Stand: 10.10.2016 von Jörg Bernhard 1 Kommentare

Massiver Verkaufsdruck brockte dem Krisenschutz Gold in der vergangenen Woche den heftigsten Wochenverlust seit 2013 ein. Ein Cocktail mehrerer Belastungsfaktoren war für den massiven Kursrutsch verantwortlich.

Die Angst vor steigenden US-Zinsen in Kombination mit Berichten, dass die EZB über eine Reduktion ihrer monatlichen Anleihekäufe nachdenke, hat den Goldpreis empfindlich belastet. Das Verletzen zahlreicher Stopp-Loss-Marken und diverse charttechnische Verkaufssignale waren dann für das einbrechen des Goldpreises hauptverantwortlich.

Zahl prominenter Goldoptimisten auf dem Vormarsch

Das Jahr 2016 war nicht nur durch ein Trendwechselsignal bei Gold, sondern auch durch einen nachhaltigen Meinungswechsel prominenter und besonders vermögender Investoren gekennzeichnet. Dieser Trend dürfte vor allem auf das nachlassende Vertrauen in die Notenbanken zurückzuführen sein. Trotz explodierender Schuldenberge kommt die Weltwirtschaft einfach nicht in Schwung. Die Liste der Goldfans ist mittlerweile ziemlich lang geworden und hat sich in der vergangenen Woche um ein weiteres Mitglied vergrößert.

Der 72-jährige Oswald Grübel leitete von 2003 bis 2007 die Credit Suisse und von 2009 bis 2011 die UBS und dürfte damit als ausgewiesener Kenner der internationalen Finanzwelt gelten. Heute verwaltet er sein eigenes Vermögen, welches in Finanzkreisen auf einen dreistelligen Millionenbetrag in Schweizer Franken geschätzt wird.

Seinen allgemeinen Pessimismus begründet er mit der Niedrigzinspolitik der Notenbanken, die an den weltweiten Finanzmärkten zu einem „gewaltigen Crash“ führen wird. Diese Zero Interest Rate Policy (ZIRP) ergibt für ihn wirtschaftlich keinen Sinn und werde in der Bevölkerung einen Vertrauensverlust in Währungen und Notenbanken nach sich ziehen. Als Krisenschutz empfiehlt er Immobilien und Gold. Sinnvoll sei eine Goldquote in Höhe von 30 Prozent.

Hochspannung dank Charttechnik

Mit dem in der vergangenen Handelswoche erfolgten massiven Kursrutsch unter die Marke von 1.300 Dollar hat sich beim Goldpreis die charttechnische Spannung aus mehreren Gründen deutlich erhöht.

Erstens: Aktuell kämpft das gelbe Edelmetall um die bei 1.260 Dollar verlaufende Unterstützungszone, die in der Vorwoche zeitweise markant unterschritten wurde.

Zweitens: In diesem Bereich verläuft zudem die 200-Tage-Linie, so dass man die charttechnische Lage aktuell als besonders spannend bezeichnen kann.

Drittens: Der jüngste Kurssturz hat den Timingindikator Relative-Stärke-Index unter 30 Prozent und damit in die überverkaufte Zone abrutschen lassen. Sollte diese Hürde wieder überwunden werden, entstünde ein charttechnisches Kaufsignal. Zum letzten Mal passierte dies im November 2015. Danach kletterte Gold in der Spitze mehr als 30 Prozent.

Goldprognosen

2017 2018 2019 2020
Anzahl der Analysten 36 25 18 16
Durchschnitt (in USD) 1.339,00 1.394,00 1.402,00 1.484,00
Tief (in USD) 1.100,00 1.174,00 1.143,00 1.148,00
Hoch (in USD) 1.651,00 2.200,00 2.500,00 3.000,00

Quelle: Bloomberg; Stand: 07.10.2016

Analysten tendenziell „bullish“

Analysten trauen dem Goldpreis auf lange Sicht dennoch einiges zu, wenngleich die Spanne der abgegeben Kursziele – und somit die Unsicherheit – recht groß ausfällt. Auf Basis von insgesamt 35 von der Nachrichtenagentur Bloomberg erfassten Kursziele für 2017 (siehe Tabelle) rechnet der pessimistischste Goldexperte mit einem Goldpreis von 1.100 Dollar, während der größte Optimist ein Kursziel von 1.651 Dollar ausgerufen hat. Die für 2018 abgegebenen Prognosen (insgesamt: 25) reichen von 1.174 bis 2.200 US-Dollar und ergeben einen Mittelwert 1.394 Dollar. Mit Blick auf das Jahr 2019 erstreckt sich die Bandbreite der Kursziele (Anzahl: 18) von 1.143 bis 2.500 US-Dollar. Noch krasser fällt die Diskrepanz der insgesamt 16 Schätzungen für 2020 aus, die von 1.148 bis 3.000 Dollar reichen.

Ausblick für die laufende Woche

Ein Kaufargument für Gold scheint sich mehr und mehr in Luft aufzulösen: Die Wahrscheinlichkeit, dass der nächste US-Präsident Donald Trump heißen wird, nimmt von Woche zu Woche ab. Kein Wunder, bei der wenig überzeugenden Publicity. Selbst zahlreiche republikanische Politgrößen betrachten den US-Milliardär als nicht wählbar und forderten ihn zuletzt sogar zum Rücktritt auf. Das am Sonntag stattgefundene zweite TV-Duell konnte daran nichts ändern. Es gibt aber noch genügend Faktoren, die weiterhin für den Kauf von Gold sprechen. Diese finden an den Finanzmärkten aber gegenwärtig wenig Gehör.

Derzeit leidet der Goldpreis in erster Linie unter der steigenden Zinsdifferenz zwischen europäischen und US-amerikanischen Staatsanleihen. Weil Gold weder Zinsen noch Dividenden bietet, werden steigende Zinsen in der Regel als Nachteil für das gelbe Edelmetall und somit als Verkaufsgrund interpretiert. Dabei wird aber häufig vergessen, dass nicht nominale Zinsen, sondern inflationsbereinigte Realzinsen von entscheidender Bedeutung sind. Sobald nämlich Zinsen von der Inflation „aufgefressen“ werden, kann Gold glänzen.

Nach einer Woche feiertagsbedingter Abstinenz kehren die Chinesen wieder an die Finanzmärkte zurück. Nun darf man gespannt sein, ob auf dem deutlich reduzierten Preisniveau ihr Goldappetit wieder gestiegen ist. In den Sommermonaten haben sie sich – wohl auch wegen des hohen Goldpreises – eher zurückgehalten.

Goldpreis: Einbruch über fünf Prozent
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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Kommentare [1]
  • von Goldmann | 11.10.2016, 16:36 Antworten

    25% voriges Jahr....17% dieses Jahr bis jetzt.Bei 0% Bankzinsen....
    Ich bin begeistert.????????

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