Stand: 24.04.2020 von Florian Grummes
Seit Ende Februar ist die Volatilität am Goldmarkt explodiert. Tagesschwankungen von 40 US-Dollar und mehr sind mittlerweile fast schon normal geworden. Damit ist der seit August 2018 etablierte relativ gemütliche Aufwärtstrend von einem wilden Husarenritt abgelöst worden. Der Grund dafür ist sicherlich primär in der Covid-19 Krise zu finden.
Gold – Die Luft wird immer dünner

So kam der Goldpreis mit Beginn des Lockdowns in Europa und den USA ausgehend von 1.703 US-Dollar stark unter Druck. Dabei wurde ein weltweites Deflationsszenario mit tiefen Kursen um 1.450 US-Dollar innerhalb einer Handelswoche eingepreist.

Da sich die Notenbanken und Regierungen dann jedoch mit Rettungspaketen und Geldmengenausweitungen gegenseitig überboten, zog der Goldpreis in den letzten fünfeinhalb Wochen wieder stark an. Im Hintergrund sorgte der Lockdown zudem für eine dramatische Angebotsverknappung, da Minen und Scheideanstalten geschlossen werden mussten. 

Gleichzeitig wurden die Edelmetallhändler jedoch weltweit von besorgten Groß- und Kleinanlegern gestürmt. Getrieben von diesem komplexen Angebot- und Nachfrageschock konnte der Goldpreis in der vergangenen Handelswoche am Spotmarkt ein neues 7-Jahreshoch bei 1.747 US-Dollar erreichen.

Silber sowie Platin und Palladium hingegen hinken der Preisentwicklung beim Gold deutlich hinterher und spiegeln damit eindeutig die desolate wirtschaftliche Lage wider. Auch den meisten Aktienmärkten gelingt bislang nur eine überschaubare Gegenbewegung auf den vorausgegangenen Crash. Nur die amerikanische NASDAQ konnte dank den Digitalisierungsgewinnern wie Amazon bereits knapp 75% der Verluste wieder aufholen. 

Auffällig ist in diesen Tagen aber die Stärke der Goldminenaktien. So konnte der wichtige Minen-ETF GDX am Mittwoch erstmals wieder die Marke von 32 US-Dollar zumindest ansatzweise überschreiten. Bislang liefen die Minenaktien in den letzten eineinhalb Jahren meist im Windschatten des Goldpreises.  Sollten sie jetzt trotz der überkauften Lage die Führung übernehmen und einen wichtigen Ausbruch zustande bringen, könnte die eigentlich notwendige Korrektur am Goldmarkt nur sehr milde ausfallen. 

Warnhinweis: Es treiben sich bereits jede Menge Betrüger herum, die aus der Panik und Not noch Gewinn schlagen wollen.

Die aktuellen Fakeshop Warnungen von GOLD.DE 

Goldpreis-Chart in US-Dollar – Laufen sich die Notierungen um 1.750 US-Dollar fest?

Der Goldpreis in US-Dollar konnte seit unserer letzten etwas zu pessimistischen Analyse nochmals knapp 100 US-Dollar aufsatteln und bis auf 1.747 US-Dollar ansteigen. Auf dieses neue 7-Jahreshoch folgte zu Beginn dieser Handelswoche jedoch ein scharfer Rücksetzer bis auf 1.658 US-Dollar. 

Goldpreis-Chart in US-Dollar – Notierungen um 1.750 US-Dollar

Die Bullen kauften dieses Dip aber nochmals, so dass der Goldpreis momentan bereits wieder oberhalb der psychologischen Marke von 1.700 US-Dollar notiert. Dennoch hinterlassen die wilden Preis-Schwüngen der letzten zwei Monate keinen wirklich gesunden Eindruck mehr. Der ursprüngliche Aufwärtstrend ist mit höheren Hochs und tieferen Tiefs einer eher konfusen Lage gewichen. Außerdem reflektieren sich die Sentimentdaten derzeit einen extrem hohen Optimismus unter den Marktteilnehmern.

Goldpreis saisonale Phasen des Jahres

Quelle: Seasonax

Statistisch betrachtet befindet sich der Goldpreis mittlerweile in seiner ungünstigsten saisonalen Phase des Jahres. Meist beginnen die Korrekturbewegungen in den Frühlingsmonaten und können sich bis in den Hochsommer, manchmal auch bis in den Herbst hinein erstrecken. 

In diesem Jahr wurde der Hochpunkt bislang erst kürzlich am 14.April erreicht. Auch ist dieser Hochpunkt noch nicht endgültig bestätigt. Aus der saisonalen Perspektive dürfte der Goldpreis in diesen Wochen aber höchstwahrscheinlich eher ein wichtiges Zwischenhoch ausloten. Eine Korrekturbewegung könnte sich dann problemlos bis in den August oder September hinziehen. 

Zwar kann es dabei immer wieder zu größeren Zwischenerholungen kommen, angesichts der starken Anstiege in den letzten 20 Monaten sowie der überkauften Lage auf dem Tages-, Wochen- und Monatschart sollte man zumindest drei bis vier korrektive Monate einplanen.

Kurzfristig haben die Bullen noch etwas Luft und Spielraum und könnten den Goldpreis durchaus nochmal in Richtung 1.740 US-Dollar nach oben treiben. Insgesamt überwiegt jedoch die Vermutung, dass sich der Goldpreis passend zum saisonalen Verlauf im Bereich um 1.740 bis 1.800 US-Dollar in diesen Tagen oder Wochen festlaufen wird.

Im Anschluss wäre eine mehrmonatige und gesunde Konsolidierung bzw. Korrektur zu erwarten. Dabei sollte zumindest die schnell steigende 200-Tagelinie (1.532 US-Dollar) angelaufen werden. Denkbar ist aber auch ein Test der ehemaligen Widerstandszone um 1.350 bis 1.400 US-Dollar.

Weiterhin keine neuen Kauflimits

Angesichts der drastischen Verwerfungen an den Finanzmärkten und den explodierten Aufschlägen für physische Edelmetalle, hält man derzeit am besten die Füße in diesen schwierigen Zeiten still. 

Dennoch dürfen Sie auch weiterhin keine einzige physische Unze Silber oder Gold aus der Hand geben. Das ist ab jetzt ihre Lebensversicherung. 

Wer noch überhaupt kein Gold und Silber besitzt, sollte zumindest fünf Prozent seines Gesamtvermögens so schnell wie möglich in die Edelmetalle tauschen. Dabei kommt es jetzt nicht auf den besten Preis an, sondern nur auf die Tatsache, dass man es in den eigenen Händen hält.

Autor: Florian Grummes
Technischer Analyst

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"