Stand: 30.11.2016 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Mittlerweile musste der Goldpreis die Hälfte seiner in der ersten Jahreshälfte erzielten Kursgewinne wieder abgeben und weist aktuell ein Jahresplus von rund zehn Prozent auf. Am Freitag markierte er ein neues Neunmonatstief bei 1.172 US-Dollar von dem er sich zum Wochenstart aber wieder spürbar erholt hat.

Obwohl die US-Staatsfinanzen nach dem Wahlsieg von Donald Trump wohl weiter ausufern werden, erfreut sich der US-Dollar eines starken Comebacks, weil Investoren der US-Wirtschaft offensichtlich „rosige Zeiten“ prognostizieren. In der jüngsten Vergangenheit haben sich aber einige Vorhersagen - wie zum Beispiel der Brexit und die daraus resultierenden wirtschaftlichen Folgen - nicht bewahrheitet.

Dies zeigt vor allem eines auf: Wir leben in extrem unsicheren Zeiten. Auf Gold zu verzichten, macht nur für Anleger Sinn, die weder in der Geldpolitik noch in der Weltpolitik drohende Gefahren sehen. Der Rest sich den Luxus von Gold eher gönnen.

Umsatzsprung an den Terminmärkten

Wie in turbulenten Marktphasen üblich, spielte die Musik an den Terminbörsen besonders laut. Dies ließ sich vor allem am Handelsvolumen von Gold-Futures ablesen. Allein am Tag nach der US-Präsidentschaftswahl schossen die Umsätze von Futures auf Gold auf fast 900.000 nach oben. Mit fast 514.000 Kontrakten fielen auch die Umsätze am vergangenen Mittwoch - als der Goldpreis unter die Marke von 1.200 US-Dollar abstürzte - ausgesprochen üppig aus.

Dabei sollte man sich stets vor Augen führen, dass ein Kontrakt - zumindest auf dem Papier - den Gegenwert von 100 Feinunzen Gold repräsentiert. Das heißt: 500.000 Futures entsprechen einem Goldberg von mehr als 1.500 Tonnen. Sollte irgendwann einmal das Vertrauen in den US-Dollar - aus welchen Gründen auch immer - schwinden oder gar verschwinden, dürfte echtes Gold in Form von Barren bzw. Münzen ganz oben auf der Wunschliste der Anleger stehen. Dann sollte beim Goldpreis zumindest das Ende der Talfahrt eingeläutet sein.

Ein Happy-End für die Besitzer von Gold-Futures kann es im Worst-Case-Szenario - also wenn an den Terminmärkten nur noch „rien ne vas plus“ (nichts geht mehr) zu hören ist - aus folgendem Grund nicht geben: die registrierten physischen Goldbestände reichen schlicht und einfach nicht aus, um die zu erwartenden Lieferansprüche zu erfüllen. So belaufen sich die registrierten Goldbestände der Commodity Exchange derzeit auf 2,08 Millionen Feinunzen. Die aktuelle Anzahl offener Kontrakte kommt mit aktuell 421.461 Futures aber auf ein Gesamtgewicht von 42,15 Millionen Feinunzen und übertrifft damit die physisch hinterlegte Goldmenge um den Faktor 20.

Charttechnisch stark überverkauft

Im November herrschte beim Goldpreis erheblicher Verkaufsdruck. Dieser drückte den Krisenschutz auf den niedrigsten Stand seit über neun Monaten. Das charttechnische Umfeld hat sich aus mehreren Gründen deutlich eingetrübt (siehe Grafik).

Goldpreis in US-Dollar

Bereits Anfang des Monats unterschritt das gelbe Edelmetall die langfristige 200-Tage-Linie, was in der Chartlehre als starkes Verkaufssignal gilt. Weiteres Problem in diesem Zusammenhang: Die Durchschnittslinie scheint gegenwärtig von einem Aufwärts- in einen Abwärtstrend überzugehen, was unter chartorientierten Investoren als Indiz für einen Trendwechsel nach unten interpretiert wird.

Mit dem Verletzen der Marke von 1.200 US-Dollar entstand ein zusätzliches Verkaufssignal, da hier eine massive Unterstützungszone angesiedelt war. Im Zuge der ausgesprochen dynamischen Abwärtsbewegung kann man Gold mittlerweile eine stark überverkaufte Lage attestieren, was sich am Timingindikator Relative-Stärke-Index besonders gut ablesen lässt. Dieser fiel nämlich unter die Marke von 30 Prozent. Sollte er diese Hürde wieder markant überwinden, wäre dies unter charttechnischen Aspekten als Einstiegssignal zu werten. Zuletzt herrschte ja eher eine Inflation an Ausstiegssignalen.

Ausblick für die laufende Woche

An den Finanzmärkten haussierten in den vergangenen Wochen Aktien und der Dollar. Dies bescherte wichtigen Aktienindizes wie dem Dow-Jones- sowie dem Nasdaq-Composite-Index neue Rekordhochs und dem US-Dollarindex den höchsten Stand seit fast 14 Jahren. Beiden Anlageklassen wird eine negative Korrelation zu Gold nachgesagt und die hat in den vergangenen Wochen „erbarmungslos zugeschlagen“. Aktuell projizieren die Investoren die starken Sprüche von Donald Trump auf die US-Wirtschaft und damit auch auf den Dollar. Sobald hier Enttäuschungen eintreten, dürfte die Euphorie spürbar nachlassen. In der kommenden Woche könnte wieder einmal die anstehende Flut vom US-Arbeitsmarkt für ein hohes Maß an Spannung sorgen.

Nach dem Monatsbericht von ADP (Mittwoch) sowie den wöchentlichen Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe, dem Gallup-Monatsbericht und dem Challengerbericht über Stellenstreichungen (alle am Donnerstag) dürften die Akteure vor allem auf den November-Bericht zur Lage am US-Arbeitsmarkt „hinfiebern“. Laut einer von der Nachrichtenagentur Bloomberg veröffentlichten Umfrage unter Analysten wird gegenüber dem Vormonat mit einem Anstieg bei der Zahl neu geschaffener Stellen von 161.000 auf 175.000 prognostiziert.

Gold erholt sich vom Neunmonatstief
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
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