Stand: 17.12.2019 von Jörg Bernhard 13 Kommentare

In den beiden wichtigsten Volkswirtschaften der Welt fiel die November-Inflationsrate höher als erwartet aus. Während die chinesische Teuerung bei 4,5 Prozent p.a. lag, kletterte die US-Inflation auf 2,1 Prozent p.a.

Beschleunigte Inflation in China und in den USA

Laut einer von Trading Economics veröffentlichten Umfrage unter Analysten lagen die Prognosen für China bei durchschnittlich 4,2 Prozent und für die USA bei 2,0 Prozent. Im Reich der Mitte waren die aufgrund der afrikanischen Schweinegrippe deutlich gestiegenen Fleischpreise (plus 110 Prozent) für die höchste Teuerungsrate seit Januar 2012 verantwortlich gemacht worden.

Jenseits des Atlantiks stellte die aktuelle Inflationsrate immerhin den höchsten Wert seit November 2018 dar. Mit über zwei Prozent wurde das seit Jahren von der Fed kommunizierte Wunschziel leicht übertroffen. Die Notwendigkeit, deshalb die Zinsen zu senken, wäre somit erst einmal vom Tisch. In der Sitzung am vergangenen Mittwoch haben die US-Notenbanker bereits signalisiert, im kommenden Jahr keine Zinsveränderungen zu planen.

Ein „Hintertürchen“ hält sich Fed-Chef Jerome Powell allerdings weiterhin offen. Zinserhöhungen wären möglich, wenn die Inflation deutlich steigen würde. 

Zur Erinnerung: In China und in den USA bewegen sich die Teuerungsraten mittlerweile auf dem höchsten Stand des Jahres (siehe Tabelle).  In den vergangenen Tagen haben beide Länder im Handelsstreit zwar eine Teileinigung verkündet, sollte sich der Konflikt zwischen den USA und China – aus welchen Gründen auch immer – wieder verschärfen, könnten noch mehr Sonderzölle durchaus zu einer beschleunigten Geldentwertung führen. 

Inflation im November

Land (p.a.) Nov.-19 Jahrestief Jahreshoch
Deutschland 1,1 % 1,1 % 2 %
Frankreich  1,0 % 0,8 % 1,3 %
Italien 0,4 % 0,2 % 1,1 %
Eurozone 1,0 % 0,7 % 1,7 %
Russland 3,5 % 3,5 % 5,3 %
Spanien 0,4 % 0,1 % 1,5 %
Indien  5,54 % 1,97 % 5,54 %
China 4,5 % 1,5 % 4,5 %
USA 2,1 % 1,5 % 2,1 %
Quelle: Trading Economics

Gegenwärtig kündigten allerdings beide Regierungen an, bisher geltende Zölle massiv zu reduzieren bzw. auszusetzen. In der Kapitalmarktlehre gilt eine hohe Inflation bzw. negative Realzinsen (inflationsbereinigte Renditen) als Kaufargument für Gold. In der Vergangenheit galt das gelbe Edelmetall schon immer als wirksamer Inflationsschutz. Daran dürfte sich auch in Zukunft wenig ändern.

Magere Inflationsrate in Deutschland

In Deutschland scheint sich die Inflation ähnlich lethargisch zu bewegen wie die Konjunktur. So meldete am vergangenen Donnerstag das Statistische Bundesamt für den Monat November eine Inflation von lediglich 1,1 Prozent p.a. und erfüllte damit exakt die Prognosen der Analysten.

Weil sich auch die Europäische Zentralbank (EZB) eine Wunschinflation von knapp zwei Prozent auf die Fahnen geschrieben hat, könnte sie geneigt sein, diese durch eine noch expansivere Geldpolitik nach oben zu treiben. Da wir bei den Leitzinsen bereits seit März 2016 bei null Prozent angelangt sind, fällt das Rezept Zinssenkung allerdings aus.

Aber irgendetwas wird den „Währungshütern“ schon einfallen, um den Euro stärker zu entwerten. In diesem Punkt hat man als Goldbesitzer guten Grund, optimistisch zu sein. 

