Stand: 07.11.2020 von Florian Grummes
Nachdem die Finanzmärkte monatelang auf die US-Wahl hin gefiebert hatten, kam es gestern nicht zu einer klaren und eindeutigen Entscheidung über den Sieger. Stattdessen dürften sich in den kommenden Wochen und Monaten hunderte von Anwälten und Gerichte sowie letztendlich auch der oberste Gerichtshof in den USA mit der möglichen Manipulation der Wahlen beschäftigen.
Gold – Das Ende der dreimonatigen Korrektur ist absehbar

In Deutschland wäre es undenkbar, dass viele Stunden nach Schließung der Wahllokale plötzlich hunderttausende Briefwahlstimmen auftauchen, die zu 70% bis 95% nur Stimmen für einen der beiden Kandidaten enthalten!

Die entscheidende Frage ist daher, ob die Lage in diesem großen und völlig zwiegespaltenen Land in dieser schwierigen Phase noch ruhig bleiben wird, oder ob es möglicherweise zu einem Bürgerkrieg kommt! Bislang gehen die Märkte offensichtlich davon aus, dass die Republikaner ihre Niederlage letztlich sportlich hinnehmen werden. Da die Demokraten aber den kompletten Umbau des gesamten amerikanischen Systems planen und die auf „Checks & Balances“ beruhende Demokratie in den USA daher in höchster Gefahr ist, werden sich die Republikaner mit allen Mitteln zur Wehr setzen müssen.

Im besten Fall droht also eine lange und zähe juristische Auseinandersetzung. Im schlechtesten Fall versinken die Vereinigten Staaten in völligem Chaos. Nach den dramatischen Geschehnissen in diesem Sommer, als ganze Stadtviertel von marodierenden und plündernden Banden übernommen wurden, sowie den offensichtlich unüberbrückbaren ideologischen Differenzen, müssen wir davon ausgehen, dass das Chaos die Oberhand gewinnen wird!

Der Gewinner der letzten Tage und Woche ist jedenfalls bislang vor allem der Bitcoin Kurs, welcher sich stur und unbeeindruckt immer weiter nach oben schiebt und auf dem höchsten Stand seit dem Januar 2018 notiert.

Wie groß der Einfluss all dieser Entwicklungen auf die Finanzmärkte sein wird, lässt sich insgesamt nur schwer vorhersagen. Oft ist politischer Stillstand ja sogar gut für die Märkte, da die Politiker dann handlungsunfähig sind und die Wirtschaft nicht behindern können. Die Notenbanken werden die Märkte in jedem Fall weiterhin mit Liquidität fluten und damit versuchen jegliche Unruhe zu ertränken.

Für die Edelmetallpreise ist das natürlich ein ideales Umfeld.

So schiebt sich der Goldpreis am Donnerstagmorgen mit 1.916 US-Dollar über die Abwärtstrendlinie der letzten drei Monate. Kurzfristig ist die Lage etwas überkauft, aber der Tageschart hat Luft nach oben.

Gleichzeitig steht der Wochenchart langsam, aber sicher ebenfalls vor der Trendwende nach oben, womit eine mehrwöchige bis mehrmonatige neue Aufwärtswelle möglich wird. Insgesamt hat der Goldpreis die zähe Seitwärtsphase der letzten Wochen aber noch nicht beendet.

Die Chance für die Trendwende nach oben stehen in den kommenden vier bis sechs Wochen jedoch extrem gut.

Das 1. Quartal 2021 dürfte daher zumindest eine deutliche Erholung zurück über 2.000 US-Dollar bringen. Ebenso wäre auch eine explosive Rally im gesamten Edelmetall-Sektor denkbar. Mittelfristig sind beim Goldpreis neue Allzeithochs absolut realistisch.

