Stand: 15.12.2016 von Egmond Haidt 4 Kommentare

Die drei führenden Notenbanken der Welt drucken umgerechnet rund 200 Mrd. Dollar pro Monat. Das kann das massive weltweite Schuldenproblem aber nicht lösen, sondern verschlimmert es nur immer weiter. Je stärker und je länger das Gelddrucken betrieben wird, umso besser werden aber die mittel- und langfristigen Aussichten für Gold.

Die EZB euphorisiert die Börse: Der DAX ist auf das höchste Niveau seit November 2015 nach oben geschossen. Das könnte manchen Anleger überraschen, immerhin wird die EZB ihr Anleihenkaufprogramm ab April 2017 von monatlich 80 Mrd. Euro auf 60 Mrd. drosseln. Würde die EZB nicht mehr ganz so viel Geld wie bislang drucken, würde das etwas weniger Rückenwind für den DAX bedeuten. Die EZB geht aber nur auf den ersten Blick ein wenig vom Gas. Tatsächlich gibt sie fast genau so viel Gas wie bislang auch schon. Denn EZB-Chef Mario Draghi wird künftig Geld aus alten, auslaufenden Anleihen aus dem Programm nutzen, um es in neue Anleihen zu investieren. 

Die Rechnung sieht wie folgt aus: Der Anleihenbestand der EZB liegt bei 1,5 Billionen Euro, davon sind 1,2 Billionen Staatsanleihen. Letztere haben eine durchschnittliche Laufzeit von 8,4 Jahren. Demnach schichtet die EZB rund 142,9 Mrd. Euro pro Jahr um – das entspricht 12,9 Mrd. Euro pro Monat. Inklusive der restlichen Papiere, wie Pfandbriefe und Unternehmensanleihen, summiert sich der Wert auf rund 15 Mrd. Euro pro Monat. 

Inklusive der „offiziellen“ Käufe von 60 Mrd. wird die EZB künftig also rund 75 Mrd. Euro pro Monat drucken. Das sind horrende 900 Mrd. Euro pro Jahr, weshalb vom Einstieg in den Ausstieg der ultra lockeren Geldpolitik entgegen der Behauptung etlicher Experten keineswegs gesprochen werden kann.

Es gibt kein Zurück aus dem Gelddrucken

EZB-Chef Mario Draghi hat offen gesagt, dass er an eine richtige Drosselung des Programms in keinster Weise denkt. Vielmehr werde das Programm gegebenenfalls aufgestockt und über Ende 2017 hinaus verlängert. Aus derartigen Programmen gibt es tatsächlich keinen Ausstieg: Was würde denn passieren, wenn die EZB das Programm allmählich drosseln und es irgendwann auslaufen lassen würde? Denn wäre die Staatsschuldenkrise in der Euro-Zone ganz schnell wieder da. 

Zur Erinnerung: Italien hat 2,25 Billionen Euro Schulden – das sind horrende 135,5 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Nur wegen der massiven Käufe der EZB liegen die Zinsen für zehnjährige italienische Anleihen bei mickrigen 1,8 Prozent und damit deutlich unter dem Niveau der Zinsen für zehnjährige US-Anleihen, die trotz einer Staatsverschuldung von „nur“ 107 Prozent der Wirtschaftsleistung bei 2,5 Prozent liegen. Das Problem ist, dass Italien nur die Spitze des Eisbergs ist, und es noch etliche andere Länder gibt, die ebenfalls ganz tief im Schuldensumpf stecken. So liegen die Schulden Portugals bei 239,8 Mrd. Euro (131,7 Prozent) und Frankreichs bei 2,17 Billionen (98,2 Prozent) und Spanien bei 1,11 Billionen (100,5 Prozent). 

Wie soll die EZB angesichts dieser Zahlen jemals aus dem Gelddrucken aussteigen? Das wird Draghi niemals freiwillig tun, sondern nur dann, wenn ihn der Finanzmarkt dazu zwingt, - sprich wenn der Euro kollabieren sollte. Derweil wird die Bilanzsumme der EZB von Rekord zu Rekord eilen. Zuletzt war sie auf 3,59 Billionen Euro geklettert.

US-Geldmenge wächst um eine Billion Dollar pro Jahr

Verschärft wird das Problem dadurch, dass auch die USA ganz tief im Schuldensumpf steckt, weshalb die US-Notenbank weiter kräftig Geld druckt. Zwar wächst ihre Bilanzsumme nicht mehr, sondern liegt stabil bei 4,45 Billionen Dollar. Allerdings druckt auch die Fed weiterhin kräftig Geld, denn auch sie tauscht alte, auslaufende Anleihen in neue um und druckt dabei rund 48 Mrd. Dollar pro Monat, wie Sie unter diesem Link des amerikanischen Vermögensverwalters Sprott Asset Management nachlesen können. 