Ausblick für die laufende Woche

Deutsche Edelmetallhändler berichten von einem deutlich gestiegenen Nachfrageinteresse nach Gold und Silber in physischer Form. Hierfür dürften zwei Faktoren eine große Rolle spielen. 

  • Erstens: In der Vorweihnachtszeit gab es auch in der Vergangenheit regelmäßig markante Umsatzzuwächse zu beobachten. Laut Statistischem Bundesamt erhalten im Jahr 2019 ungefähr 87 Prozent der Beschäftigten mit Tarifvertrag Weihnachtsgeld, welches im Durchschnitt bei 2.632 Euro liegt. Hierfür könnte man fast zwei Unzen Gold erwerben, entweder um seinen Lieben eine Freude zu bereiten oder aus Eigennutz Vermögensschutz zu betreiben.

  • Als zweiter Grund für das Anziehen der Edelmetallumsätze dürfte aber vor allem die von der Bundesregierung beschlossene Absenkung der Bargeldgrenze von 10.000 auf 2.000 Euro fungieren, die ab 01. Januar 2020 greifen wird. Aber auch in anderen Ländern besinnen sich immer mehr besorgte Anleger auf wahre und bewährte Werte wie Gold.

Laut Medienberichten haben zum Beispiel die Briten im Angesicht des Brexit-Risikos im vergangenen Quartal australisches Gold im Wert von 5,3 Milliarden Dollar gekauft, so viel wie noch nie!

Wer weiß, vielleicht wird hierzulande der eine oder andere Goldkäufer der Bundesregierung in einigen Jahren für die Absenkung der Bargeldgrenze und den dadurch ausgelösten Kaufimpuls dankbar sein.

Kaiser Franz würde da wohl sagen: „Schaun mer mal.“
Gold: Inflation wieder auf dem Vormarsch
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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von der deutsche Michel | 25.12.2019, 19:31 Antworten

Fritzthecat hat wohl zu viel Tagesschau gesehen , da wird einen so ein Mist wöchentlich serviert . Nur ein Beispiel , wenn ich 2018 bei Aldi 2 paar Wiener für 1,85 Euro bezahlen musste und ich 2019 dafür 2,70 Euro berappen muss dann sind das nicht um die 1 % Inflation.Und noch eins Ich Wohne nicht weit weg von der Grenze zu Österreich -Kufstein und da ist es bei Hofer ( Österreichischer Aldi ) alles etwas billiger !!!! Und Tanken zb . Super ca 20 Cent.

1 Antwort an der deutsche Michel anzeigen
von steve | 22.12.2019, 00:02 Antworten

Zwei Unzen Gold vom Weihnachtsgeld? In welcher Welt lebt der Autor?
Wir in Deutschland müssen unseren Lohn versteuern....

von Fritzthecat | 17.12.2019, 17:41 Antworten

Leute, ich weiß, ich lege jetzt den Finger in die Wunde, aber:
Die gefühlte Inflation ist immer höher als die reale.
Nahrungsmittel in Deutschland sind im Schnitt mit die billigsten der Welt.
Elektronische Geräte, werden immer noch billiger.
Sprit ist Inflationsbereinigt eher günstiger als vor 20 Jahren, trotz Steuererhöhungen.
Bei Assets gebe ich Recht, die sind überproportional gestiegen. Aber kauft auch nicht jeder ein Haus, einen Barren Gold, und investiert in Dax.

4 Antworten an Fritzthecat anzeigen
von Commander Crash | 17.12.2019, 12:45 Antworten

Meine Strom- / Wasser- / Versicherungs- / Schornsteinfegerrechnungen weisen eine andere Inflation auf. Demnächst vermutlich noch Grundsteuererhöhung... Wie sieht es bei Ihnen aus, Herr Bernhard?

2 Antworten an Commander Crash anzeigen
von Thomas Richter | 17.12.2019, 13:59 Antworten

Schweinebraten im Angebot, rund 33 % teurer geworden.
Cola ist um 15 % teurer geworden.
Nudeln sind diesen Monat auch 15 % teurer geworden.

Nein, wir haben natürlich nur eine Mini-Inflation von etwa 1 %.

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