Stand: 22.01.2019 von Jörg Bernhard 7 Kommentare

In der vergangenen Woche gab es wieder einmal beängstigende Zahlen zur globalen Verschuldung privater Haushalte, Unternehmen und der öffentlichen Hand zu vermelden. Mittlerweile sind wir bei einem Schuldenstand von 244 Billionen Dollar angelangt.

Lawinengefahr am Schuldenberg

Nur zur Erinnerung: Eine Billion besteht aus zwölf Nullen. Ende September 2018 entsprach der vom Institute of International Finance (IIF) veröffentlichte Schuldenmonitor mit 244 Billionen Dollar 318 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung (siehe Tabelle).

Globale Schuldenentwicklung Schulden/BIP
Privathaushalte, Unternehmen und Staaten (weltweit) * 318,0 Prozent
Staatsschulden Japan ** 253,0 Prozent
Staatsschulden USA ** 105,4 Prozent
Staatsschulden Italien ** 131,8 Prozent
Staatsschulden Eurozone ** 86,7 Prozent
Staatsschulden Deutschland ** 63,9 Prozent
Quelle: Schuldenmonitor International Institute of Finance; Trading Economics;
* am 30.09.2018;
** Ende 2017

Noch desaströser fiel diese Quote im Herbst 2016 mit 320 Prozent aus. Weil die globale Konjunktur in den vergangenen Jahren relativ gut gelaufen war, hat sich die Kennzahl zwar marginal verbessert, insgesamt hat sich der Schuldenberg innerhalb von zwei Jahren aber um weitere 27 Billionen Dollar erhöht.

Und das ist alles andere als eine gesunde Entwicklung, schließlich wird das wirtschaftliche Wachstum in erster Linie auf Pump finanziert. Im vergangenen Jahr bereitete vor allem die wachsende Verschuldung der Unternehmen und Privathaushalte aus Schwellenländern Sorgen.

Aber auch in den Industrieländern sind wir gegenwärtig von einer soliden Schuldenpolitik „meilenweit“ entfernt.

Man muss kein Prophet sein, um den globalen Finanzsystemen im Falle von steigenden Zinsen und/oder einer nachlassenden Konjunktur erhebliche Finanzierungsschwierigkeiten vorherzusagen. Durch die jahrelange Niedrigzinspolitik verspürte offensichtlich niemand den Drang, weniger Schulden zu machen.

Vielmehr hat man sich mittlerweile daran gewöhnt, für Kredite wenig bis nichts zu bezahlen. Richtig eng könnte es für Immobilienfinanzierer werden, wenn die Zinsbindung ausläuft und die Zinsen deutlich höher notieren sollten. Aber auch diversen Staaten droht erhebliches Ungemach, schließlich müssen ab 2020 auslaufende Staatsanleihen in beträchtlichem Umfang refinanziert werden.

Risiken, so weit das Auge reicht

Doch damit nicht genug. In der vergangenen Woche stellte anlässlich des vom 22. bis 25. Januar stattfindenden Treffens im schweizerischen Davos das Weltwirtschaftsforum seinen Risikobericht zur aktuellen Gefahrenlage vor.

Als größtes globales Risiko wurde darin der Klimawandel identifiziert. Es sei offensichtlich,

„dass die Welt in eine Katastrophe steuert“

war in der Studie zu lesen. Außerdem entstünden durch Cyberattacken enorme Bedrohungen und hohe Schäden durch Datenraub und -betrug. Aber auch die geopolitischen Krisen und weltpolitischen Spannungen bergen erhebliches Gefahrenpotenzial.

So monierten die Macher der Studie, den mangelnden Willen diese zu bekämpfen. Kapitelüberschriften wie „Außer Kontrolle“ oder „Kampf oder Flucht“ geben einen guten Einblick in die Gemütslage bei den Verantwortlichen des Weltwirtschaftsforums. Mit Blick auf die Finanzwelt lässt dies nur einen Schluss zu: Gegen ein Goldinvestment spricht derzeit im Grunde genommen nichts.

Ausblick für die laufende Woche

An den Goldmärkten überwiegt derzeit eine abwartende Haltung, was auch durch den Chart zum Ausdruck kommt. So scheint der Respekt vor der Marke von 1.300 Dollar ziemlich ausgeprägt zu sein. Unter Timingaspekten eröffnet sich durchaus Korrekturpotenzial, schließlich generierte zum Beispiel der Timingindikator Relative-Stärke-Index mit dem Unterschreiten der Marke von 70 Prozent in der vergangenen Woche sogar ein Verkaufssignal.

Aus fundamentaler Sicht stehen die Ampeln hingegen weiterhin auf „Grün“. Sowohl die Weltkonjunktur als auch die Kursrally an den internationalen Aktienmärkten ist im vergangenen Jahr ins Stocken geraten. Die Zahl potenzieller Risiken hat in der Vergangenheit deutlich zugenommen – auch in Europa.

Das Brexit-Chaos, die italienischen Staatsschulden und die im Mai anstehenden Europawahlen sprechen nicht gerade für den Verkauf von Gold.  Eine regelrechte Datenflut an europäischen Konjunkturindikatoren steht mit der EZB-Zinsentscheidung und den zahlreichen Markit-Einkaufsmanagerindizes am Donnerstag auf der Agenda.

Während in Deutschland noch Werte von über 50 Punkten und somit wirtschaftliches Wachstum angezeigt wird, stürzten die französischen Pendants im Dezember darunter – für die Wirtschaft ein schlechtes und für Gold ein gutes Omen.

Gold: Globale Verschuldung im Höhenflug
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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von Tobias Heinze | 26.01.2019, 10:01 Antworten

Warum regieren nur noch Angstmacher in dieem postfaktischen Zeitalter? In der Ruhe liegt die Kraft. Gold wird natürlich nie im Wert steigen, sondern die Kaufkraft des Geldes sinkt einfach kontinuierlich, keine Frage, da ständig weitergedruckt wird. Also Gold kaufen!

4 Antworten an Tobias Heinze anzeigen
von Anonym | 23.01.2019, 16:22 Antworten

Unsere extrem fähigen Politiker werden schon die passenden Antworten finden.
Wir schaffen das!

von Fritzthecat | 22.01.2019, 11:09 Antworten

Man muss immer Brutto zu Nettoschulden unterscheiden. Dies ist nicht unwesentlich. Als Beispiel Japan oder China: Die Länder sitzen unter Anderem auf Devisenbergen. Diese müssen als Guthaben gegengerechnet werden. China hat Nettoschulden von 9% des BIT. Natürlich braucht man das weltweite Schuldenproblem nicht verharmlosen. Aber teilweise ist noch viel Luft nach oben. So lange Schuldner und Gläubiger sich einig sind wird dieses an sich kranke System weiterlaufen.

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