Stand: 30.09.2019 von Jörg Bernhard 3 Kommentare

Mittlerweile liegen drei Viertel des Jahres 2019 bereits hinter uns – Zeit für eine vorläufige Bilanz. Mit Blick auf den Goldpreis kann diese sich wahrlich sehen lassen, schließlich erzielte der Krisenschutz gegenüber DAX und Dow eine markante Outperformance und feierte damit ein starkes Comeback.

Goldpreis hui – US-Renditen pfui

Seit dem Jahreswechsel verteuerte sich das gelbe Edelmetall auf Dollarbasis um 16,8 Prozent und in Euro gerechnet um 22,3 Prozent. Weil der Euro gegenüber der US-Währung 2019 schwächer tendierte, durften sich Goldbesitzer in Europa über währungsbedingte Kursgewinne freuen. 

Verglichen mit Blue Chips Made in Germany (DAX) oder den Top-Titeln aus den USA (Dow-Jones) fiel das Anlagerergebnis bei Gold somit deutlich höher aus (siehe Tabelle). Auf Eurobasis markierte der Goldpreis Anfang September sogar ein neues Allzeithoch bei über 1.413 Euro, während in Dollar gerechnet zum Markieren eines neuen Rekordwerts derzeit noch 27 Prozent fehlen.

Goldpreis im Vergleich

Aktuell Jahrestief Jahreshoch Performance 2019
Goldpreis (USD) 1.494,00 1.266,32 1.557,12 16,77 %
Goldpreis (EUR) 1.365,00 1.116,55 1.413,53 22,33 %
CBOE-Goldvolatilitätsindex (Prozent) 15,00 8,88 18,72 11,28 %
Zehnjährige US-Rendite (Prozent) 1,679 1,461 2,786 -37,44 %
Dollarindex (Punkte) 99,11 95,03 99,37 3,06 %
Dow-Jones (Punkte) 26.820,25 22.638,41 27.398,68 14,97 %
DAX (Punkte) 12.381,00 10.386,97 12.656,05 17,26 %
Stand: 30. September 2019 (8:00 Uhr)
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Ein besonders wichtiger Grund für die freundliche Tendenz des Goldpreises finden Sie ebenfalls in der Tabelle – den regelrechten Einbruch zehnjähriger US-Renditen um bislang mehr als 37 Prozent. Dadurch sind nämlich die Opportunitätskosten eines Goldinvestments, die aus dem Verzicht auf Zinseinnahmen resultieren, signifikant gesunken. 

Dadurch steigt erfahrungsgemäß das Anlegerinteresse an Gold. Weil unter den trüben Konjunkturperspektiven auch die Gewinne der Unternehmen – und damit auch etwaige Dividendenzahlungen – leiden könnten, dürften auch Umschichtungen aus den Aktienmärkten das Comeback bei Gold begünstigt haben.

Gold fungiert als stabilisierende Ankerwährung

Einen unangenehmen Nebeneffekt brachte das diesjährige Comeback des Goldpreises aber dennoch mit sich: die Kursschwankungsintensität – und damit das mit einem Goldinvestment verbundene Risiko – ist auf Jahressicht signifikant gestiegen. Seit Ende Dezember kletterte nämlich der vom Terminbörsenbetreiber Chicago Board Options Exchange konzipierte und berechnete Volatilitätsindex (GVZ) von 13,5 auf 15,0 Prozent, wobei Mitte August sogar ein Jahreshoch von 18,7 Prozent erzielt worden war. 

Aktuell bewegt sich die Volatilität von Gold unter dem Niveau des VIX, der allerdings die Volatilität des 500 Werte umfassenden S&P-500-Index repräsentiert. Wenn man bedenkt, dass sich beim VIX das Gesamtrisiko auf 500 Indexkomponenten verteilt, kann man das mit einem Goldinvestment verbundene Risiko als relativ moderat einstufen.

Zum Vergleich: Entsprechende CBOE-Volatilitätsindizes auf Rohöl bzw. Silber fallen mit 38,9 und 27,6 Prozent erheblich höher als bei Gold aus. Dadurch ist Gold als Stabilitätsanker für jedes Investmentportfolio geradezu prädestiniert. Zu diesem Ergebnis kommt übrigens auch der World Gold Council in seiner kürzlich veröffentlichten 20-seitigen Studie, deren wichtigste Erkenntnisse interessierte Investoren hier abrufen können.

Ausblick für die laufende Woche

An den Finanzmärkten sorgt man sich wieder verstärkt um die globalen Konjunkturperspektiven. Während der Ölpreis im Zuge dieser Entwicklung eine rasante Talfahrt verzeichnete, überzeugte der Krisenschutz Gold durch ein hohes Maß an relativer Stärke. Man hat den Eindruck, dass der Goldpreis gegenüber negativen Nachrichten relativ immun zu sein scheint. Insbesondere der zeitweise zu beobachtende nachlassende Optimismus großer Terminspekulanten (Non-Commercials) verpuffte bislang ohne Wirkung.

Wichtige Konjunkturdaten aus den USA stehen am Freitag auf der Agenda. Dann erfahren nämlich die Marktakteure, wie sich im August die US-Handelsbilanz entwickelt hat. Bislang ist es US-Präsident Donald Trump nicht gelungen, das Handelsbilanzdefizit der USA nachhaltig zu reduzieren. In den vergangenen 12 Monaten schwankte es zwischen minus 50,7 Milliarden (Februar) und minus 60,8 Milliarden Dollar (Dezember).

Daneben dürfte man sich nicht nur an den Goldmärkten aber auch für den aktuellen Arbeitsmarktbericht für den Monat September stark interessieren. Laut einer Umfrage unter Analysten (Quelle: Trading Economics) soll die Arbeitslosenrate bei 3,7 Prozent verharren und die Zahl neu geschaffener Stellen von 130.000 auf 140.000 gestiegen sein. Eine negative Überraschung könnte sich auf den Goldpreis positiv auswirken.

Gold: Glänzende Bilanz nach neun Monaten
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [3]
  • von Goldhamster | 02.10.2019, 17:37 Antworten

    Bei 1485 $ erschien der Artikel. Ein kritischer Hinweis könnte zur Löschung führen.

  • von Ernst von Ambacher | 02.10.2019, 10:39 Antworten

    Der Golpreis hat nichts mit Gold zu tun,Alles schutzige Manipulation.

  • von Thomas | 02.10.2019, 10:33 Antworten

    Wenn man usanleihen gehalten hätte, hätte man vermutlich mehr Kursgewinne gemacht, eben wegen der sinkenden Renditen....aber das passt dann halt nicht ins Bild

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"