Goldpreis-Chart in US-Dollar –Seitwärtsphase noch nicht beendet 

Mit 1.860 US-Dollar gelang den Bären in der letzten Handelswoche nur noch ein leicht höheres Tief als noch Mitte September (Doppelboden bei 1.850 US-Dollar). Damit zeichnet sich das Ende der zähen, letztlich aber doch relativ milden Korrektur im Goldmarkt ab. Noch können die Bullen allerdings kein nachhaltiges Momentum auf der Oberseite entfachen. Mit dem Sprung über die Abwärtstrendlinie steigen die Chancen dafür nun aber zunehmend an.

Ende der dreimonatigen Korrektur ist absehbar

Die Stochastik hat auf dem Tageschart vor vier Handelstagen ein frisches Kaufsignal generiert und lässt einen Anstieg bis zu den Hochs der letzten Wochen im Bereich um 1.930 US-Dollar erwarten. In diesem Bereich bewegt sich nun auch das obere Bollinger Band (1.933 US-Dollar). Die Bollinger Bänder laufen derzeit allerdings noch seitwärts und deuten damit zunächst eher auf die Fortsetzung der Seitwärtskonsolidierung um 1.900 US-Dollar hin.

Typischerweise kommt es dann vor dem nächsten Anstieg zu einem Zusammenziehen der Bänder und einem letzten tückischen, aber kurzen Rücksetzer.

Sobald die Bullen die Widerstandszone um 1.930 US-Dollar nachhaltig durchbrechen können, ist ein mehr oder weniger direkter Anstieg bis auf ca. 1.988 bis 2.020 US-Dollar zu erwarten. Hier könnten dann sowohl der psychologische Widerstand um 2.000 US-Dollar als auch die Fibonacci-Retracements bei 1.988 und 2.021 US-Dollar für neue Rücksetzer oder zumindest für eine mehrwöchige Konsolidierung sorgen.

Insgesamt macht der Goldpreis einen vielversprechenden Eindruck, denn die Korrektur der letzten drei Monate scheint sich ihrem Ende zu nähern. Eventuell kommt es nochmals zu einigen undurchsichtigen und primär seitwärtsverlaufenden Handelswochen. Spätestens ab Mitte Dezember dürfte sich der Goldpreis aber in Richtung 2.000 US-Dollar aufschwingen und uns dann ein starkes 1.Quartal 2021 bescheren.

Ob es dabei bereits bis zum Frühling zu neuen Allzeithochs oberhalb von 2.075 US-Dollar kommen wird oder ob die Bären dieses Unvermeidliche nochmals für ein paar weitere Monate hinauszögern können, lässt sich momentan noch nicht sagen. Angesichts des drohenden Chaos könnten sich die Dinge in den kommenden Monaten aber beschleunigen. Letztlich reflektiert die schwierige politische Ausgangslage nur die Tatsache, dass die Fiat Währungen im Endspiel angekommen sind.

Psychologisch betrachtet wird der Crack-Up-Boom die Preise für alle Sachwerte immer schneller und immer weiter nach oben drücken.

Neues Kauflimit bis 1.650 Euro

Auf Euro Basis gelang den Bären mit 1.590 Euro am 29.Oktober ebenfalls nur noch ein leicht höheres Tief gegenüber den Tiefständen am 24.September bei 1.586 Euro. Damit wurde das genannte Kauflimit von 1.575 Euro leider erneut ganz knapp verpasst. Angesichts der sich nun beschleunigenden Ausgangslage muss jetzt jede Zurückhaltung über Bord geworfen werden.

Wer immer noch keine oder nicht genügend Edelmetalle besitzt, muss handeln. Mit Kursen um aktuell 1.630 Euro notiert der Preis für eine Feinunze am Spotmarkt immer noch gut 120 Euro unter den Allzeithochs von diesem Sommer. Mit etwas Glück ergibt sich in den kommenden Wochen nochmals eine letzte Chance zu Kursen um oder unterhalb von 1.600 Euro. Darauf hoffen sollte man aber nicht mehr! Vielmehr empfiehlt sich ein neues Kauflimit bis maximal 1.650 Euro.

Autor: Florian Grummes
Technischer Analyst

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"