit reagieren die Akteure an den Goldmärkten vor allem auf negative Nachrichten wie zum Beispiel die steigenden Zinsen.

Über kurz oder lang werden aber wieder andere Themen das Kommando übernehmen.

Bitcoin und Aktien mögen derzeit stärker gefragt sein als der traditionelle Krisenschutz, verkaufen oder gar abschreiben sollte man Gold deshalb aber noch lange nicht.

Autor: Jörg Bernhard
Freier Wirtschaftsjournalist
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von Graf von Henneberg | 08.03.2021, 15:59 Antworten

Haben diese Schlawiner bei der Bundespank tatsächlich Gewinne gemacht? So stehts im Artikel. Und dem Volk werden derweil die Minuszinsen schmackhaft gemacht! Wie war das mit dem Wasser predigen und Wein saufen?

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"