Stand: 24.11.2014 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Langeweile, Fehlanzeige - so lässt sich die Goldpreisentwicklung in der abgelaufenen Handelswoche besonders treffend beschreiben. Zahlreiche Neuigkeiten kamen vor allem aus dem Notenbanksektor, wenngleich so manche Äußerung vor allem für eines sorgte: Irritationen.

In diesem Zusammenhang ist vor allem das überraschende Statement von Yves Mersch zu sehen, der auf der "Euro Finance Week" in Frankfurt davon sprach, dass die Europäische Zentralbank angesichts von Leitzinsen nahe null auch unkonventionelle Maßnahmen diskutieren müsse. Selbst der Kauf von börsennotierten Aktien und Exchange Traded Funds (ETFs ) und Gold sei denkbar.

Zur Erinnerung: Der Luxemburger Mersch ist eines von sechs EZB-Direktoriumsmitgliedern und somit wahrlich kein "kleines Licht". Man fragt sich allerdings, welches Ziel mit dem Statement beabsichtigt war. An den Goldmärkten löste dieser "Denkansatz" indes keine nennenswerte Reaktion aus. Offensichtlich wollte keiner der Marktakteure aufgrund dieser Äußerungen Geld in die Hand nehmen und in Gold tauschen.

Zumindest die Notenbanken Japans, Europas und der USA dürften weiterhin bestrebt sein, dass Gold innerhalb der Finanzwelt nicht mehr Vertrauen genießt als Geld. Vor dem Wochenende sorgte die Zinssenkung der chinesischen Notenbank für Kauflaune am Goldmarkt. Dahinter steckt vor allem eine Idee: Je stärker das Wachstum in China, desto größer der dortige Goldappetit.

Weltgrößter Gold-ETF feiert 10. Geburtstag

Am 18. November feierte der physisch besicherte Gold-ETF SPDR Gold Shares seinen 10. Geburtstag. Mittlerweile gehört das Finanzprodukt zum weltgrößten seiner Art und spielt am Goldmarkt eine gewichtige Rolle - sowohl als positiver als auch als negativer Einflussfaktor. An manchen Tagen verzeichnet der ETF mehre Tonnen an Zu- bzw. Abflüsse und gehört damit auf jeden Fall zu den größeren Nachfragemächten, wenngleich er in den vergangenen Jahren sukzessive an Bedeutung verloren hat.

Wichtig zu wissen: Am 7. und 10. Dezember 2012 brachte der ETF mit mehr als 1.353 Tonnen sein bislang höchstes Gesamtgoldgewicht auf die Waage. Zum Vergleich: Die Schweizer Nationalbank besaß Ende September laut aktuellem Quartalsbericht des World Gold Council "lediglich" 1.040 Tonnen Gold. Die Angst vor steigenden US-Zinsen und die damit einhergehende Dollarstärke sowie die gute Laune an den internationalen Aktienmärkten haben in den vergangenen Jahren allerdings zu einer markanten Schrumpfkur geführt. Am vergangenen Freitag brachte der SPDR Gold Shares mit 720,91 Tonnen 9,7 Prozent weniger als zum Jahresultimo auf die Waage.

SPDR Gold Shares 10 Jahre 2004-2014
10 Jahre SPDR Gold Shares: 2004-2014

Einige Marktexperten kritisieren allerdings die Komplexität des Wertpapierprospekts und sehen aufgrund der Lagerung bei HSBC London oder JP Morgan Interessenkonflikte. Beide Banken sollen nämlich das physische Gold von SPDR Gold Shares in Tresoren lagern und erhalten dafür eine Gebühr. Den Anteilseignern von SPDR Gold Shares wird hierfür eine jährliche Managementgebühr von 0,4 Prozent in Rechnung gestellt.

Ob der ETF tatsächlich die ausgewiesene Goldmenge in physischer Form besitzt, lagert und uneingeschränkt darüber verfügen kann, ist mittlerweile eine Glaubensfrage geworden. Damit ergeht es den Machern des ETFs nicht anders als der Fed oder der Bundesbank. Ihnen wird ebenfalls unterstellt, dass sie gar nicht mehr im Besitz der offiziell ausgewiesenen Goldreserven von 8.133,50 bzw. 3.384,2 Tonnen seien.

Xetra-Gold: Papiergold Made in Germany

Hierzulande ist der Gold-ETF SPDR Gold Shares gar nicht zum Vertrieb zugelassen, weil ihm konstruktionsbedingt die gesetzlich vorgeschriebene Diversifikation fehlt. Wer in Deutschland ein physisch hinterlegtes Goldprodukt kaufen möchte, muss daher den Umweg über eine Inhaberschuldverschreibung - mit all ihren Risiken - in Kauf nehmen. Diverse Anbieter haben zu diesem Zwecke Gesellschaften gegründet, deren alleiniger Geschäftszweck darin besteht, im Auftrag von Anlegern physisches Gold zu kaufen, zu lagern und ggf. auszuliefern.

Den stärksten Zuspruch hatte in den vergangenen Jahren Xetra-Gold von der Deutsche Börse Commodities GmbH erfahren, das den in Euro umgerechneten Wert von 1 Gramm Gold repräsentiert. Sein stärkster Vorteil besteht darin, dass sein Besitzer bei relativ niedrigen Kosten an der Goldpreisentwicklung 1:1 partizipiert und sich bei Bedarf physisches Gold ausliefern lassen kann.

Bei Letzterem entstehen in Abhängigkeit von Gewicht und Anzahl der Barren allerdings zusätzliche Kosten. Das heißt: Aus rechtlicher Sicht wird man mit dem Kauf von SPDR Gold Shares oder Xetra-Gold nicht automatisch Goldbesitzer - dies geht nämlich trotz aller Innovationen der Finanzbranche weiterhin nur über den physischen Kauf bestimmter Goldbarren oder -münzen.

Ausblick für die nächste Woche

In der kommenden Woche warten die Akteure vor allem auf ein Event: den am Sonntag stattfindenden Volksentscheid der Schweizer zur Gold-Initiative. Sollten die Eidgenossen mit "Ja" stimmen, müsste die Schweizer Notenbank künftig von Goldverkäufen generell absehen, 20 Prozent ihrer Bilanzsumme in Gold halten und die im Ausland gelagerten Goldbestände zurückholen.

Laut einer aktuellen Umfrage drohen die Initiatoren mit dem Aufruf "Rettet unser Schweizer Gold" allerdings zu scheitern. So soll sich die Zahl der Befürworter auf 38 Prozent reduziert haben. Vor einem Monat wollten noch 44 Prozent das Volksbegehren unterstützen. In der Vergangenheit trafen die Prognosen nicht immer ins Schwarze.

Sollten die Schweizer mit "Ja" stimmen, wäre dies eine faustdicke Überraschung, die den Goldmarkt möglicherweise auf dem "falschen Fuß" erwischen würde. Einige Analysten schätzen für dieses Szenario den Nachholbedarf der Schweizer Nationalbank auf mindestens 1.500 Tonnen - wofür die Schweizer Notenbanker dann fünf Jahre Zeit hätten.

Gold ETF: SPDR Gold Shares feiert 10. Geburtstag
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt. Derzeit schreibt er vor allem für diverse Börsenportale und Edelmetallhändler.
Weitere Beiträge:
MEISTGELESENE ARTIKEL
Kommentar zum Artikel schreiben
Sicherheitsfrage: wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen

Copyright © 2009-2017 by Gold.de - Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur, sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr. Sie betrachten die Seite: Gold.de - Gold und Silber kaufen im Preisvergleich

Handcrafted with in Baden-Württemberg, Germany