Stand: 01.12.2015 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Während Gold in physischer Form selbst unter US-Anlegern alles andere als verpönt ist, gab es bei Gold-Futures in den vergangenen Wochen erhebliche Verwerfungen. Diese haben das gelbe Edelmetall ziemlich "alt aussehen" lassen.

Für US Mint offensichtlich ein sehr gutes Jahr

Während der Goldpreis im November zeitweise auf das niedrigste Niveau seit Februar 2010 zurückfiel, verliefen die Geschäfte der nationalen Münzprägeanstalt US Mint - die Goldmünzen ausschließlich an Großhändler und nicht Privatpersonen verkaufen - im Jahr 2015 ausgesprochen erfreulich. So meldeten die US-Amerikaner bereits Mitte November, dass man bei American-Eagle-Goldmünzen mit einem Feingewicht von einer zehntel Unze - also der leichtesten und damit günstigsten Variante - ausverkauft sei und für den Rest des Jahres keine zusätzliche Produktion plane. Bis dato verkaufte man 980.000 Stück also 98.000 Feinunzen dieses Exemplars, welches deutsche Anleger am Freitag noch von zahlreichen Edelmetallhändlern zu Preisen von über 114 Euro kaufen konnten. Unter dem Menüpunkt "Preisvergleich" von gold.de lässt sich die Verfügbarkeit konkreter Münzen schnell und einfach überprüfen.

Summa summarum kann die US Mint das Jahr 2015 als ausgesprochen gutes Jahr bezeichnen. Bislang verkaufte man nämlich in den ersten elf Monaten 1,8385 Millionen American-Eagle-Goldmünzenmit einem Gesamtgewicht von 801.000 Feinunzen (siehe Tabelle). Damit wurde der für das Gesamtjahr 2014 gemeldete Wert bereits um 52,7 Prozent übertroffen - und das Jahr ist noch nicht vorbei. Robert Hartmann, Gründer und Geschäftsführer von pro aurum bezeichnete den bisherigen Geschäftsverlauf in einem auf der Edelmetallmesse geführten Interview als "recht ordentlich" und nannte für die bis dato erzielten Edelmetallumsätze im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 20 Prozent.

American-Eagle-Goldmünzenverkäufe 2015

Stückelung Gesamt Gewicht Stückzahl
1/1 Feinunze: 626.500 626.500
1/2 Feinunze: 37.000 74.000
1/4 Feinunze: 39.500 158.000
1/10 Feinunze: 98.000 980.000

Quelle: US Mint



Immenser Verkaufsdruck von den Terminbörsen

Am vergangenen Freitag rutschte der Goldpreis auf das niedrigste Niveau seit Februar 2010 ab. Einmal mehr dürfte diese Negativtendenz von den Terminspekulanten ausgelöst worden sein. Der am Montagabend veröffentlichte Commitments of Traders-Report der US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC) war eindeutig: Er wies zum vierten Mal in Folge eine kräftig wachsende Skepsis aus. In der Woche zum 24. November fiel die kumulierte Netto-Long-Position (optimistische Markterwartung) auf 11.983 Kontrakte zurück, was auf Monatssicht einem Minus von über 90 Prozent entspricht. Solch heftige Veränderungen der Marktstimmung innerhalb weniger Wochen sind relativ selten, wodurch sich nun die Chance auf eine technische Gegenbewegung ergibt. Rückenwind kommt auch aus charttechnischer Richtung, schließlich lieferte der Timingindikator Relative-Stärke-Index mit dem markanten Überwinden der Marke von 30 Prozent ein klares Kaufsignal. In den vergangenen zwölf Monaten war dies bereits Mitte März und Anfang August zu beobachten. Danach ging es mit dem Goldpreis um etwa 60 Dollar bergauf - ein nachhaltiger Trendwechsel gelang allerdings nicht.

Ausblick für die laufende Woche

Während in den USA seit Monaten über höhere US-Leitzinsenausgiebig diskutiert wird, hofft man in Europa nach diversen Andeutungen seitens der Notenbanker auf ein noch großzügigeres Öffnen der Geldschleusen. Am Donnerstag kann Draghi Nägel mit Köpfen machen. Dann wird nämlich das Sitzungsergebnis der Europäischen Zentralbank kommuniziert. Für Goldinvestoren ist diese Gemengelage ein zweiseitiges Schwert. Zum einen dürfen sie sich Hoffnung auf währungsbedingte Wertzuwächse machen, zum anderen gelten höhere US-Leitzinsen und eine daraus resultierende Dollarstärke zugleich als Belastungsfaktor für das gelbe Edelmetall. Dieser Sachverhalt lässt sich besonders eindrucksvoll an der diesjährigen Performance des Goldpreises ablesen. Auf Dollarbasis beläuft sich das Minus bislang auf 8,9 Prozent, während in Euro gerechnet ein Kursgewinn in Höhe von 2,7 Prozent zu Buche schlägt.

Neue Impulse könnte in der zweiten Wochenhälfte vom US-Arbeitsmarkt generiert werden. Diverse Indikatoren zu diesem Thema könnten dann neue Zinsspekulationen auslösen. Das Highlight steht mit dem Novemberbericht des US-Arbeitsministeriums am Freitag auf der Agenda. Laut einer vom Wall Street Journal veröffentlichten Umfrage unter Analysten soll die Arbeitslosenrate bei 5,0 Prozent stagnieren und die Zahl neu geschaffener Stellen von 271.000 (Oktober) auf 190.000 gesunken sein. Falls sich Janet Yellen nicht trauen sollte, noch in diesem Jahr die Leitzinsen anzuheben, wäre dies eine große Überraschung. Ein Blick auf das FedWach-Tool des US-Terminbörsenbetreibers CME Group legt diesen Schluss nahe, schließlich taxiert dieser von den Fed-Fund-Futures abgeleitete Indikator die Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung auf 78 Prozent, wobei eine ähnlich große Mehrheit sogar einen großen Zinsschritt um 50 Basispunkte erwartet. Das Thema Zinsen sollte damit auf kurze Sicht im Goldpreis bereits gebührend berücksichtigt sein.

Gold: Enormer Verkaufsdruck von der Terminbörse
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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