Stand: 15.06.2018 von Egmond Haidt 1 Kommentare

Nach der jüngsten Sitzung der US-Notenbank hat Fed-Chef Jay Powell einmal mehr betont, dass die US-Wirtschaft gut laufe. Zudem hat er zwei weitere Zinserhöhungen für 2018 angekündigt. Sein Vabanquespiel könnte sich allerdings als teurer Fehler für Aktionäre herausstellen.

Die Entwicklung des Goldpreises nach der jüngsten Fed-Sitzung könnte viele Investoren ziemlich überraschen. Fed-Chef Jay Powell sagte,

„dass die US-Wirtschaft mit einer soliden Rate“ wachse, der Arbeitsmarkt „stark sei“,

während die Verbraucher kräftig konsumieren und die Unternehmen investieren würden.

Also alles rosig, oder? In dem Umfeld hat die Fed die Leitzinsen um 25 Basispunkte (0,25 Prozentpunkte) auf 1,75 Prozent bis 2,0 Prozent angehoben. Im Mittel entspricht das 1,875 Prozent. Zudem hat die Fed die Zinsprognose für das Jahresende auf 2,375 Prozent angehoben, die Fed will also im Laufe des Jahres zwei weitere Zinserhöhungen durchführen, und damit eine mehr als bislang angekündigt.

Und was macht der Goldpreis in dem Umfeld? Er fällt nicht etwa, sondern dreht vielmehr nach oben und klettert über die Marke von 1.300 Dollar je Unze.

Die Reaktion des US-Anleihenmarkts auf die Anhebung der Prognose war ebenfalls bemerkenswert:

Zwar sind die Zinsen für zehnjährige Anleihen kurz von 2,95 Prozent auf 2,99 Prozent nach oben geschossen, anschließend sind sie aber schnell wieder nach unten gedreht und notieren bei 2,95 Prozent.

Mit dem Schwenk signalisiert der Anleihenmarkt, dass die Fed mit ihren Zinserhöhungen einen Fehler macht, und so Gefahr läuft, die Konjunktur abzuwürgen.

Die schlechtesten Perspektiven für die US-Wirtschaft seit elf Jahren

Genau dieses Signal sendet die Zinsstrukturkurve. So ist der Zinsaufschlag für zehnjährige gegenüber zweijährige US-Anleihen auf 40 Basispunkte (0,4 Prozentpunkte) kollabiert. Das ist das niedrigste Niveau seit September 2007.

Die Investoren am Anleihenmarkt schätzen die Perspektiven für die US-Wirtschaft also so schlecht ein wie seit fast elf Jahren nicht mehr. Indem man von den Zinsen für zehnjährige Anleihen jene für zweijährige abzieht, entfernt man die Inflationskomponente und es bleibt nur noch die Wachstumskomponente übrig.

Dass die Zinsstrukturkurve immer weiter kollabiert, und damit Investoren allmählich nervös macht, können Sie in den Massenmedien, wie bei Bloomberg, jederzeit nachlesen.

Weshalb erhöht die Fed aber andauernd die Zinsen und sorgt durch den Verkauf von Staats- und Hypothekenanlaufen für zusätzlichen Aufwärtsdruck bei den Zinsen, obwohl sich die Perspektiven für die Wirtschaft entgegen Powells Behauptungen und den von US-Präsident Donald Trump zusehends eintrüben?

Trump hatte zuletzt sogar gefaselt,

„die US-Wirtschaft sei stärker als jemals zuvor.“

Powell will Luft aus dem Aktienmarkt herauslassen

Ich habe wiederholt geschrieben, dass die Fed hauptsächlich aus einem Grund die Zinsen erhöht:

weil sie Luft aus dem US-Aktienmarkt herauslassen möchte.

Er ist nach dem Buffett-Indikator, in Anlehnung an den von der Investmentlegende Warren Buffett entwickelten Indikator, die größte Blase aller Zeiten. Bei dieser Kennzahl wird der Börsenwert der US-Aktien durch die jährliche Wirtschaftsleistung dividiert.

