Stand: 22.10.2019 von Jörg Bernhard 3 Kommentare

In dieser bzw. in der nächsten Woche werden die beiden weltweit wichtigsten Notenbanken über ihre weitere Geldpolitik informieren.  Während Draghi am Donnerstag höchstwahrscheinlich nichts tun wird, dürfte Fed Chef Jerome Powell am 30. Oktober aller Voraussicht nach die nächste Zinssenkung verkünden.

Notenbanken und Zinsen: Es geht bergab

Laut FedWatch-Tool des Terminbörsenbetreibers CME Group wird derzeit eine Wahrscheinlichkeit von 91 Prozent angezeigt, dass die US-Notenbank am 30. Oktober einen Zinsschritt um 25 Basispunkte nach unten beschließen wird.

Zur Erinnerung: Vor einem Monat war hier lediglich ein Wert von 45 Prozent angezeigt worden. Dies wäre dann die dritte Zinssenkung innerhalb von weniger als einem Jahr. Damit endete nach nur drei Jahren das Vorhaben der Fed, das Zinsumfeld wieder zu „normalisieren“.

Davor hatte man sieben Jahre lang die US-Leitzinsen bei 0,13 Prozent verharren lassen, um die Wirtschaft nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers und dem nachfolgenden Konjunktureinbruch wieder „aufzupäppeln“ (siehe Grafik). 

Leitzinsentwicklung in den USA und Europa seit 2000

Vorangegangen war damals ein Zinssenkungszyklus von September 2007 (5,25 Prozent) bis Dezember 2008 (0,13 Prozent). Nun darf man gespannt sein, wie lange die aktuelle Zinssenkungsphase andauern wird. Es ist zu befürchten, dass diesmal der positive Effekt auf das Wirtschaftswachstum weniger stimulierend als erhofft ausfallen könnte. 

Die Möglichkeiten der Europäischen Zentralbank (EZB) fallen hingegen um einiges begrenzter aus, schließlich befinden sich die europäischen Leitzinsen bereits seit März 2016 bei null Prozent.

Damit beschränkt sich das „Waffenarsenal“ von Draghi & Co erst einmal auf den EZB-Einlagenzins und die Anleihekäufe. Seit der jüngsten Sitzung im September müssen Geschäftsbanken für ihr bei der EZB deponiertes Kapital minus 0,5 Prozent Strafzinsen (zuvor: minus 0,4 Prozent) bezahlen. Außerdem werde die EZB ab November pro Monat Anleihen im Volumen von 20 Milliarden Euro pro Monat zurückkaufen.

Man darf gespannt sein, wie die Finanzmärkte auf das neuerliche Öffnen der Geldschleusen reagieren werden. Sollten sie irgendwann einmal das Vertrauen in die bis dato „allmächtigen“ Notenbanken der USA und Europas verlieren, dürfte höchstwahrscheinlich alternative Währungen wie Gold und Silber davon stark profitieren.

Niederländische Notenbank rät zu Gold

Die jüngste Ankündigung zeitlich unbegrenzter Anleihekäufe wurde nicht nur von Notenbankern aus Deutschland kritisiert, auch in Frankreich, Österreich und in den Niederlanden kam die Entscheidung gar nicht gut an.

Die niederländische Zentralbank lobt sogar die Vorteile von Gold und nimmt mittlerweile „kein Blatt mehr vor den Mund“. Auf der Website der Währungshüter verweist sie auf ihre Goldbestände von über 600 Tonnen und bezeichnet diese Goldreserven als „Symbol von Solidität“. Doch die Lobeshymne ist noch nicht zu Ende. Schwarz auf weiß ist dort folgender Satz nachzulesen: 

„Gold ist das perfekte Sparschwein – es ist der Vertrauensanker für das Finanzsystem”. Dem ist nichts zuzufügen.

Ausblick für die laufende Woche

Mit der temporären Hoffnung auf einen geregelten Brexit hat sich ein Kaufargument für Gold in der vergangenen Woche zwar abgeschwächt, die Reaktion an den Goldmärkten fiel aber relativ besonnen aus.

Offensichtlich sehen Investoren weiterhin gute Gründe, in dem Edelmetall investiert zu bleiben. Die Handelsprobleme zwischen den USA und China sind immer noch nicht gelöst, die geopolitische Lage hat sich nach dem Angriff der Türkei auf Nordsyrien weiter zugespitzt und die Finanzsysteme hinterlassen angesichts einer drohenden Rezession derzeit alles andere als einen robusten Eindruck.

Wer sich im Zuge dieser Problematik um seine Altersvorsorge sorgt und auf der Suche nach einem verlässlichen Wertspeicher für seine während des Berufslebens angesammelten Sparvermögen ist – sollte dabei auch Gold in seine Überlegungen miteinbeziehen.

Neben Kryptowährungen und Immobilien gehören Edelmetalle wie Gold, Silber, Platin und Palladium zu den wenigen Assets, mit denen sich noch steuerfreie Kursgewinne realisieren lassen.

Bei Barren und Münzen dürfen etwaige Kursgewinne bereits ab einer Haltedauer von 12 Monaten steuerfrei vereinnahmt werden. Mit einem mehrwertsteuerbefreiten Goldinvestment als Altersvorsorge sollte dieser Zeitraum absolut kein Problem sein.

Bleibt nur zu hoffen, dass in 10, 20 oder 30 Jahren diese Steuerregeln noch gelten. 

Gold: EZB und Fed sorgen für Hochspannung
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [3]
  • von Horst | 27.10.2019, 01:39 Antworten

    Kryptowährung als Vermögenssicherung? Im Leben nicht!
    Aber neben Edelmetallen sollten Wasser, Salz, Dosenfutter, Schnaps und Tabak...ihr wisst schon...eine Rolle spielen!

  • von Thomas Möckel | 23.10.2019, 16:40 Antworten

    Auch wenn der Goldpreis nicht mehr steigt ist die Kohle aber sicher!!!!

    • von Kilo-Weiser | 24.10.2019, 18:58 Antworten

      Das ist jetzt nur ein temporärer Kursrücksetzer, wenn auch einer vom historischen Maximalkurs (in EUR). Ich selbst setze auf stetig steigende Preise bis zum Weltuntergang und habe den Rücksetzer genutzt, um noch mal ein Drittel nachzulegen. Damit beträgt die Goldquote an meinem Vermögen 50%. Ein Klumpenrisiko sehe ich hierbei nicht in einem möglichen Kursverfall, sondern "nur" in einem möglichen Goldverbot bzw. -steuern usw.

      Und was die physische Sicherheit angeht: Bei meiner Bank haben Diebe jetzt mehrere Dutzend Schließfächer geknackt über mehrere Sicherheitsstufen hinweg. Da lobe ich mir Diskretion, einen Haustresor und wachsame Nachbarn.

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