Stand: 18.03.2018 von Egmond Haidt 2 Kommentare

Der Goldpreis tendiert seit einigen Wochen seitwärts. Möglicherweise macht die nächste Fed-Sitzung ein paar Investoren nervös. Gerade von ihrer Geldpolitik dürfte die langfristige Entwicklung des Goldpreises abhängen.

Dass der Goldpreis in den vergangenen Wochen etwas unter Druck war ist mehr als bemerkenswert. Weder die Verschärfung des Handelskriegs durch US-Präsident Donald Trump, wodurch sich die Perspektiven für die Weltwirtschaft und damit den Aktienmarkt eintrüben, noch die sinkenden Zinsen für zehnjährige US-Anleihen, noch der schwache Dollar konnten die Goldpreisentwicklung beflügeln.

Viele Investoren gehen davon aus, dass die US-Notenbank FED bei der nächsten Sitzung am 21. März die Leitzinsen erneut um 25 Basispunkte (0,25 Prozentpunkte) auf 1,5 bis 1,75 Prozent anheben wird. Im Vorfeld von Fed-Sitzungen schwächelt der Goldpreis durchaus mal.

Allerdings sollten Anleger nicht vergessen, dass die Notierung des Edelmetalls in den vergangenen zwei Jahren gestiegen ist, obwohl die Fed ihren Zinserhöhungskurs im Dezember 2015 gestartet hat. Diese Entwicklung dürfte viele Investoren ziemlich überraschen.

Japan´s Notenbank kauft Großteil der neuen Anleihen auf

Während viele Investoren auf die nächste Fed-Sitzung warten, sollten sie vielleicht einmal schauen, zu welch massiven Verwerfungen das gigantische Gelddrucken der Notenbanken am Anleihenmarkt führt.

Laut den Berechnungen von Experten hat die japanische Notenbank (BOJ) im Fiskaljahr 2017/18, das im März endet, rund 75 Prozent aller Anleihen gekauft, die der Staat emittiert hat. Dennoch behauptet Notenbankchef Haruhiko Kuroda ständig das sei nicht Staatsfinanzierung aus der Notenpresse.

Zudem hat Kuroda zuletzt einmal mehr behauptet, dass die Notenbank irgendwann mit dem Abbau ihrer Bilanzsumme, also mit dem Verkauf von Anleihen beginnen könne, ohne dass es zu Verwerfungen am Anleihenmarkt, sprich kräftig steigenden Zinsen kommen werde.

Wie soll das denn gehen? Die Notenbank besitzt inzwischen mehr als 40 Prozent aller japanischen Anleihen. Gleichzeitig liegt die  Bilanzsumme der japanischen Notenbank bei horrenden 96,6 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung Japans – irre!

Die Notenbank kauft für rund 80 Billionen Yen (754,7 Mrd. Dollar) pro Jahr Staatsanleihen, und will damit die Zinsen für zehnjährige Papiere bei rund null Prozent halten. Das ist Planwirtschaft in Reinkultur!

Offensichtlich ist die Notenbank der Überzeugung, dass alle kürzer laufenden Anleihen Strafzinsen abwerfen müssen, nur so kann die Schuldensause in Japan aufrechterhalten werden. Dabei liegen die Staatschulden bereits bei horrenden 250,4 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung – das ist der mit weitem Abstand schlechteste Wert weltweit. Wie will die Notenbank jemals aus diesem geldpolitischen Experiment aussteigen?

US-Notenbank spielt ein Vabanquespiel

EZB-Chef Mario Draghi druckt ebenfalls so viel Geld, als gäbe es kein Morgen. Dadurch ist die Bilanzsumme auf mehr als 4,5 Billionen Euro explodiert – das ist ein neuer Negativrekord.

Das sind herbe 40,7 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung der Euro-Zone.

Nur wegen Draghis Strafzinsen können etliche Länder der Euro-Zone, wie Italien, Portugal, Frankreich oder Spanien, weiter Schulden machen und sind nicht längst am Rande der Pleite.

„Die EZB hält inzwischen etwa 20,5 Prozent der Staatsschulden des Euroraums. Damit ist die EZB größter Einzelgläubiger der Euro-Mitgliedsstaaten“, schrieb Ann-Katrin Petersen, Investmentstrategin bei der Allianz.

Das „Problem“ ist, dass die US-Notenbank begonnen hat, den Stecker herauszuziehen. Sie erhöht zusehends die Zinsen, während die Bilanzsumme im laufenden Jahr um 420 Mrd. Dollar abgebaut werden soll, was für zusätzlichen Aufwärtsdruck bei den Zinsen sorgen soll.

Bei einer Wirtschaft, die so hoch verschuldet ist wie die amerikanische, droht das allerdings schnell zu einem Problem zu werden, gerade am Immobilienmarkt. So lagen die Verkäufe bestehender Häuser in drei der vergangenen fünf Monate unter dem Vorjahresniveau.

Sollten die steigenden Hypothekenzinsen die gigantische Blase am Immobilienmarkt zum Platzen bringen, wären das sehr schlechte Nachrichten für die US- und damit für die Weltwirtschaft. Wie die Fed die Zinsen weiter erhöhen und gleichzeitig die Bilanzsumme abbauen möchte, ohne dass das innerhalb weniger Quartale zu einer US-Rezession führen soll, ist mir unerklärlich. Die Fed kann nicht nachhaltig aus derartig gigantischem Gelddrucken aussteigen, ohne dass das zu Problemen in der Realwirtschaft und am Aktienmarkt führt.

Die Notenbanken haben in den vergangenen Jahren das größte geldpolitische Experiment aller Zeiten durchgeführt. Wenn nach der US-Notenbank auch die EZB ihr Gelddruckprogramm auslaufen lassen sollte, trüben sich die Perspektiven für die Realwirtschaft und den Finanzmarkt rapide ein. Schauen wir mal, wie sich der Goldpreis in dem Umfeld entwickeln wird.

Goldpreis 1 Jahr Chart 2018

Goldpreis – Experiment der Notenbanken endet böse?
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
Du hast eine Meinung dazu? Her damit!
Sicherheitsfrage: wie viele Münzen siehst du?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar zur Veröffentlichung auf gold.de gespeichert wird. Du kannst deine Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Hier findest du unsere Datenschutzerklärung.
Kommentare [2]
  • von Demeester | 19.03.2018, 23:27 Antworten

    Die restlichen Anleihen liegen bei den Bürgern von Japan und somit besteht keine Gefahr, dass von Außen massive Anleiheverkäufe kommen. Was machen die Amis nur, wenn der Chinese anfangen würde? Per Saldo haben die Chinesen ja schon die US-Anleihebestände reduziert.
    Bestimmt hat der "Schlaue" Fuchs im Capitol dafür auch einen Strafzoll, für US-Anleihen, die aus dem Ausland wieder zurück kommen.
    Leute, legt Euch ein paar Unzen Gold in den Schrank und freut Euch in ein Paar (bewusst großgeschrieben) Jahren.

  • von yoshi | 19.03.2018, 20:03 Antworten

    Das machen die Japaner doch schon seit Jahren so. Und es funktioniert!

    Warum soll sich ein Staat Geld bei Privatbanken leihen? Er kann es doch auch selber schöpfen. Und solange keine Zinsen dafür fällig werden, kann man die Nummer sehr lange Zeit durchziehen. Werden die Verwerfungen zu groß, dann gibt es eine Währungsreform. Thema erledigt!

Copyright © 2009-2019 by Gold.de - Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur, sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.

Handcrafted with in Baden-Württemberg, Germany