Stand: 27.08.2018 von Egmond Haidt 3 Kommentare

Viele Anleger schauen vor allem auf die Türkei-Krise mit dem Kollaps der Lira. Dabei ist das Problem viel größer, weshalb es in den nächsten Quartalen die Weltwirtschaft deutlich belasten dürfte. Trotz dieses Risikos notiert der S&P500 in der Nähe des Rekordhochs, während der Goldpreis am 19-Monats-Tief liegt.

Nach einer kleinen Erholung ist es beim Goldpreis gleich wieder abwärts gegangen. Damit liegt er auf dem Niveau vom Januar 2017. Für Gegenwind sorgte zuletzt einmal mehr der Dollar, der gegenüber dem chinesischen Renminbi gestiegen ist. Hingegen hat die Veröffentlichung des Protokolls der Sitzung der US-Notenbank keine Kursausschläge bei der Notierung des Edelmetalls verursacht. Die Fed hat erneut bekräftigt, dass sie ihren Kurs der graduellen Zinserhöhungen fortsetzen will.

Schere zwischen US-Aktienmarkt und dem Rest der Welt geht auseinander

Manche Experten zweifeln allerdings, ob die US-Notenbank (Fed) ihre Pläne, gerade im nächsten Jahr in die Tat umsetzen wird können, immerhin gibt es eine Menge Risiken für die Weltwirtschaft und damit den weltweiten Aktienmarkt, wie der Handelskrieg zwischen den USA und China, der Türkei-Krise und der Währungskrise in den Emerging Markets.

Das spiegelt der weltweite Aktienmarkt zusehends wider. Zwar ist der S&P500 zuletzt kurz auf neue Rekordhochs geklettert, weil Investoren darauf setzen, dass die US-Wirtschaft einen Handelskrieg viel besser überstehen werde als exportabhängige Volkswirtschaften, wie China oder Deutschland.

Allerdings ist der Aktienmarkt außerhalb der USA gemessen am MSCI All Country World Index ex US deutlich im Rückwärtsgang und liegt um 11,5 Prozent unter dem Mehr-Jahres-Hoch vom 26. Januar. Das liegt allerdings nicht zuletzt daran, dass der Index auf Dollar-Basis berechnet wird, weshalb der Anstieg des Dollar gegenüber vielen Währungen den Index nach unten drückt. Dennoch warnen etliche Experten vor dieser Entwicklung.

„Dass der globale Aktienmarkt aktuell nicht mehr in voller Breite von allen Weltregionen getragen wird, sondern nur noch von einem einzigen Hauptmarkt, ist ein klarer Risikofaktor und spricht nicht für die Nachhaltigkeit der ohnehin schon fragilen Hausse“, schrieb Eduard Baitinger, Anlagestratege der FERI Gruppe zuletzt.
„Sind die Börsen vor einem Jahr noch weltweit im gleichen Tempo vorangeschritten, haben sich mittlerweile die USA und dort auch nur relativ wenige Unternehmen, vom Feld abgesetzt und die alleinige Führung übernommen. Solche Divergenzen sind auf Dauer nicht durchzuhalten. Vielmehr dürften sich die US-Märkte mittelfristig an die schwache Entwicklung der anderen Weltregionen anpassen“, so Baitinger.

Dollar-Schulden der Emerging Markets schießen nach oben

Während vielen Investoren die Risiken des Handelskriegs und der Türkei-Krise zusehends klar werden, unterschätzen meiner Meinung nach viele Anleger die Währungskrise in den Emerging Markets. Dabei stellt sie ein erhebliches Risiko für die Weltwirtschaft und damit den weltweiten Aktienmarkt dar, zumal sich die Krise weiter verschärfen dürfte. Laut den Zahlen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) sind die Dollar-Schulden der Emerging Markets im ersten Quartal auf den Rekord von 3,7 Billionen Dollar gestiegen.

So haben der argentinische Peso, der brasilianische Real, oder der südafrikanische Rand in den vergangenen Monaten kräftig gegenüber dem Dollar und dem Euro abgewertet. Das bringt die dortigen Schuldner, grade die hochverschuldeten Unternehmen, in enorme Schwierigkeiten, müssen doch die Firmen immer mehr Geld in heimischer Währung aufwänden, um ihre Dollar-Kredite zu bedienen. Das belastet die dortigen Volkswirtschaften schwer, fehlt doch das Geld für Investitionen oder höhere Löhne.

