Stand: 18.05.2020 von Jörg Bernhard
Der Ruf nach „Negativzinsen Made in USA“ wird immer lauter. Noch hält Fed-Chef Jerome Powell diesen Tabubruch für nicht nötig, doch an Finanzmärkten wird bereits darauf gewettet. Für Edelmetalle wie Gold und Silber sind dies zweifellos positive Begleiterscheinungen.
Gold: Heiße Diskussionen um Negativzinsen

Fed-Chef Powell lehnt Negativzinsen ab

Die Idee von Negativzinsen liegt auf der Hand: Mit der Einführung von Strafzinsen sollen Banken animiert werden, mehr Kredite zu vergeben. Außerdem soll Sparern die Lust auf`s Geld horten verdorben werden. Eine Frage sollte dabei allerdings durchaus erlaubt sein: 

Wenn das Fremdfinanzieren von Kapital fast nichts kostet und der Besitz von Geld keine oder gar negative Zinsen einbringen – wie ist es dann um die Werthaltigkeit und die Wertbeständigkeit von Geld bestellt?

Auf einer vom Peterson Institute for International Economics (PIIE) veranstalteten Videokonferenz erteilte Fed-Chef Powell Negativzinsen in der vergangenen Woche erst einmal eine Absage. 

Zugleich warnte er eindringlich, dass die Corona-Krise eine längere Phase mit schwachem Produktivitätswachstum und stagnierenden Einkommen verursachen könnte. Damit teilen die Geldexperten offensichtlich nicht die Hoffnung der Börsianer auf eine V-förmige Konjunkturerholung. Die Geldpolitik der US-Notenbank Fed würde aber laut Jerome Powell weiterhin sehr locker bleiben. Von der US-Regierung forderte Powell indes weitere finanzielle Hilfen. 

US-Präsident Donald Trump hat die US-Notenbank in der Vergangenheit bereits mehrfach aufgefordert, Negativzinsen einzuführen. 

Dass er durch regelmäßige Kritik an der Fed sowohl deren Unabhängigkeit als auch ihre Glaubwürdigkeit untergräbt, scheint ihn nicht zu stören. Es ist allerdings zu befürchten, dass Trump bei all seinem Handeln weniger das Wohl des Landes, sondern vielmehr der eigenen Wiederwahl im Herbst höchste Priorität einräumt.

Allein der Slogan „Make America great again“ dürfte diesmal höchstwahrscheinlich nicht funktionieren.

Eigenlob stinkt: EZB mit Negativzinsen zufrieden

Zum Thema „Negativzinsen“ meldete sich in der vergangenen Woche auch die Europäische Zentralbank zu Wort – nachzulesen im „Economic Bulletin 3 / 2020“ (ab Seite 62)

Seit 2014 hat die EZB ihren Einlagenzins fünfmal auf aktuell minus 0,5 Prozent reduziert (siehe Chart). Die Notenbanker ziehen dabei eine positive Bilanz und erklären, dass durch die Einführung von Negativzinsen die Wirtschaftsaktivitäten unterstützt wurden und dies zur Preisstabilität beigetragen habe. Die Kreditvergabe sei gestiegen und die Kreditwürdigkeit der Kreditnehmer habe sich verbessert. Bei den Banken führte die verstärkte Ausleihung zugleich zu niedrigeren Kosten, weil man sich ja den EZB-Einlagenzins gespart und zugleich durch die Kreditvergabe Zinseinnahmen generiert habe. 

Einlagezins der EZB seit 2000

Nun bleibt nur noch zu hoffen, dass diese Kredite auch wieder zurückgezahlt werden. 

Fazit: Negative Zinsen dürften aber auch für Goldbesitzer vorteilhaft sein. Die These „Gold zahlt keine Zinsen“ kann nun getrost in „Gold kostet keine Zinsen“ uminterpretiert werden – und das voraussichtlich für die nächsten Jahre.

Ausblick für die laufende Woche

Unter Börsianern herrscht derzeit weder Euphorie noch Angst – am ehesten kann man ihnen wohl zwei Dinge attestieren: Unsicherheit und Lethargie.

Die Rebounds vom Jahrestief bei DAX und Dow-Jones weisen derzeit ein Plus von immerhin 30 Prozent auf, obwohl die meisten Konjunkturindikatoren nach wie vor alles andere als ermutigend aussehen. In der kommenden Woche steht eine Flut an japanischen Konjunkturindikatoren zur Bekanntgabe an. Analysten rechnen hier ausnahmslos mit roten Vorzeichen. 

Für das BIP-Wachstum, die privaten Konsumausgaben, die Industrieproduktion, den Auftragseingang im Maschinenbau sowie die Handelsbilanzzahlen dürften sich die Investoren hier besonders stark interessieren.

Ebenfalls wichtig: In Europa und in den USA stehen diverse Einkaufsmanagerindizes zur Bekanntgabe an. Sie fungieren vor allem als konjunkturelle Frühindikatoren. Irgendwann sollten diese nach oben drehen, sonst könnten die Börsianer ihre bereits verteilten Vorschusslorbeeren wieder einkassieren.

In der vergangenen Woche bewiesen in erster Linie sichere Häfen wie Staatsanleihen bester Bonität, Kryptowährungen wie der Bitcoin sowie Krisenwährungen wie Gold und Silber relative Stärke.

Die beiden Edelmetalle gehören grundsätzlich in jedes Portfolio, punkt.
Autor: Jörg Bernhard
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von Marco | 19.05.2020, 11:35 Antworten

Die FED ist nicht unabhängig, sondern eine private Institution.

1 Antwort an Marco anzeigen
von Commander C | 18.05.2020, 22:45 Antworten

By the way ist es nicht ganz okay Powell spiegelverkehrt abzubilden (siehe vorheriger Artikel).

von Commander C | 18.05.2020, 17:08 Antworten

Viele wissen, dass Trump Gold liebt. Ich finde es lustig: Wäre ich Trump, wüsste ich, dass Gold nach dem Schrei nach Negativzinsen steigt. Und wäre ich sein Kumpel, würde ich ihn fragen: "Wann meckerst Du mal wieder über die FED?!".

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"