Stand: 12.11.2018 von Jörg Bernhard 1 Kommentare

Anfang des Monats wurden die Ergebnisse des dritten EU-weiten Bankenstresstests veröffentlicht. In der vergangenen Woche erfuhr die Öffentlichkeit, dass der Italiener Andrea Enria ab 2019 neuer Chef der EZB-Bankenaufsicht werden soll. Letzteres stimmt nicht gerade zuversichtlich.

Italien: Desolate Schuldenlage

Am vergangenen Mittwoch hat der EZB-Rat den derzeitigen Chef der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA als Nachfolger der bisherigen Chefin Danièle Nouy nominiert. Zur Wahl stand auch Sharon Donnery, Vize-Chefin der irischen Notenbank. Nun muss diese Personalie noch vom Europaparlament und von den EU-Regierungschefs abgesegnet werden. Damit kommt der künftige Chefaufseher aus dem Land, das in Sachen Bankenstabilität und Haushaltspolitik alles andere als „Musterknabe“ agiert.

Nur zur Erinnerung:

Die neue italienische Regierung will im kommenden Jahr die Neuverschuldung von den ursprünglich vereinbarten 0,8 Prozent auf 2,4 Prozent des Bruttosozialprodukts erhöhen, um die bei der Wahl versprochenen Wohltaten für die Bevölkerung zu finanzieren. Wegen des europaweit besonders hohen Schuldenbergs von mehr als 130 Prozent der Wirtschaftsleistung wird die neue Schuldenpolitik der Italiener vom Rest Europas stark kritisiert.

Auch die italienischen Banken gelten als besonders marode, was sich an der relativ hohen Quote fauler Kredite ablesen lässt. Diese beläuft sich auf 10,8 Prozent. Noch miserabler stehen lediglich die Banken in Griechenland (45,3 Prozent), Zypern (38,9 Prozent) und Portugal (13,6 Prozent) da.

Zum Vergleich: Um einiges gesünder sehen in diesem Punkt die Bilanzen der Banken in Großbritannien (1,5 Prozent), Deutschland (1,7 Prozent) und in den Niederlanden (2,2 Prozent) aus. Da Italiens Wirtschaft innerhalb der Eurozone die drittstärkste Wirtschaft repräsentiert, dürfte jedem klar sein, dass ein Finanz-Kollaps Italiens für die diversen europäischen Rettungsfonds einige Nummern zu groß sein dürfte.

Sollte das Worst-Case-Szenario tatsächlich eintreten, werden sich höchstwahrscheinlich viele Europäer wieder an eine in den vergangenen Jahren in Vergessenheit geratene Währungsalternative erinnern: Gold.

WGC meldet globale ETF-Goldzuflüsse

Erste Umschichtungen in Gold scheinen bereits begonnen zu haben. Darauf deuten die vom World Gold Council in der vergangenen Woche veröffentlichten Daten über die globalen Zuflüsse von Gold-ETFs hin.

Im Zuge der Turbulenzen der Aktienmärkte im Oktober meldete der WGC für diesen Monat Zuflüsse im Volumen von 16,6 Tonnen, wobei vor allem in Nordamerika (plus 12,4 Tonnen) und Europa (plus 10,5 Tonnen) der stärkste Goldappetit registriert worden war. Besonders aussagekräftig wird allerdings ein Blick auf die Entwicklung seit dem Jahreswechsel.

Hier stellt sich die Stimmungslage nämlich sehr konträr dar, schließlich verbuchte Nordamerika in den ersten zehn Monaten Goldabflüsse in Höhe von 58,1 Tonnen, während in Europa im selben Zeitraum Zuflüsse im Volumen von 48,2 Tonnen registriert wurden.

Als Gründe hierfür drängen sich vor allem zwei Problemherde auf: Italiens Schulden und Großbritanniens Brexit.

Ausblick für die laufende Woche

Die Inflation ist auf dem Vormarsch – in manchen Ländern mehr, in anderen eher weniger. In der vergangenen Woche meldete die Türkei zum Beispiel für Oktober eine Inflationsrate von über 25 Prozent (siehe Tabelle), den höchsten Wert seit 15 Jahren.

Weltweite Inflationsraten

Okt.-18 Dez.-17
Eurozone 2,2 1,4
Deutschland 2,5 1,7
Frankreich 2,2 1,2
Italien 1,6 0,9
Spanien 2,3 1,1
Portugal 1,0 1,0
Griechenland 1,8 0,7
Türkei 25,2 11,9
Kanada 2,2 1,9
USA 2,3 2,1
Quelle: Trading Economics

Eine Flut an weiteren Inflationszahlen ist in den kommenden Tagen zu erwarten. So wird zum Beispiel für Deutschland ein Anstieg von 2,3 auf 2,5 Prozent, für Großbritannien ein Zuwachs von 2,4 auf 2,6 Prozent, für die USA ein Plus von 2,3 auf 2,4 Prozent, für die Eurozone eine Steigerung von 2,1 auf 2,2 Prozent sowie für Frankreich ein unveränderter Wert von 2,2 Prozent prognostiziert.

Ein großes Problem stellt dieses Maß an Geldentwertung vor allem für deutsche Anleger dar. Sie erzielen nämlich selbst bei Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit lediglich Renditen in Höhe von 0,46 Prozent. Systematische Vermögensvernichtung ist damit vorprogrammiert, zumal bei kürzeren Laufzeiten von bis zu sechs Jahren derzeit sogar negative Renditen zu Buche schlagen.

Wer auf der Suche nach Vermögensschutz und Inflationsschutz ist, wird daher stets auf eine Anlageklasse stoßen: Gold.

Gold: Italiener Enria soll Europas Banken überwachen
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
Weitere Beiträge:
MEISTDISKUTIERTE ARTIKEL
MEISTGELESENE ARTIKEL
Kommentar zum Artikel schreiben
Sicherheitsfrage: wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar zur Veröffentlichung auf gold.de gespeichert wird. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per Mail an info@gold.de widerrufen.
Hier finden Sie unsere Datenschutzerklärung.
Kommentare [1]
  • von Anonym | 12.11.2018, 18:09 Antworten

    Und täglich grüßt das Murmeltier. Wir schaffen das!

Copyright © 2009-2018 by Gold.de - Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur, sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr. Sie betrachten die Seite: Gold.de - Gold und Silber kaufen im Preisvergleich

Handcrafted with in Baden-Württemberg, Germany