Stand: 02.07.2019 von Jörg Bernhard 8 Kommentare

Die ersten sechs Monate des laufenden Jahres bescherten dem Goldpreis eine Wertsteigerung von über zehn Prozent. Diverse Entwicklungen waren hierfür hauptverantwortlich und haben bei dem traditionellen Krisenschutz zu einem verstärkten Interesse geführt.

Fed kündigt Wechsel in der Geldpolitik an

Der wohl wichtigste Grund dürfte die geldpolitische Trendwende der US-Notenbank Fed gewesen sein. Nach insgesamt neun Zinserhöhungen, welche bei den US-Leitzinsen zu einem Anstieg auf 2,5 Prozent geführt haben, kündigte Fed-Chef Powell mittlerweile einen baldigen Zinsschritt nach unten an. 

Laut FedWatch-Tool des Terminbörsenbetreibers CME Group wird derzeit eine Wahrscheinlichkeit von 100 Prozent angezeigt, dass wir Ende Juli einen Zinsschritt nach unten sehen werden. Für eine XXL-Zinssenkung um 50 Basispunkte liegt der Wert derzeit sogar bei rund 28 Prozent, nachdem ein Monat zuvor hier zwei Prozent ausgewiesen worden waren.

Dies alles zeigt, dass das Rezessionsrisiko durch die America-First-Politik Donald Trumps und den damit verbundenen Handelskonflikten deutlich gestiegen ist. Wie gewohnt reagieren Notenbanken auf solche wirtschaftliche Schwächephasen stets mit einer Verbilligung der Kredite. Nun darf man gespannt sein, ob die weltweiten Investoren weiterhin auf die "heilenden Hände" der Notenbanken vertrauen werden.

Zur Erinnerung: In der Eurozone befinden sich die Leitzinsen seit März 2016 bereits bei null Prozent. Ihr geldpolitisches "Waffenarsenal" scheint diesbezüglich eher begrenzt zu sein. Eine Währung, deren Besitz keine Rendite bringt (siehe Tabelle), dürfte auf Anleger aber keine große Anziehungskraft ausüben:

Rendite zehnjähriger Staatsanleihen

Land Inflation Rendite Währung Fälligkeit
Japan 0,70% -0,15% JPY 2029
Schweiz 0,60% -0,21% CHF 2029
Deutschland 1,60% -0,32% EUR 2029
Niederlande 2,40% -0,15% EUR 2029
Dänemark 0,70% -0,26% DKK 2029
Schweden 2,20% 0,03% SEK 2029
Frankreich 0,90% 0,00% EUR 2029
Belgien 1,73% 0,07% EUR 2029
Großbritannien 2,00% 0,82% GBP 2029
Spanien 0,40% 0,39% EUR 2029
Norwegen 2,50% 1,45% NOK 2029
Kanada 2,40% 1,47% CAD 2029
Portugal 0,40% 1,87% EUR 2029
USA 1,80% 2,01% USD 2029
Australien 1,30% 1,33% AUD 2029
Neuseeland 1,50% 1,57% NZD 2029
Griechenland 0,20% 1,80% EUR 2029
(Stand: 30.06.2019)

In Phasen negativer Realzinsen (Nominalzins minus Inflationsrate) gilt physisches Gold daher als besonders attraktive Anlagealternative, zumal es – im Gegensatz zu Aktien, Anleihen oder Papierwährungen – noch nie einen Totalverlust erlitten hat.

Doch der Goldpreis profitierte im ersten Halbjahr nicht nur von wachsenden Rezessionsängsten, sondern auch von den gestiegenen geopolitischen Risiken. Am größten erscheint die Kriegsgefahr derzeit im Nahen Osten zu sein. Tankerangriffe im Golf von Oman und der Abschuss einer US-Drohne durch iranische Revolutionsgarden im Süden Irans sind hierfür der beste Beweis.