Die Folge: eine enorme Geldschwemme in den USA. So schießt die Geldmenge derzeit um 7,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr nach oben. Damit steigt die Geldmenge um rund eine Billion Dollar pro Jahr. Eine Billion Dollar!

Paradoxe Welt: Viel mehr neue Schulden treiben den Dollar nach oben

Dennoch ist der Dollar in den vergangenen Monaten stark gestiegen, weil Investoren darauf setzen, dass der designierte US-Präsident Donald Trump in den nächsten Jahren massiv Schulden machen wird und damit die Wirtschaft ankurbeln und so die Inflation anheizen wird. Deswegen flüchten Investoren aus US-Staatsanleihen, woraufhin die Zinsen nach oben schießen und damit den Dollar mit nach oben ziehen. 

Obwohl die Fed also pro Jahr knapp 600 Mrd. Dollar druckt, woraufhin die US-Geldmenge um eine Billion Dollar steigt, steigt der Dollar gegenüber dem Euro kräftig, weil Draghi noch viel mehr Geld druckt, obwohl die Wirtschaft der Euro-Zone mit 10,6 Billionen Euro (11,2 Billionen Dollar) viel kleiner ist als die US-Wirtschaft mit rund 18,5 Billionen Dollar.

Steigende Zinsen und steigender Dollar belasten US-Wirtschaft enorm

Die Frage ist nur, wie lange die Rally beim Dollar noch weiter geht. Denn wenn es beim Dollar zu einer Kehrtwende nach unten, gerade gegenüber dem Yen kommen sollte, wird der Carry Trade aufgelöst, woraufhin der Goldpreis Rückenwind bekommen sollte. Das können Sie anhand dieser Charts verfolgen und in dem Beitrag „Edelmetalle und Edelmetallaktien sind die einzig günstigen Investments“ nachlesen. 

Kurzfristig könnte der Dollar zwar noch stärker werden. Das belastet die US-Wirtschaft, werden doch US-Produkte im Ausland teurer, während ausländische Produkte in den USA billiger werden. Damit bekommt die US-Wirtschaft zusätzlichen Gegenwind, dabei bekommt sie bereits die stark steigenden Zinsen deutlich zu spüren. Sie sind für eine so hoch verschuldete Wirtschaft, wie die US-Wirtschaft, eine enorme Belastung. So waren die Schulden des privaten Sektors, also von privaten Haushalten und Unternehmen außerhalb des Finanzbereichs, Ende September auf den Rekord von 47,0 Billionen Dollar geklettert. Das ist ein Anstieg um horrende 2,6 Billionen Dollar innerhalb von zwölf Monaten. Damit steht der private Sektor mit 252 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in der Kreide – ein bedenklich hoher Wert. Ein Zinsanstieg selbst um mickrige 100 Basispunkte (einen Prozentpunkt) wäre eine enorme Belastung. 

Angesichts derartiger Zahlen kann US-Notenbankchefin Janet Yellen einen nachhaltigen Zinsanstieg nicht zulassen. Zwar kann Yellen im kommenden Jahr bei jeder Gelegenheit behaupten, dass die nächste Zinserhöhung quasi hinter der nächsten Ecke sei. Tatsächlich sind Yellen aber die Hände gebunden. Wenn das den Investoren allmählich klar werden sollte, könnte es bei den Zinsen wieder eine Kehrtwende nach unten geben, was für einen deutlichen Rückgang beim Dollar sorgen würde. Das dürfte den Goldpreis erheblich beflügeln.

Gold sorgt für langfristigen Werterhalt

Zwar treibt das massive Gelddrucken der EZB, der japanischen Notenbank und der US-Notenbank die weltweiten Börsen kurzfristig nach oben. Eher früher als später sollte der Dollar aber wieder den Rückwärtsgang einlegen, womit der Goldpreis kräftig Rückenwind bekommen sollte. 

Trotz des Kursrückgangs gegenüber dem Rekordhoch vom September 2011 hat das Gold Anleger hervorragend gegen das massive Gelddrucken geschützt. Gegenüber dem Start des ersten Gelddruckprogramms in den USA im Dezember 2008 ist der Goldpreis – trotz des jüngsten Rückgangs - um mehr als 30 Prozent gestiegen. 

Und wie sieht es in der Euro-Zone aus, war die EZB doch im März 2015 dem „Vorbild“ der US-Notenbank gefolgt und hatte mit dem Gelddrucken begonnen? Mit rund 1.085 Euro je Unze liegt der Goldpreis aktuell auf dem gleichen Niveau wie damals. Sollte der Euro in den nächsten Monaten weiter kräftig abwerten und unter die Parität rutschen, also ein Euro weniger wert sein als ein Dollar, - was zu befürchten ist -. dürfte Gold einmal mehr die Kaufkraft der hiesigen Anleger erhalten. 

Anleger sollten sich daher von dem jüngsten Kursrückgang bei Gold nicht verunsichern lassen, sondern nach einer Beruhigung beim Goldpreis ihre Bestände weiter aufstocken. Langfristig gibt es kein besseres Investment gegen das irrwitzige Gelddrucken der Notenbanken, das die Inflation stark anheizt.

