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Stand: 17.08.2021 von Jörg Bernhard
In der vergangenen Woche haben die Investoren erfahren, wie dynamisch sich Geld in Deutschland und in den USA entwertet hat. Der Goldpreis an den Futures-Märkten reagierte darauf positiv und übertraf sein während des Flash-Crash markierten Viermonatstief um mehr als 100 Dollar.
Gold: Deutsche Inflation im Juli auf 27-Jahreshoch

Rückenwind für den Inflationsschutz Gold

Am vergangenen Mittwoch wurden die Investoren auf eindrucksvolle Weise daran erinnert, dass die Inflation gegenwärtig ausgesprochen stark ausgeprägt ist (siehe Tabelle).

Inflationsraten im Juli 2021

Land Juli 2021 Jahrestief Jahreshoch
USA (p.a.) 5,4 % 1,4 % 5,4 %
Deutschland (p.a.) 3,8 % 1 % 3,8 %
Frankreich ( p.a.) 1,2 % 0,6 % 1,4 %
Italien (p.a.) 1,9 % 0,4 % 1,9 %
Eurozone (p.a.) * 1,9 % 0,9 % 2,2 %
China (p.a.) 1 % -0,3 % 1,3 %
Quelle: Trading Economics; * geschätzt
Hier zu Lande war im Juli eine Inflationsrate von 3,8 Prozent p.a. zu beklagen.

Unter Berücksichtigung etwaiger Strafzinsen bzw. negativer Anleiherenditen fällt der Kaufkraftverlust sogar deutlich höher aus. Wer zum Beispiel vor einem Jahr Bargeld in Höhe von 100.000 Euro besessen hat, musste seither einen Verlust an Kaufkraft von 3.800 Euro hinnehmen.

Besonders beängstigend: Sollte diese Inflationsrate in den kommenden beiden Jahren nicht sinken, würde sich das Minus auf über zehn Prozent belaufen.

In den USA herrschte im Juli mit 4,3 Prozent (Kerninflationsrate) zwar eine stärkere Inflation als in Deutschland, da US-Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit aktuell eine Rendite von immerhin 1,25 Prozent p.a. bieten, fällt der reale Vermögensverlust aber weniger heftig als für deutsche Anleiheinvestoren aus.

Unter wirtschaftlichen Aspekten macht der Kauf deutscher oder US-amerikanischer Staatsanleihen aufgrund des vorprogrammierten Kaufkraftverlustes derzeit absolut keinen Sinn.

Wahrscheinlich werden diese Papiere deshalb vor allem von Notenbanken gekauft.

Nur zur Erinnerung:

Die EZB kauft Monat für Monat Anleihen der Mitgliedsländer im Volumen von 20 Milliarden Euro auf. In den USA belaufen sich die Anleihekäufe der Fed sogar auf monatlich 120 Milliarden Dollar.

Hin und wieder sprechen sich einige US-Notenbanker für ein früher als erwartetes Zurückschrauben der „Geldspritzen“ aus und sorgen dadurch für Irritationen.

Das Haltbarkeitsdatum solcher Aussagen erwies sich in der Vergangenheit aber regelmäßig als relativ begrenzt. Laut FedWatch-Tool des Terminbörsenbetreibers CME Group existiert derzeit eine Wahrscheinlichkeit von über 60 Prozent an, dass wir Dezember 2022 höhere Zinsen als heute sehen werden.

Bevor allerdings ein Zinsschritt nach oben vollzogen wird, dürfte ein Zurückfahren der Anleihekäufe (Tapering) erfolgen.

Sollten diese geldpolitischen Schritte den Finanzmärkten nicht bekommen, darf man auf die Reaktion der FED gespannt sein. Die geldpolitische Munition zur Unterstützung der Wirtschaft dürfte allerdings angesichts ultraniedriger Zinsen, exorbitant hoher Anleihebestände und der regelrecht explodierten Bilanzsumme relativ begrenzt und daher wenig effektiv sein.

Eines dürfte derzeit relativ unbestritten sein: Als Wertaufbewahrungsmittel geben derzeit weder der Dollar noch der Euro eine sonderlich gute Figur ab. Sowohl der traditionelle Inflationsschutz Gold als auch das „neue Gold“ namens Bitcoin erfreut sich derzeit einer regen Nachfrage.

Ungeachtet dessen wird aber auch weiterhin viel Bargeld, Tagesgeld und Termingeld gehalten, wo sich Kaufkraftverlust besonders schmerzlich bemerkbar macht.

Ausblick für die laufende Woche

Am vergangenen Sonntag jährte sich zum 50. Mal die Aufhebung der Goldpreisbindung durch US-Präsident Nixon. Damals besaßen die Notenbanken der am Bretton-Woods-Abkommen beteiligten Staaten gegenüber der US-Notenbank Fed das Recht, 35 Dollar in eine Feinunze Gold zu tauschen. Seither hat sich der Goldpreis mehr als verfünfzigfacht.

Heute basiert die US-Währung lediglich auf dem Vertrauen, dass man auch in Zukunft Dollars in Waren und Dienstleistungen tauschen kann. Dieses Vertrauen hat offensichtlich aber ziemlich gelitten und die Wahrscheinlichkeit, dass sich dieser Negativtrend ins Gegenteil verkehren wird, scheint ziemlich gering zu sein.

Markante Goldschwächen erwiesen sich in der Vergangenheit hingegen stets als temporäres Phänomen.

Apropos temporäres Phänomen – viele Notenbanker und Analysten sehen die aktuelle Inflationsphase ebenfalls als temporäre Erscheinung. Aber sollte man bei rückläufiger Inflation sich von den ganz privaten Goldbestände trennen? Ich denke nicht, schließlich gibt es zahlreiche Notenbanken, die ihre Goldreserven aufstocken.

Und die mit den weltweit höchsten Reserven halten weiterhin an der altbewährten Krisenwährung fest. Die Entscheidung erscheint plausibel, da wir seit Jahrzehnten vor allem eines erlebt haben: eine Inflation an Krisen.

Autor: Jörg Bernhard
Freier Wirtschaftsjournalist
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"