Zur Erinnerung: seit Jahresanfang ist der brasilianische Real um 18 Prozent gegenüber dem Dollar eingebrochen, womit ein Niveau von 4,05 Real je Dollar erreicht worden ist. Damit rückt das Rekordtief von knapp unter 4,20 Real je Dollar vom September 2015 rapide näher. Gleichzeitig heizt der sinkende Real die Inflation an, was die Nachfrage von Verbrauchern und Unternehmen kräftig dämpft. Für mich ist es daher nur eine Frage der Zeit, bis Brasilien und etliche der anderen Länder in die Rezession abrutschen werden.

Brasilien im Auge behalten

Die Analysten der Bank of America haben schon vor Monaten geschrieben, dass ein Bruch der Marke von 4 Real je Dollar der wichtigste Indikator für die Krise in den Emerging Markets sei. Während viele Investoren die Entwicklung in der Türkei beobachten, gilt es meiner Meinung nach viel mehr jene in Brasilien im Auge zu haben. Mit einer Wirtschaftsleistung von umgerechnet 2,1 Billionen Dollar war das Land im vergangenen Jahr die drittgrößte Volkswirtschaft der Emerging Markets hinter China und Indien.

Der Real dürfte in den nächsten Wochen vor der Wahl in Brasilien am 7. und 28. Oktober weiter sinken, liegt doch der ehemalige Präsident Luiz Inacio Lula da Silva, der wegen Korruption verurteilt ist, in Umfragen meilenweit vorne.

Auch wenn er bei der Wahl nicht selbst antreten dürfte, dürfte sein Ersatzmann, der ehemalige Bürgermeister von Sao Paulo Fernando Haddad, versuchen, Lulas Pläne umzusetzen und damit die zaghaften Reformen zurückdrehen, die die derzeitige Regierung nur auf Druck des Finanzmarkts durchgeführt hat. Je besser Lulas Umfragewerte sein sollten, umso mehr dürfte der Real auf Talfahrt sein.

Ich gehe davon aus, dass der Handelskrieg zwischen den USA und China weiter eskalieren wird und sich gerade die Währungskrise in den Emerging Markets weiter deutlich verschärfen wird. Die nächsten Monate werden zeigen, wie sich Gold in dem Umfeld entwickeln wird.

Investoren unterschätzen Währungskrise in den Emerging Markets
Egmond Haidt - Nach der Bankausbildung und dem BWL-Studium begann Egmond Haidt im Jahr 2000 als Redakteur bei BÖRSE ONLINE. Seit dem Verkauf von BÖRSE ONLINE an den Finanzen Verlag im Januar 2013 arbeitet Egmond als freier Finanzjournalist und schreibt über Themen wie Wirtschaft, Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Seit der 2008er-Schuldenkrise beschäftigt er sich intensiv mit dem Thema Gold.
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Kommentare [3]
  • von Anton | 28.08.2018, 13:18 Antworten

    Manchmal werden ältere Artikel ein wenig rausgeputzt (oder angepasst) und neu veröffentlicht. Das ist an sich nicht schlimm, wenn es gut gemacht wird und alle Werte angepasst werden.
    Bei der Gelegenheit könnten auch Schreibfehler gleich eliminiert werden, so man denn Zeit dafür "aufwanden" möchte.

  • von Alfred | 27.08.2018, 22:10 Antworten

    Wann hat Herr Haidt diesen Artikel verfasst? Kommt mir sehr altbacken vor, da der brasilianische Real aktuell bei 4,75!!! notiert und schon seit Monaten fällt (gegenüber Dollar und Euro).

    •   Gold.de - Redaktion | 29.08.2018, 06:47 Antworten

      Die Aussagen von Herrn Haidt sind richtig. Am 27.08 stand der Real bei 4,074 Dollar (und nicht 4,75). Womöglich haben Sie eine "0" vergessen? Dass der Real schon länger gegenüber dem Dollar fällt ist richtig, wie auch Herr Haidt schon schrieb.

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