So belief sich der Börsenwert des marktbreiten Wilshire 5000 Index zuletzt auf den Rekord von 142 Prozent der Wirtschaftsleistung der USA. Beim damaligen Rekord Ende 1999 war er bei 136,5 Prozent gelegen, ehe es zum Crash gekommen war. Vor dem 2008/09er-Crash lag der Wert bei höchstens 104,9 Prozent.

Die Zahlen zeigen, dass der US-Aktienmarkt laut Buffetts Indikator die größte Blase aller Zeiten ist. Der langfristige Schnitt lag bei lediglich 60 Prozent. Die Fed weiß sehr gut was passieren dürfte, wenn die gigantische Blase platzen sollte. Das würde kräftig auf die Stimmung der Verbraucher durchschlagen, weshalb sie sich beim Konsum zurückhalten dürften, woraufhin die Wirtschaft schnell in die Rezession abrutschen dürften.

Investoren drohen Verluste bei US-Anleihen und -Aktien

Die Fed kann also nicht zulassen, dass der S&P500 auf neue Rekordhochs nach oben ausbricht und steuert mit einer Verschärfung der Geldpolitik dagegen. Die Frage ist nur, wie lange das der S&P500 noch wegstecken kann, zumal sich die Konjunkturperspektiven wegen des Handelskrieg ohnehin merklich eintrüben.

Sollte es die Fed schaffen, dass sie mit weiteren Zinserhöhungen Investoren weitere Verluste bei US-Anleihen und bald auch bei Aktien „beschert“, könnten die Investoren bald Geld umschichten. Ob es in Gold fließt, werden die nächsten Monate zeigen.

Goldpreis Euro
Goldpreis Euro 1 Woche

Bemerkenswert ist jedenfalls, dass sich der Goldpreis zuletzt gut gehalten hat, obwohl der Dollar seit Anfang April deutlich gestiegen ist und die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen merklich geklettert sind.

Umso bemerkenswerter wäre es, wenn die Zinsen für zehnjährige Papiere trotz der Aussicht auf weitere Leitzinserhöhungen in den nächsten Monaten nach unten drehen sollten. Das dürfte den Dollar mit nach unten ziehen. Damit würde der Gegenwind für den Goldpreis aus zwei Richtungen nachlassen.

Gold – Fed spielt gefährliches Spiel mit US-Aktienmarkt?
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [1]
  • von Silberfreund | 24.06.2018, 16:06 Antworten

    Jeder der seit Jahren nach jeglicher Kurserholung am Edelmetallmarkt die unmittelbar danach folgende, rapide Absturzkurve (siehe jüngst 15. Juni) wahrnimmt - und mir heute noch etwas vom "freien Markt" erzählt, dem ist nicht mehr zu helfen und/oder verweigert sich der Realität. Seit Jahren gehören diese "Eingriffe am Markt" - ich nenne sie Manipulationen - sowohl in der Rohstoff- als auch in der Finanzwirtschaft zum Tagesgeschäft der Verantwortlichen. Gerade in Zeiten immenser Verschuldungen der Staaten könnten Edelmetalle DER kaufkraft-erhaltende Rettungsanker und Hoffnungsträger für uns Alle sein, doch weit gefehlt. Eines Tages wird der Steuerzahler für diese hemmungslosen Machenschaften auf Jahrzehnte und Generationen teuer bezahlen. Leute wie Prof. Sinn, Prof. Hankel, Prof. Bocker und viele andere sind bestimmt keine Dummköpfe und warnen seit Jahren vor den Auswirkungen dieser Machenschaften zugunsten der Papiergeldlobby. Jedoch werden solche klugen Köpfe weiterhin von einer bestimmten Klientel mittels Printmedien und TV als Schwarzmaler und Verschwörungstheoretiker beschimpft. Es kommt der Tag ...

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