Stand: 14.11.2017 von Jörg Bernhard 1 Kommentare

Am vergangenen Donnerstag veröffentlichte der World Gold Council ein relativ negatives Update zur globalen Entwicklung von Angebot und Nachfrage bei Gold im dritten Quartal. Letztere rutschte zum Beispiel auf den niedrigsten Wert seit acht Jahren ab.

Globale Goldnachfrage im Rückwärtsgang

Summa summarum meldete der World Gold Council für die Monate Juli, August und September einen signifikanten Rückgang der globalen Goldnachfrage. Gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum schlug ein Minus von neun Prozent auf 915 Tonnen zu Buche (siehe Tabelle) – seit dem Jahreswechsel beläuft sich der Rückgang sogar auf 12 Prozent.

Aktuelle Goldnachfrage

Noch geringer fiel die physische Goldnachfrage im dritten Quartal 2009 aus. Weniger deutlich bergab ging es mit dem globalen Goldangebot, welches sich insgesamt um zwei Prozent auf 1.146,4 Tonnen reduziert hat.

Dabei fiel die Minenproduktion um ein Prozent auf 841 Tonnen zurück, während die Sekundärproduktion (Recycling von Altgold) mit minus sechs Prozent auf 315,4 Tonnen deutlich stärker zurückfiel.

Als Hauptgrund für den markanten Nachfragerückgang nannte der World Gold Council unter anderem die schwache indische Schmucknachfrage. Während der Appetit der chinesischen Schmuckindustrie im Berichtszeitraum um 13 Prozent 159,3 Tonnen zugelegt hat, war im Nachbarland Indien, bedingt durch den Basiseffekt (Bargeldreform vor einem Jahr) und wegen der Mehrwertsteuerreform (seit 1. Juli) ein regelrechter Einbruch um 25 Prozent auf 114,9 Tonnen registriert worden.

Goldnachfrage im dritten Quartal 2017

globales Angebot: Q3 2016 (Tonnen) Q3 2017 (Tonnen) diff. in %
Minenangebot 851,8 841,0 -2,0 %
Hedging (Preissicherung) -18,3 -10,0 -
Recycling 335,0 315,4 -5,9 %
insgesamt: 1168,4 1146,4 -1,9 %
globale Nachfrage:
Schmuckbranche 495,3 478,7 -3,4 %
Technologie 82,6 84,2 1,9 %
Notenbanken 88,8 111,0 25,0 %
Investment 334,5 241,2 -27,9 %
davon:
Barren & Münzen 190,2 222,3 16,9 %
ETFs und ähnliche Produkte 144,3 18,9 -86,9 %

Quelle: World Gold Council

Licht und Schatten in anderen Segmenten

Ein bisschen Licht konnte man in dem Quartalsbericht aber ebenfalls ausmachen. Vor allem bei Goldbarren und Goldmünzen war in Q3 ein deutlich stärkeres Interesse zu beobachten. Dank einer robusten Nachfrage aus China (+57 Prozent auf 64,3 Tonnen) war in diesem Sektor insgesamt ein Nachfrageplus von 17 Prozent p.a. auf 222,3 Tonnen registriert worden.

Gebremst wurde diese positive Entwicklung allerdings durch Indien, wo die Nachfrage um 23 Prozent empfindlich zurückging.

Andere Baustelle: Innerhalb des ETF-Sektors waren im vergangenen Quartal zwar Zuflüsse 18,9 Tonnen registriert worden, auf Jahressicht fielen diese aber um 87 Prozent geringer als im Vorjahr aus.

Dass es weiterhin gute Gründe zum Kauf von Gold gibt, hat vor allem der Notenbankensektor aufgezeigt, der sich bei der Bewertung von Geld und etwaiger Alternativen besonders gut auskennen sollte.

Gegenüber Q3 2016 haben die „Währungshüter“ ihre Nettokäufe von 88,8 auf 111,0 Tonnen und somit um ein Viertel nach oben geschraubt. Fast 93 Prozent dieser Goldkäufe gingen auf das Konto folgender Notenbanken:

  • Russland (63 Tonnen)
  • Türkei (30 Tonnen)
  • Kasachstan (10 Tonnen).

Dabei fällt eines auf: Vor allem in Schwellenländern wollen die Zentralbanken offensichtlich von dominierenden Währungen wie dem Dollar, dem Euro und dem Yen nicht zu abhängig sein. Die deutsche Bundesbank hat sich wegen seiner Münzproduktion laut World Gold Council übrigens von 0,4 Tonnen Gold getrennt.

Ausblick für die laufende Woche

Derzeit halten sich für den Goldpreis positive und negative Faktoren in etwa die Waage. Belastende Einflüsse wie Dollarstärke, Zinsängste und relativ hohe Aktienindizes in Europa und den USA kommen derzeit nicht voll zum Zuge.

Kein Wunder, angesichts der politischen Unsicherheiten im Nahen Osten, wo in Saudi-Arabien auf Betreiben von Kronprinz bin Salman Mitglieder der Königsfamilie sowie hochrangige Politiker verhaftet wurden. Auch die wachsende Kriegsgefahr in dieser Region dürfte bislang eine markante Verkaufswelle an den Goldmärkten verhindert haben.

Nicht auszudenken, was mit dem Ölpreis und Gold passieren würde, wenn sich die derzeitigen Stellvertreter-Kriege zwischen Saudi-Arabien und dem Iran in einen direkten Militärkonflikt zwischen beiden Ländern entwickeln würde.

Eines dürfte dann wohl relativ sicher sein: eine steigende Inflation. In der aktuellen Handelswoche stehen übrigens diverse Teuerungsraten aus Deutschland, Großbritannien, Italien, Frankreich sowie aus den USA  und der Eurozone auf der Agenda.

Da in den vergangenen Wochen und Monaten vor allem die Energiepreise nach oben tendierten, dürfte die Inflation dieselbe Richtung eingeschlagen haben. Davon könnte wiederum der Inflationsschutz Gold profitieren.

Gold: Durchwachsener Quartalsbericht vom World Gold Council
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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Kommentare [1]
  • von Klaus | 14.11.2017, 11:51 Antworten

    Sehr geehrter Herr Bernhard,
    in diesem Artikel unterstellen Sie, dass die Inflation steigt, wenn zwischen Saudi-Arabien und dem Iran ein Militärkonflikt entstehen würde.
    Das bedeutet Sie unterstellen, dass der Ölpreis steigen würde, weil von Ihnen ein nicht zu behebender dauerhafter Engpass bei der Lieferung von Öl aus dieser Region unterstellt wird. Somit der Preisanstieg nicht nur kurzfristig sondern dauerhaft wäre und starken Einfluss aus die Weltwirtschaft ausüben würde.
    Kurzfristig stimme ich Ihnen zu. Längerfristig wird jedoch dieser Lieferengpass durch andere Länder wie zum Beispiel Venezuela, USA, Russland ausgeglichen werden. Was bedeutet, dass die Auswirkung auf die Inflation nur kurzfristig und nicht dauerhaft ist. Somit wäre ein eventueller Preisanstieg bei Gold nur temporär und würde nach kurzer Zeit wieder normalisieren. Für den Goldpreis wäre das dann doch somit längerfristig ein Non-Event.

    Zum Anderen würde ich gerne von Ihnen wissen, warum die Verhaftungswelle in Saudi-Arabien eine Auswirkung auf den Goldpreis haben soll. Denn das Öl sprudelt unbeirrt weiter aus dieser Region. Oder wollten Sie hier nur ein zusätzliches aktuelles „Argument“ für einen möglichen Anstieg von Gold „einbringen“.

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