Gold: Inflationsschutz gegen Geldentwertung
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [4]
  • von Markus | 15.12.2016, 19:15 Antworten

    Gold ist das ideale Instrument um den Wert seines Vermögens zu Schützen! Da stimme ich dem Artikelschreiber zu. Jedoch hat er leider gravierend unvorteilhafte Beispiele genannt.

    "Und wie sieht es in der Euro-Zone aus, war die EZB doch im März 2015 dem „Vorbild“ der US-Notenbank gefolgt und hatte mit dem Gelddrucken begonnen? Mit rund 1.085 Euro je Unze liegt der Goldpreis aktuell auf dem gleichen Niveau wie damals. "

    Es gab zwar keine gravierende Inflation und zum Glück keine Hyperinflation aber es gab eine Inflation. Stelle sich einer vor wir würden in unserem Girokonto 0,5% Strafzinsen bezahlen? Da wär der Aufschrei gigantisch. Aber bei Gold heißt es dann "Werterhalt"? Hier hat der Artikelschreiber einfach einen unglücklichen Zeitpunkt gewählt.

    "Trotz des Kursrückgangs gegenüber dem Rekordhoch vom September 2011 hat das Gold Anleger hervorragend gegen das massive Gelddrucken geschützt. Gegenüber dem Start des ersten Gelddruckprogramms in den USA im Dezember 2008 ist der Goldpreis – trotz des jüngsten Rückgangs - um mehr als 30 Prozent gestiegen. "

    Ich will kein spielverderber sein aber wer im Jahr 2008 einen Anlagehorizont von ca. 10 Jahre hatte wäre mit Aktien besser bedient gewesen. Die lachen da über 30%. Aber wie gesagt. Man steckt nicht sein ganzen Geld in Gold aber das was in Gold investiert wurde soll geschützt sein und langfristig ist das mit Gold auf jedenfall möglich.

    • von GOLSIEexfan | 17.12.2016, 14:55 Antworten

      Ich habe kein Vertrauen mehr in Gold und Silber !!! Trotz diesen Artikels mit dem Geld drucken im Billionen bereich und unausweichlicher MEGA Staatsverschuldung die ungebremst wächst hat GOLD zu mächtige Gegner ............. Es müsste eben längst reagiert haben und beständig steigen ........... und dann kommt ein Verbot oder das was jetzt Indien oder China macht . ne ne ich geh wieder raus sobald Gold bei 1250€ und Silber bei 20 € ............

  • von Wolfgang M Brezina | 17.12.2016, 15:19 Antworten

    Bei der Jahren wird von der USA , Europa und anderen Staaten Wachstum auf Schulden basierend erzeugt! Dieses Verhalten wird "zwangsläufig " zur nächsten Währungsreform führen!!!! Gibt es schon eine Prognose für dieses Szenario ????
    Jedenfalls sollte man sich für diesen GAU mit Gold bevorraten???

  • von Ingo | 21.12.2016, 16:42 Antworten

    Die massive Erhöhung der Geldmengen ist letztlich Diebstahl am Bürger - nur eben staatlich legetimiert und daher legal. Da nur wenige das ganze Spiel durchschauen und die Masse durch ganz andere Nachrichten beschäftigt wird, gibt es leider kaum Widerstand und so geht es lustig munter weiter. Denn die Regierungen in EU, Japan und USA profitieren ja davon: Sie brauchen nicht zu lernen, wie man mit Geld gut haushaltet und dabei noch vernünftige Politik betreibt. Mit Draghis Geld ist alles so wunderbar. Mit solider Poltitik hat das alles nichts mehr zu tun. Das Perfide ist: Da die Börsen steigen und die Inflation trotz allem niedrig ausfällt (weil durch die Geldpolititk eine ebenso schädliche und eigentlich fällige Rezession verhindert wird), sieht alles ganz wunderbar aus. Die hohen Schuldenzahlen schocken da nur ganz wenige, da sich die Meisten das Volumen kaum vorstellen können. Dieses Spiel kann noch eine ganze Weile so gehen. Und der Goldkäufer wird sich falsch beraten fühlen, weil derzeit diejenigen, die auf Aktion und Co. setzen im derzeitigen Geldrausch die Gewinner sind. Doch ganz am Ende wird abgerechnet. Wann das Ende ist, kann niemand sagen. Nur wenn dann einer sagt: Das hätten wir ja nicht wissen können! Dann lügt er sich etwas vor. Doch die Erfahrung zeigt: er kommt damit vermutlich wieder einmal durch. Daher wirkt Gold als Verlierer. Doch wer noch ein wenig zu leben hat und nicht das Gold verwenden möchte, um schnell Gewinne zu machen, der setzt bei Gold und bedingt auch bei Silber auf das richtige Pferd.

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