| GOLD | 4.165,56 $/oz | 3.705,85 €/oz | 119,15 €/g | 119.146 €/kg |
| SILBER | 56,98 $/oz | 50,70 €/oz | 1,63 €/g | 1.630,04 €/kg |
Stattdessen konsolidiert das Edelmetall knapp oberhalb der Bodenbildungszone vom Frühsommer und hat damit nahezu sämtliche Gewinne der spektakulären, jedoch nur kurzlebigen Sommerrally wieder abgegeben.
Während die westlichen Terminmärkte den Rücksetzer als Ausdruck anhaltender Zurückhaltung interpretieren, spricht die physische Nachfrage, insbesondere aus China, eine zunehmend andere Sprache. An den Papiermärkten zögern viele Anleger weiterhin, auf einen nachhaltigen Anstieg der Edelmetallpreise zu setzen.
So entsteht eine wachsende Kluft zwischen den kurzfristig orientierten Preisbewegungen an den westlichen Börsen und der langfristigen Nachfrage jener Marktteilnehmer, die Edelmetalle zunehmend als Schutz vor Währungsabwertung und finanzieller Instabilität betrachten.
Gold – Offenes Interesse an der Comex, vom 2. Oktober 2026. ©GOLD.DE, MacleodFinance
Gleichzeitig eröffnet diese Zurückhaltung den Market Makern und Handelstischen der Bullionbanken die Möglichkeit, bestehende Short-Positionen abzubauen und sich vorsichtig neutral bis long zu positionieren. Dass sie sich auf steigende Preise einstellen, zeigt sich auch an den Lieferungen zum Auslaufen des Oktober-Kontrakts: Insgesamt wurden 11.465 Goldkontrakte im Umfang von 35,66 Tonnen sowie 2.125 Silberkontrakte über 330,47 Tonnen zur Lieferung angemeldet. Seit Jahresbeginn summieren sich die Auslieferungen damit auf 600,6 Tonnen Gold und 9.000,65 Tonnen Silber. Chinas Zollstatistik weist zudem bis Ende August Goldimporte von 1.141 Tonnen aus; zusätzlich stockte die chinesische Zentralbank ihre offiziellen Goldreserven um weitere 80 Tonnen auf.
Während die Nachfrage westlicher Privatanleger nahezu ausbleibt, nutzen China und andere asiatische Länder die gedrückten Preise offenbar, um Dollarbestände abzubauen und ihre Goldreserven massiv auszuweiten. Damit stehen sich zwei grundlegend unterschiedliche Marktsegmente gegenüber:
Die entscheidende Frage ist daher, wer den Markt besser einschätzt: die großen Käufer, angefangen bei den Zentralbanken, oder jene Anleger, die erfahrungsgemäß häufig am Hoch kaufen und am Tief verkaufen.
Gold in US-Dollar, Tageschart vom 2. Oktober 2026. ©GOLD.DE
Rückblickend waren wir in den vergangenen Wochen etwas zu optimistisch, denn der Goldpreis konnte die erwartete Seitwärtsbewegung zwischen seiner 50-Tage- und seiner 200-Tage-Linie nicht bestätigen. Stattdessen scheitertedie Erholungsbewegung nach dem FED-Zinsentscheid vom 16. September rasch unterhalb der Marke von 4.400 US-Dollar.
Seitdem hat sich das technische Bild weiter eingetrübt, denn die Goldnotierungen sind schließlich bis auf 4.110 US-Dollar abgerutscht. Direkt zu Wochenbeginn setzten die Bären dabei erneut zum Paukenschlag an. Nachdem die breite Unterstützungszone um die steigende 50-Tage-Linie (aktuell 4.327 US-Dollar) einfach überrannt wurde, drückten sie die Goldnotierungen ohne Gnade bis auf 4.110 US-Dollar. Erst auf diesem Niveau fanden sich wieder mehr Käufer als Verkäufer ein, sodass die zu Ende gehende Handelswoche seit Montagabend vor allem von einer zähen, aber bislang wenig überzeugenden Erholung geprägt war.
Aktuell hängt der Goldpreis kurz vor Veröffentlichung der neuen US-Arbeitsmarktdaten bei rund 4.180 US-Dollar etwas orientierungslos in den Seilen. Die Bewegung der letzten Tage lässt sich dabei als Dreiecksformation einordnen, die in der Regel als trendbestätigende Zwischen-Konsolidierung innerhalb einer größeren Bewegung auftritt. Insofern bleiben die Bären – ungeachtet der überverkauften Lage – weiterhin Herr im Haus.
Um die aktuelle Ausgangslage zu entschärfen, benötigen die Bullen einen nachhaltigen Anstieg über 4.220 US-Dollar und idealerweise über 4.250 US-Dollar. Gelingt dies, rückt die 50-Tage-Linie (aktuell 4.327 US-Dollar) als nächstes unmittelbares Ziel wieder in den Fokus
Die Bären werden alles versuchen, um die Goldnotierungen zurück in die Bodenbildungszone vom Frühsommer (3.950 bis 4.050 US-Dollar) zu drücken. Zwar wäre spätestens dort mit einem größeren Erholungsversuch zu rechnen, gleichzeitig wäre die technische Lage im übergeordneten Bild dann jedoch noch deutlicher beschädigt. In diesem Szenario müssten wir unser bekanntes Abwärtsziel bei 3.500 US-Dollar wieder aktivieren.
Der Goldmarkt befindet sich weiterhin in einer angespannten Lage. Während westliche Anleger und Terminhändler die jüngste Korrektur als Warnsignal deuten und sich zurückhalten, nutzen zentrale Käufer aus Asien – allen voran China – die gedrückten Preise, um ihre physischen Bestände massiv auszuweiten. Diese wachsende Kluft zwischen kurzfristig orientiertem Papierhandel und langfristig denkender Nachfrage aus Asien spiegelt nicht nur die unterschiedliche Markteinschätzungen wider, sondern auch die grundlegend verschiedenen wirtschaftspolitischen Strategien.
Gleichzeitig belasten die steigenden Zinsen aktuell den Goldmarkt. Obwohl ein erheblicher Teil der anziehenden Verbraucherpreise durch externe Energie- und geopolitische Schocks verursacht wurde, hat die Fed ihre Geldpolitik verschärft und damit für zusätzlichen Druck gesorgt.
Technisch bleibt die Lage daher angespannt. Solange der Preis unter 4.220 bis 4.250 US-Dollar verharrt, dominieren die Bären das Geschehen, und ein Rückfall in die Frühsommer-Bodenzone zwischen 3.950 und 4.050 US-Dollar bleibt absehbar. Ein derartiger Rückfall würde im nächsten Schritt auch das Abwärtsszenario mit Ziel 3.500 US-Dollar wieder aktivieren.
Ein nachhaltiger Ausbruch nach oben könnte hingegen schnell die 50-Tage-Linie bei 4.327 US-Dollar wieder ins Spiel bringen und die Stimmung drehen. Entscheidend wird sein, ob die physische Nachfrage aus Asien stark genug ist, um die westliche Zurückhaltung langfristig zu kompensieren – oder ob der Markt noch tiefer korrigieren muss, bevor eine echte Trendwende gelingt.
Für Anleger wäre ein Rücksetzer in Richtung 4.000 US-Dollar kein Beinbruch, sondern vielmehr eine attraktive Kaufgelegenheit. Schließlich spielt man mit physischen Gold- und Silberbeständen auf Zeit und den übergeordneten, säkulare Bullenmarkt, welcher trotz der seit Ende Januar laufenden Korrektur weiterhin intakt ist.