Stand: 20.08.2019 von Jörg Bernhard 4 Kommentare

In der vergangenen Woche veröffentlichte die US-Wertpapieraufsicht SEC die Besitzverhältnisse von Aktiengesellschaften, Fonds und ETFs. Beim weltgrößten Gold-ETF SPDR Gold Shares gab es im zweiten Quartal eine ausgesprochen interessante Entwicklung zu beobachten.

Unglückliches Timing bei Finanzinstitutionen

Obwohl sich die gehaltene Goldmenge des weltgrößten Gold-ETFs von Ende März bis Ende Juni 2019 von 784,26 auf 794,04 Tonnen erhöht hat und sein Preis im selben Zeitraum von 122,01 auf 133,20 Dollar gestiegen ist, haben sich institutionelle Anleger per Saldo im großen Stil von den Anteilen getrennt.

So sank zum Beispiel deren gehaltenes Gesamtvolumen von 109,2 Millionen (Q1) auf 106,7 Millionen Stück (Q2). Im abgelaufenen Quartal haben 434 Investoren ihre Positionen um insgesamt 17,3 Millionen ETFs aufgestockt. Zugleich gab es aber auch 488 Positionsreduktionen um 25,1 Millionen Anteile zu vermelden.

Da sich der Goldpreis seit Ende Juni um weitere sieben Prozent verteuert hat, kann man die Gewinnmitnahmen dieser Investorengruppe im Nachhinein betrachtet als „unglücklich“ bezeichnen.  

Ein besonders treuer Goldfan dürfte dies besonders geärgert haben. Der Hedgefondsmanager John Paulson, der auf den Einbruch am US-Immobilienmarkt und das Platzen der Hypothekenfinanzierungen (2007/2008) spekuliert und daran kräftig verdient hatte, scheint beim Gold mittlerweile die Geduld verloren zu haben.

So trennte sich seine Investmentfirma Paulson & Co. von der Hälfte der Goldanteile und hält nun „lediglich“ 4,32 Millionen Papiere. In der Liste der bedeutendsten Anteilseigner rutschte er dadurch von Rang 5 auf Rang 6 ab.

Zur Erinnerung: Jahrelang stand Paulson & Co. auf der Top-15-Liste ganz oben.  Ein unglückliches Timing legten aber auch andere Geldexperten an den Tag: Kräftige Verkäufe meldete auch Morgan Stanley (minus 3,1 Millionen Anteile), Bank of America (minus 875.900 ETFs) sowie Sumitomo Mitsui Trust (minus 869.600 Anteile).

Goldman Sachs im Kaufrausch

Doch einige Finanzinstitutionen verspürten offensichtlich einen starken Appetit auf den Krisenschutz Gold. Drei von ihnen stockten ihre ETF-Bestände nämlich um mehr als eine Million auf.

So hat zum Beispiel die für ihre Rohstoff-Expertise bekannte US-Investmentbank Goldman Sachs ihr diesbezügliches Gold-Exposure um mehr als 400 Prozent aufgestockt und hält nun mehr als 2,5 Millionen Anteile.

Die 15 größten Einzelinvestoren beim weltgrößten Gold-ETF SPDR Gold Shares

Name Anteile abs. Veränderung proz. Veränderung in Mio. USD
BANK OF AMERICA CORP /DE/ 8.458.980 -875.914 -9,4 % 1.207.519
FIL LTD 6.926.456 -31.679 -0,5 % 988.752
FIRST EAGLE INVESTMENT MGT., LLC 6.536.652 -248.281 -3,7 % 933.107
MORGAN STANLEY 5.882.327 -3.102.667 -34,5 % 839.702
CI INVESTMENTS INC. 4.526.150 1.207.185 36,4 % 646.108
PAULSON & CO. INC. 4.320.022 -4.320.022 -50,0 % 616.683
BRIDGEWATER ASSOCIATES, LP 4.056.627 28.655 0,7 % 579.084
UBS GROUP AG 3.218.587 406.156 14,4 % 459.453
GOLDMAN SACHS GROUP INC 2.549.954 2.045.886 405,9 % 364.006
COMMERZBANK AG/FI 2.240.887 136.949 6,5 % 319.887
WELLS FARGO & COMPANY/MN 2.136.120 -183.398 -7,9 % 304.931
ORBIS ALLAN GRAY LTD 1.613.839 15.047 0,9 % 230.376
BANK OF NOVA SCOTIA 1.539.713 1.039.713 207,9 % 219.794
SUMITOMO MITSUI TRUST HOLDING., INC. 1.394.880 -869.595 -38,4 % 199.119
ASSET MANAGEMENT ONE CO., LTD. 1.387.990 378.465 37,5 % 198.136

Erhebliches Kaufinteresse konnte man aber auch CI Investments und Bank of Nova Scotia attestieren. Mit Käufen von über 1,2 Millionen auf 4,53 Millionen Anteile (+36,4 Prozent) gilt CI Investments als fünftgrößter Einzelinvestor.

