Stand: 22.12.2020 von Jörg Bernhard
Der Dollarindex, der die US-Währung mit sechs anderen wichtigen Währungen vergleicht, rutschte in der vergangenen Woche auf den niedrigsten Stand seit April 2018 und ließ im Gegenzug den Goldpreis in Richtung 1.900 Dollar ansteigen.
Gold hui, Dollar pfui!

Ultralockere US-Geldpolitik bis Ende 2023

Einen regelrechten Schwächeanfall erlitt der Greenback nach der Fed-Sitzung am Mittwoch. Obwohl die US-Notenbanker weder bei den Leitzinsen noch bei den monatlichen Anleihekäufen irgendwelche Änderungen beschlossen hatten, wurde der Dollar von Investoren „abgestraft“.

Hauptverantwortlich für diese Negativtendenz waren Statements, dass sich bis Ende 2023 an den ultra-niedrigen Zinsen nahe null Prozent nichts ändern werde. Das FedWatch-Tool des Terminbörsenbetreibers CME Group spricht diesbezüglich eine eindeutige Sprache, schließlich wird für die kommenden vier Sitzungen der US-Notenbank Fed (bis einschließlich 22. September 2021) eine Wahrscheinlichkeit von 100 Prozent angezeigt, dass die Fed Funds auf dem aktuellen Niveau von 0 bis 25 Basispunkte verharren werden.

Eine Währung, die keine Zinsen bietet, wird für Kapitalanleger verständlicherweise unattraktiv. Außerdem gefährden extrem niedrige Zinsen nahe null Prozent eine besonders wichtige Geldfunktion. Als Wertaufbewahrungsmittel eignen sich derzeit weder Dollar noch Euro, da die Inflation Jahr für Jahr eine mehr oder weniger starke Geldentwertung verursacht.

Dass sich dieser Belastungsfaktor bislang nicht auf die Preise der US-Staatsanleihen negativ ausgewirkt hat, ist vor allem auf die Käufe der Fed zurückzuführen. Aktuell werden in den USA auf diese Weise 120 Milliarden Dollar an Steuergeldern „investiert“.

Zum Vergleich: 120 Milliarden Dollar entsprechen bei einem Goldpreis von bspw. 1.800 Dollar einer Goldmenge von 2.073 Tonnen – wohlgemerkt pro Monat. Allein der gesunde Menschenverstand legt daher die folgende Frage nahe:

Wenn Geldmengen förmlich explodieren, sollte man dann nicht lieber auf etwas setzen, das sich nicht unbegrenzt vermehren lässt? Die starke Performance von Gold und Bitcoin liefern derzeit eine klare Antwort.

Negative Korrelation zwischen Dollar und Gold

Für europäische Goldbesitzer bringt ein schwacher Dollar häufig währungsbedingte Performancenachteile mit sich, weil der Goldpreis an den Weltmärkten in Dollar gehandelt wird.

Das heißt: In Phasen einer markanten Dollarschwäche bzw. Eurostärke erzielen, schlägt eine entsprechende Underperformance zu Buche. So hat sich allein in den vergangenen sechs Monaten im Zuge der markanten Dollarschwäche der Goldpreis auf Dollarbasis um acht Prozent verteuert, während er in Euro gerechnet mit minus einem Prozent leicht an Wert verloren hat (siehe Tabelle).

Goldperformance im Vergleich

Währung 1 Monat 3 Monate 6 Monate 2020
US-Dollar 0,5 % -1,7 % 7,8 % 23,9 %
Euro -2,2 % -5,0 % -1,0 % 14,1 %
Stand:21.12.2020

Per se sollte ein schwacher Dollar aber nicht zu negativ gesehen werden, schließlich gilt zwischen Dollar und Gold normalerweise eine negative Korrelation.

Soll heißen: Geht es mit dem Dollar bergab (bergauf), führt dies meist zu einem steigenden (fallenden) Goldpreis. Der Reflex scheint nachvollziehbar zu sein, da sich US-Anleger durch verstärkte Goldinvestments vor einem schwachen Dollar schützen möchten. Da jede ungedeckte Währung (Fiat-Geld) ein hohes Maß an Vertrauen erfordert, sollte man blindes Vertrauen unbedingt vermeiden und deshalb auch auf Währungen mit Substanz vertrauen.

Global handelbares Gold dürfte den meisten Anlegern als altbewährte Krisenwährung diesbezüglich wohl als erstes einfallen.

Ausblick für die laufende Woche

In den kommenden Handelstagen dürfte es aufgrund der Weihnachtsfeiertage ruhiger werden, zumindest bei den Umsätzen. Ob davon auch die Kursbewegungen betroffen sein werden, bleibt abzuwarten.

Zuletzt feierte der Goldpreis an den Finanzmärkten ein kleines Comeback, während der von so manchem Berichterstatter bereits zum „digitalen Gold“ geadelten Bitcoin ganz groß in Erscheinung trat.

29 Prozent in einem Monat und 220 Prozent seit dem Jahreswechsel belegt vor allem zwei Dinge: eine starke Verunsicherung der Investoren sowie ein ausgeprägtes Schutzbedürfnis der Anleger.

An der „Konjunkturfront“ dürfte es relativ ruhig werden, wenngleich jenseits des Atlantiks noch an Heiligabend wichtige Daten zur Bescherung anstehen. Neben den wöchentlichen Erstanträgen auf US-Arbeitslosenhilfe dürfte vor allem der Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter für erhöhte Spannung sorgen.

Laut einer von Trading Economics veröffentlichten Umfrage unter Analysten soll sich im November das Wachstum von 1,3 Prozent (Oktober) auf 0,6 Prozent verlangsamt haben.

Autor: Jörg Bernhard
Freier Wirtschaftsjournalist
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von Alios | 04.01.2021, 15:57 Antworten

Hallo. Ich kaufe Bitcoin. Rhodium und Palladium.
Es ist nicht fix, dass Gold steigt. Gold kann auch je Oh auf 1000 USD fallen ...
Also kauft euch Rhodium. nicht Gold. Ein Kg Rhodium. kostet Ca. 440.000 Euro.
Rhodium ist von. 2016. von ca 800 €. auf jetzt. 14400 €. gestiegen...
mfg. Alois.

von Wahrheit | 25.12.2020, 22:07 Antworten

Ein Investment in Bitcoin ist auch eine Wette gegen die Zentralbanken. Irgendwann könnte eine Intervention erfolgen.

von Blüh im Glanze | 22.12.2020, 13:05 Antworten

dieses Lock... äh... Goldes.
Immer schön nachkaufen. EZB vergeben, FED verschenkt.

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