Stand: 09.01.2018 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Auf Dollarbasis erzielte der Goldpreis im vergangenen Jahr mit plus zwölf Prozent die beste Performance seit 2010. Wegen der markanten Dollarschwäche fiel das Ergebnis in Euro gerechnet allerdings leicht negativ aus (-1,6 Prozent). Nun werden die Karten neu gemischt.

Physisches Gold versus Papiergold

Die Mehrheit der deutschen Privathaushalte kann man  getrost als risikoaverse und sicherheitsorientierte Anlegernaturen betrachten, schließlich hatten Bundesbürger Ende Juni laut Bundesbank insgesamt 2,25 Billionen Euro in Bargeld und Bankeinlagen gebunkert.

Gemessen am liquiden Gesamtvermögen entsprach dies einem Anteil von über 39 Prozent. Dass diese Position ausschließlich auf dem Vertrauen basiert, für dieses Geld auch in Zukunft Waren und Dienstleistungen zu erhalten, dürfte unbestritten sein.

Viele Privatanleger vertrauen aber auch auf Gold, was sich an den soliden Absatzzahlen der Edelmetallhändler und am Boom bei Xetra-Gold ablesen lässt.

Für 2017 meldete dessen Emittent, die Deutsche Börse Commodities GmbH, dass die gehaltene Goldmenge des Gold-Wertpapiers innerhalb eines Jahres von 117,59 auf über 175 Tonnen (+49 Prozent) gestiegen ist.

Kräftige Verkaufswellen am Terminmarkt

„Gemacht“ wird der Goldpreis aber vor allem an der weltweit wichtigsten Börse für Futures und Optionen auf Gold, der Commodity Exchange (Comex).

2017 schwankte dort die Anzahl offener Kontrakte (Open Interest) zwischen 398.400 und 580.600 Futures. Da ein Kontrakt den Gegenwert von 100 Feinunzen Gold repräsentiert, belief sich somit der auf Termin gehandelte „Goldberg“ zeitweise auf über 1.800 Tonnen.

Massiv ausgebremst wurde der Goldpreis im vergangenen Jahr jedoch durch diverse Verkaufswellen großer und kleiner Terminspekulanten. Bei diesen Gruppen von Marktakteuren steht weder der Absicherungscharakter noch der Schutzcharakter von Gold, sondern ausschließlich das Erzielen einer möglichst positiven Performance im Vordergrund.

Dieses Ziel versuchen sie über den Kauf (long) oder den Verkauf (short) von Gold-Futures zu erreichen.

Wie sich die Positionen der Terminmarktprofis an der Commodity Exchange entwickelt haben, zeigt der einmal pro Woche veröffentlichte Commitments of Traders-Report der US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC) auf.

Mitte Juli und Mitte Dezember sind vor allem Großspekulanten (Non-Commercials) deutlich skeptischer geworden, was an regelrechten Einbrüchen der Netto-Long-Position(mehrheitlich optimistisch gestimmt) abzulesen war. Im Sommer kollabierte diese um über 144.000 Kontrakte und im Dezember war eine Reduktion um immerhin 111.000 Futures registriert worden.

Verkaufsdruck bestens verdaut

Eines dürfte Goldfans hinsichtlich der weiteren Perspektiven der Goldpreisentwicklung zuversichtlich stimmen: Auf beide Verkaufswellen der Terminspekulanten (siehe Chart) reagierte der Krisenschutz ausgesprochen „cool“.

Goldpreis Chart der letzten 12 Monate Januar 2017 - Januar 2018


So ermäßigte der Goldpreis während des Sommer-Ausverkaufs noch um 3,8 Prozent, während beim Winter-Selloff lediglich ein Minus von 3,1 Prozent registriert worden war.


Zur Erinnerung: Auf eine Ende 2016 zu beobachtenden Reduktion der Netto-Long-Position um mehr als 120.000 Futures reagierte das gelbe Edelmetall noch mit einem Kursrutsch um rund neun Prozent. Diese wachsende Resistenz gegenüber negativen Terminmarkttendenzen sprechen zweifellos für Gold.

Fazit: Der Krisenschutz will sich einfach nicht „kleinkriegen“ lassen.

Ausblick für die laufende Woche

Bei der jüngsten Fed-Sitzung im Dezember „drohten“ die Währungshüter für 2018 mit drei weiteren Zinsschritten nach oben. Goldanleger blieben davon relativ unbeeindruckt und ihrer Alternativwährung mit Substanz weiterhin treu.

Zu den fundamentalen Argumenten gesellten sich in den vergangenen Wochen charttechnische Kaufgründe hinzu. Das Überwinden der mittelfristigen 100-Tage-Linie sowie der Sprung über den 200-Tage-Durchschnitt haben die charttechnische Lage spürbar aufgehellt.

Da beide Indikatoren derzeit eine leichte Aufwärtstendenz aufweisen, kann man auch unter diesem Aspekt charttechnischen Rückenwind attestieren. Ein leicht mulmiges Gefühl hinterlässt lediglich der Blick auf den Timingindikator Relative-Stärke-Index. Dieser notiert aktuell knapp über 70 Prozent und birgt dadurch die Gefahr eines Verkaufssignals, falls diese Hürde unterschritten wird.

Gold: Entwarnung an den Terminmärkten
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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