Stand: 17.06.2017 von Egmond Haidt 1 Kommentare

Nach der jüngsten Sitzung der US-Notenbank FED ist der Goldpreis eingebrochen. Fed-Chefin Janet Yellen hat etliche Investoren ziemlich überrascht. Wie lange könnte es dauern, bis sich der Goldpreis von dem Tiefschlag erholt?

Kursrutsch beim Goldpreis nach der jüngsten Sitzung der US-Notenbank Fed: Entgegen der Erwartung vieler Investoren hat Fed-Chefin Janet Yellen angekündigt, an einer dritten Zinserhöhung in diesem Jahr festhalten zu wollen.

Zudem hat Yellen erläutert, wie künftig die Bilanzsumme der Fed von 4,5 Billionen Dollar allmählich abgebaut werden soll. So sollen anfänglich monatlich sechs Mrd. Dollar an auslaufenden Staats- und vier Mrd. Dollar an Hypothekenanleihen nicht mehr in neue Anleihen umgeschichtet werden, und damit die Bilanzsumme um insgesamt zehn Mrd. Dollar pro Monat verringert werden.

Alle drei Monate sollen weitere zehn Mrd. hinzukommen, bis nach zwölf Monaten ein Wert von 50 Mrd. Dollar pro Monat erreicht wird. Damit würde die Bilanzsumme aufs Jahr hochgerechnet um 600 Mrd. schrumpfen.

Yellen hat zwar nicht gesagt, wann die Fed mit dem Abbau beginnen möchte. Allein dass die Fed aber derart genaue Details veröffentlicht hat, hat die Investoren erheblich verunsichert. Wegen der anhaltenden Verschärfung der Geldpolitik waren nach der Ankündigung die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen etwas gestiegen und hatten damit den Dollar mit nach oben gezogen. Im Gegenzug ist die Goldpreisentwicklung auf ein Zwei-Wochen-Tief abgerutscht.

US-Inflation im Rückwärtsgang

Warum die Fed die Geldpolitik weiterhin verschärfen will, bleibt allerdings das Geheimnis der Fed. Zwar ist die Arbeitslosenquote mit 4,3 Prozent sehr niedrig. Allerdings ist von kräftig steigenden Löhnen, was für Inflationsdruck sorgen würde, absolut nichts zu sehen.

US Inflationsrate Stand Mai 2017

Gleichzeitig ist die Inflation stark im Rückwärtsgang. Nachdem die Verbraucherpreise im Februar noch um 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen waren, lag das Plus im Mai bei nur mehr 1,9 Prozent. Das ist das niedrigste Niveau seit November 2016.

Wegen des deutlichen Rückgangs des Ölpreises dürften die Inflationsraten in den nächsten Monaten weiter sinken. So liegt der Preis für die US-Sorte WTI um vier Prozent unter dem Vorjahresniveau. Yellen hat zwar gesagt, dass der Rückgang der Inflation vorübergehend sei. Wie soll es aber in einem Umfeld sinkender Ölpreise zu wieder steigenden Inflationsraten kommen? Das ist nicht möglich.

US-Zinsen senden starke Warnsignale

In einem Umfeld, in dem sich die Konjunkturperspektiven für die Wirtschaft deutlich eintrüben, läuft Yellen mit einer weiteren Verschärfung der Geldpolitik Gefahr, die Wirtschaft noch weiter abzuwürgen. Wie sehr sich die Perspektiven eingetrübt haben, zeigen die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen unmissverständlich.

Sie sind trotz der anhaltenden Erhöhungen der Leitzinsen auf 2,14 Prozent gesunken und liegen damit in der Nähe des niedrigsten Niveaus seit dem 11. November 2016, also wenige Tage nach dem Wahlsieg von Donald Trump am 8. November.

Damit sind die Zinsen für zehnjährige Anleihen seit dem Höhepunkt im März um herbe 50 Basispunkte (0,5 Prozentpunkte) gesunken - ein enormer Rückgang für einen so kurzen Zeitraum.

Wie schnell könnte sich der Goldpreis von dem jüngsten Kursrückschlag erholen? Das wird vor allem von der Entwicklung des Dollar und den Zinsen für zehnjährige US-Anleihen abhängen. Nach der Überraschung durch Yellen könnten der Dollar und die Zinsen kurzfristig noch etwas weiter steigen, was den Goldpreis belasten würde.

Da Yellen mit weiteren Zinserhöhungen die Wirtschaft aber weiter abwürgen sollte, könnten die Zinsen für zehnjährige Anleihen nach einer Weile nach unten ausbrechen, was den Goldpreis stützen würde, zumal sinkende Zinsen auch den Dollar nach unten ziehen würden.

Obwohl sich die Korrektur beim Goldpreis in Dollar kurzfristig ausweiten könnte, könnten die 100-Tage-Linie von 1.245,75 Dollar je Unze und die 200-Tage-Linie von 1.243,50 Dollar (Stand: 16.06.2017) erst einmal eine Unterstützung bedeuten.

Goldpreis: Fed will trotz sinkender Inflation die Zinsen weiter erhöhen
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [1]
  • von irgendwo aus dem nirgendwo | 22.06.2017, 07:07 Antworten

    Es wäre wünschenswert mehr über die Europäische und Deutsche Wirtschaft zu lesen.
    USA ist zwar sehr wichtig, aber ich finde nicht so wie Draghi & Co. in diesen Zeiten.
    Auch China, Russland und Japan sollte bei Gold erwähnt werden.
    Vielen Dank für die bisherige Berichterstattung

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