Ein besonders starkes Statement „pro Gold“ lieferte aber auch die Bank of Nova Scotia ab, schließlich hat sie ihr Engagement beim weltgrößten Gold-ETF um über 200 Prozent auf 1,54 Millionen Papiere hochgefahren.

Fazit: Dass „smart money“ auch mal falsch liegen kann, hat der jüngste Quartalsbericht der SEC eindrucksvoll aufgezeigt. Deshalb sollten „normalsterbliche“ Anleger vor allem auf eines Vertrauen: ihren gesunden Menschenverstand. Und der dürfte zumindest auf lange Sicht nicht gegen eine angemessene Goldquote sprechen.

Ausblick für die laufende Woche

In der vergangenen Woche bewies das gelbe Edelmetall ein hohes Maß an relativer Stärke. Weder die Entspannungssignale im chinesisch-amerikanischen Handelsstreit noch die markante Erholung an den US-Aktienmärkten lösten nennenswerte Gewinnmitnahmen. Dies lässt vor allem einen Schluss zu:

Der Goldpreis „strebt weiterhin Höheres“ an.

Das Risiko einer globalen Rezession wird für immer mehr Investoren als realistische Gefahr gesehen. Die Analysten von Morgan Stanley halten eine weltweite Wirtschaftsschwäche bereits Mitte nächsten Jahres für möglich.

Für die deutsche Wirtschaft wurde für das zweite Quartal bereits ein leichtes Minus von 0,1 Prozent (gegenüber dem Vorquartal) gemeldet.

Goldinvestments dürften daher weiterhin zur Risikodiversifikation genutzt werden und somit gefragt bleiben. In den vergangenen Monaten waren vor allem Finanzinvestoren für die starke Performance verantwortlich.

Sie haben neben physisch hinterlegtem Papiergold (ETFs) vor allem an den Terminmärkten eine regelrechte Kauflawine losgetreten. Und auch die Tatsache, dass viele Notenbanken auf die bewährte Schutzfunktion von Gold vertrauen, sollte Privatanleger veranlassen, selbiges zu tun. 

Gold-ETF: „Smart Money“ auf der Verkäuferseite
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [4]
  • von Hubi | 21.08.2019, 10:18 Antworten

    Es ist ein Witz, daß kranke Märkte mit kranken Finanzprodukten und virtuellen Geldmengen jeglicher Währungen spekulieren, dazu auch noch mit Gold. Physisches Gold ist durch ETFs mehr als 1000 mal überzeichnet und dadurch wird der Goldpreis "reguliert"? Das ist wirklich krank. Aber für jede Krankheit wird es eine Heilung geben. Dafür muss es aber wieder zum Ernstfall kommen.

  • von Mr.Silver | 20.08.2019, 10:32 Antworten

    Nur im einem steigenden Markt kann man Mengen verkaufen, und in einem Baisse Markt kann man Mengen unauffällig kaufen. Den höchsten Punkt erwischt man nie. Wenn man ein oder zwei Kontrakte hat, kann man diese im Sekundentakt hin und her bewegen. Doch wenn man tausende von Kontrakten besitzt, nutzt man die Phasen des Anstiegs um seine Gewinne zu realisieren. Es gibt immer ein paar Springer, die überall dabei sein wollen, doch sie lernen in den Jahren, das man sich mit einer Anlageklasse richtig befassen sollte, um auf lange Sicht Gewinne zu erwirtschaften. Aktien, Anleihen, Forex, Immobilien, Rohstoffe. Jeder findet seinen Markt, in denen er sich wohl fühlt, und bleibt dabei. Und so ist es nur etwas Geld was hin und her springt. Das sieht man beim Gold an den Kontraktzahlen. 400.000 -650.000 Kontrakte war die Schwankungsbreite. Wir waren vor kurzer Zeit bei 640.000 und sind jetzt bei 599.000. Man sieht also wieder ein Abfluss des Geldes aus dem Goldmarkt. So war es klug von dem Investor aus dem Goldinvest auszusteigen, wenn andere noch bereitwillig kaufen. So kann er wider billiger nachkaufen.

    • von Goldhamster | 20.08.2019, 11:00 Antworten

      Danke für ihre zeitnahe Antwort zu Zockern, denn kurzsichtiges Hin und Her kann man wohl kaum als "Investor", sondern eher mit Zocken umschreiben. Jeder kann es halten wie er will, aber dies Verhalten widerspricht eher dem Charakter von Gold als Anker in Zeiten des Fiatgelds. Wie war das noch? Hin und her, Taschen leer!

  • von Goldhamster | 20.08.2019, 09:42 Antworten

    Gold als wertstabiles Instrument ist durch nichts gegenüber den fiatgeldverschluckenden Versprechungen durch Politiker zu ersetzen. Auf Goldseiten wurde auf die technischen Reaktionen verwiesen, die durch Trumps letzte Zollversprecher ausgelöst wurden und zu Verkäufen beim Gold ETF führten. Fazit: Entweder man hat einen Standpunkt oder will zocken.

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