Charttechnischer Meilenstein gelungen

Aus charttechnischer Sicht kann man das erste Halbjahr als "echtes Highlight" bezeichnen. Denn auch hier deutet viel auf einen Trendwechsel hin. So drehte zum Beispiel die langfristige 200-Tage-Linie seit Ende Januar eindrucksvoll nach oben, was in der Chartlehre als Trendwechselsignal gilt. Außerdem gelang dem Goldpreis der Ausbruch aus dem seit sechs Jahren zu beobachtenden Seitwärtstrend und mit dem Sprung über die Marke von 1.400 Dollar wurde sogar der seit 2011 gebildete langfristige Abwärtstrend nach oben verlassen.

Die jüngste Goldpreisschwäche hat beim Timingindikator Relative-Stärke-Index ein Verkaufssignal ausgelöst. Nach einem Junihoch von über 80 Prozent, was als charttechnisch überkaufte Lage gilt, rutschte der RSI auf 63 Prozent ab. Chartorientierte Investoren interpretieren dies normalerweise als Verkaufssignal. Aber was ist heutzutage schon normal?

Ausblick für die laufende Woche

Es mehren sich die Warnsignale von der internationalen "Konjunkturfront". Selbst in der US-Wirtschaft läuft es nicht mehr richtig rund. In der vergangenen Woche enttäuschte in diesem Zusammenhang vor allem der Stimmungsindex der Dallas Fed, die Maiverkäufe neuer US-Eigenheime, der Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter sowie der Chicago-Einkaufsmanagerindex.

In den nächsten Handelstagen dürften sich die Investoren vor allem für die anstehende Datenflut vom US-Arbeitsmarkt stark interessieren. Insbesondere der für Freitag angekündigte Monatsbericht des US-Arbeitsministeriums dürfte für ein hohes Maß an Aufmerksamkeit sorgen. Analysten prognostizieren für den Monat Juni eine unveränderte Arbeitslosenrate von 3,6 Prozent sowie einen markanten Anstieg bei der Zahl neu geschaffener Stellen von 90.000 auf 150.000. Zur Erinnerung: Vor einem Monat wurden die Analystenprognosen deutlich verfehlt.

Goldpreis: Die Gründe für den starken Anstieg
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [8]
  • von Feldhamster | 05.07.2019, 15:28 Antworten

    Gold macht gut

  • von Chartswolli | 05.07.2019, 15:26 Antworten

    Die Metalle Silber und Platin haben wie in naher Zukunft auch Kupfer noch Steigerung potenzial nach oben , es wird noch viel Material in Zukunft für Protesen , Autoindustrie und Silber in Elektronik gebraucht und immer mehr Münzen und Schmuck schreien auch nach Edelmetalle , deshalb ist es uns sehr wichtig . Mfg.

  • von Goldhamster | 04.07.2019, 14:05 Antworten

    Anleihe von Griechenland und Italien bringen fast 2% und wenn die EZB wieder alternativlos rettet, dann sollte das Risiko gen Null gehen. Braucht es dies, wenn es echtes Geld (ohne Gegenpartner) gibt?

  • von Stanislaus von Heckenschnieder | 04.07.2019, 10:28 Antworten

    Jetzt kaufen und im Dezember verkaufen

  • von birdy | 03.07.2019, 10:27 Antworten

    Geldscheine brennen, Goldbarren nicht

  • von Goldhamster | 02.07.2019, 21:47 Antworten

    Wo ist das Problem? Gold sollte nicht als Zockerinstrument dienen, sondern als Langfristversicherung. So wie man monatlich gleichmäßig in seine Police einzahlt, erhält man gemittelte Kurse. Ein jeder sollte foh sein, wenn er diese Versicherung nie brauchen sollte, aber schön wenn die Mengetrotzdem wächst. Noch nie größeres Chaos? Weimarer Republik, Venezuela, Angola ...... aber man muss es ja (bisher) nicht persönlich erlebt haben. Danke Merkel!

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