Stand: 27.07.2018 von Egmond Haidt 6 Kommentare

Entgegen der Erwartung vieler Experten haben sich US-Präsident Donald Trump und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker auf einen Deal geeinigt. Damit schwächen sich die Konjunktursorgen etwas ab. In dem Umfeld setzen Spekulanten stärker als selten zuvor auf weiter sinkende Goldpreise.

Mit einem deutlichen Kurssprung haben die Aktien von Daimler, BMW und Volkswagen auf die Nachrichten aus Washington reagiert: Das hat auch den DAX mit nach oben gezogen. US-Präsident Donald Trump und sein Kollege EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker haben sich darauf verständigt, zunächst keine neuen Zölle einzuführen, gleichzeitig treten die USA und die EU in Verhandlung über den Abbau von Handelshemmnissen ein. Die EU hat sich bereit erklärt, künftig mehr Sojabohnen und Flüssiggas aus den USA zu importieren.

„Der Ausgang des Gipfels weckt Hoffnungen, dass die beiden größten Volkswirtschaften der Welt in konstruktive Verhandlungen zum Abbau von Handelsbarrieren einsteigen, anstatt sich gegenseitig mit Zöllen und Gegenzöllen zu bedrohen“, sagte Gabriel Felbermayr Leiter des ifo Zentrums für Außenwirtschaft.
“Da die bedrohlichen Autozölle zunächst abgewendet scheinen, würden sich die Konjunktursorgen etwas abschwächen“, so Felbermayr.

Hingegen bleiben andere Experten vorsichtig.

„Die in Aussicht gestellten Lösungen gehen in die richtige Richtung, aber eine gehörige Portion Skepsis bleibt. Von Verhandlungen auf Augenhöhe sind wir noch weit entfernt", sagte Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).

Damoklesschwert Handelskrieg schwebt weiterhin über dem Markt

Während die deutschen Autohersteller erst einmal durchatmen, bleibt die Unsicherheit für viele andere Unternehmen hierzulande und im Rest der Welt groß, denn Trump dürfte den Handelskrieg mit China weiter anheizen, womit sich die Perspektiven für die Weltwirtschaft zusehends eintrüben.

„Mir drängt sich der Gedanke auf, dass angesichts des zunehmenden Widerstands in den USA Trump im Vorfeld der Mid-Term Elections im Herbst mit den ehemaligen „guten“ Partnern Schulterschluss zeigt, um Ängste über negative Auswirkungen seiner Handelspolitik im eigenen Land zu zerstreuen, aber gleichzeitig gegen andere handelspolitische Gegner wie China weiter Härte zeigt“, schrieb Antje Praefcke, Analystin bei der Commerzbank.
„Kurzfristig kann der Markt wohl aufatmen. Aber das Thema Handelskrieg ist m.E. noch lange nicht vom Tisch und dürfte uns spätestens zum Jahresende wieder mehr beschäftigen“, betonte Praefcke.

Am 6. November sind Halbzeitwahlen in den USA. Sollte das Thema Handelskrieg erneut hochkochen, könnte es einen deutlichen Kursrückgang am US-Aktienmarkt geben, was den DAX mit seinen vielen exportabhängigen Unternehmen überdurchschnittlich stark belasten dürfte.

Spekulanten sind extrem bärisch für Gold

Die Nachrichten aus Washington haben nur für geringe Ausschläge beim Goldpreis gesorgt. Er notiert weiterhin in der Nähe des 52-Wochen-Tiefs. Zwar wurde er vom leicht sinkenden Dollar gestützt.

So ist der Dollar-Index, der die Entwicklung des Greenback gegenüber sechs wichtigen Währungen, vor allem gegenüber dem Euro, abbildet, in die Nähe des Ein-Monats-Tiefs gesunken, nachdem Trump die US-Notenbank Fed für ihre anhaltenden Zinserhöhungen kritisiert hat und klargemacht hat, dass er einen schwachen Dollar anstrebt.

Allerdings sind die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen seit dem 19. Juli deutlich auf dem Weg nach oben, was für Gegenwind bei der Goldpreisentwicklung sorgt.

Die Spekulanten am Futures-Markt haben zuletzt stärker als selten zuvor darauf gesetzt, dass die Talfahrt des Goldpreises weitergeht. In der Handelswoche, die am 17. Juli endete, haben sie die Zahl der Futures auf sinkende Kurse (Short) um herbe 24.295 auf 134.224 aufgestockt.

Weil die Zahl auf steigende Kurs (Long) praktisch gleichgeblieben ist, ist die Netto-Short-Position auf 26.449 Kontrakte nach oben geschossen. Die Spekulanten setzen also mit viel mehr Kontrakten auf fallende als auf steigende Kurse.

„Sie (die Netto-Short-Position) befindet sich damit nahe dem Rekordhoch von Ende 2015. Die spekulativen Marktteilnehmer handeln häufig sehr zyklisch. Eine solch extreme Positionierung war in der Vergangenheit oftmals ein Indikator für eine baldige starke Gegenbewegung“, schrieb Eugen Weinberg, Analyst bei der Commerzbank.

Ob die extreme Positionierung auch diesmal ein guter Kontraindikator ist, oder ob sich die Korrektur bei der Notierung des Edelmetalls ausweitet, werden die nächste Monate zeigen.

Gold - Deutschland atmet im Handelskrieg auf
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [6]
  • von Zabelt, Helge | 04.08.2018, 01:22 Antworten

    ich hab gar keine Panik, Gold und Silber für meine Enkel.........was soll da schiefgehen

    • von Dr. Sommer | 04.08.2018, 10:25 Antworten

      Ganz genau, denen ist es auch völlig egal zu welchem Kurs Opa das Gold gekauft hat. Die lieben kleinen Enkelchen haben es ja nicht bezahlt.

  • von Goldsammler | 27.07.2018, 21:16 Antworten

    Der Deal ist schwachsinnig. Nächste Woche kommt das Gegenteil!

  • von Fritzthecat | 27.07.2018, 16:13 Antworten

    Die Marktpreise der Edelmetalle und vor allem die Stimmung unter Profis, aber auch nicht zuletzt die starken Käufe privater Investoren verwirrt. Ich kann hier nur für mich sprechen, aber im Moment weiß ich nicht was ich tun soll.

    • von Wolga66 | 27.07.2018, 19:38 Antworten

      Abwarten und das Pulver trocken halten,Gold und Silber sind z.Zt. nicht gefragt.

    • von Andi | 27.07.2018, 18:49 Antworten

      Nachkaufen was geht....

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