Stand: 19.02.2019 von Jörg Bernhard 23 Kommentare

Seit Jahren wird um die Zukunft von Bargeld heiß diskutiert. Diverse Staaten haben ihm bereits seit Längerem den Kampf angesagt – auch in Europa. In der vergangenen Woche hat der IWF eine neue Runde eingeläutet. Er hat nämlich Steuern auf Bargeld vorgeschlagen.

Bargeldumlauf steigt seit Jahren

Seit der Einführung des Euro hat sich der Banknotenumlauf im Eurosystem vervielfacht. Laut Daten der Deutschen Bundesbank gab es seit 2002 in jedem Jahr einen Anstieg der Bargeldmenge zu vermelden.

Von 2002 bis 2017 hat sie sich von 358,5 Milliarden auf 1.170 Milliarden (1,17 Billionen) Euro vervielfacht (siehe Tabelle). 

Banknotenumlauf im Eurosystem nach Stückelung (in Milliarden)
Jahr 5 € 10 € 20 € 50 € 100 € 200 € 500 € Gesamt
2002 6 16,4 39,5 121,7 67,3 24,2 83,4 358,5
2003 6,1 16,9 41,1 144,8 81 27,1 119,2 436,2
2004 6,2 17 41,6 162,8 91,9 28,6 153,1 501,2
2005 6,4 17,6 43,2 181,2 101,8 29,8 185,2 565,2
2006 6,7 19 46,7 203,9 111,6 30,6 209,7 628,2
2007 7,1 19,7 49,4 222,1 120,9 31,1 226,3 676,6
2008 7,4 20,3 52,4 245,6 138,1 34 265 762,8
2009 7,5 20,4 53,8 260 147,2 35,7 281,9 806,5
2010 7,6 20,4 55 277,5 155,1 36,1 287,9 839,6
2011 7,7 20,7 57,1 302,3 165 36,3 299,6 888,7
2012 8,1 21,7 59,8 321,9 170,6 36,9 293,7 912,7
2013 8,4 21,6 61,8 348,1 185 39,8 291,6 956,3
2014 8,6 22,4 64,7 375,4 201,6 40,8 303 1016,5
2015 8,8 23,3 68,8 419,9 214,5 41,4 306,8 1083,5
2016 9 23,9 71,8 461,6 243,3 46,7 269,9 1126,2
2017 9,3 25 76,6 491,3 262,4 49,3 256,8 1170,7
Quelle: Deutsche Bundesbank

Dies lässt nur einen Schluss zu: Unter Europas Bürgern hat Bargeld keineswegs an Attraktivität verloren – ganz im Gegenteil.

Die in der vergangenen Woche bekanntgewordene Vorschlag des Internationalen Währungsfonds (IWF) sollte verantwortungsbewusste Anleger in hohem Maße sensibilisieren, dass sich das Geldvermögen der Deutschen alles andere als sicher ist. Für den deutschen Sparer steht viel auf dem Spiel, schließlich meldete in diesem Jahr die Bundesbank, dass deutsche Privathaushalte über ein Geldvermögen von über sechs Billionen Euro verfügen, wovon sich allein 4,8 Billionen auf Bargeld und Einlagen erstrecken.

IWF-Experten haben nun vorgeschlagen, zur Bekämpfung einer immer wahrscheinlicher werdenden Rezession eine Steuer auf Bargeld einzuführen. Vor allem in Europa wurde in den vergangenen Jahren die geldpolitische Munition in Form von Zinssenkungen erst einmal verschossen.

Sollte das Geldvermögen der Privathaushalte im großen Stil mit Negativzinsen „bestraft“ werden, könnte ein „Bankenrun“ zum Kollabieren des Bankensektors führen. Negative Realzinsen (Rendite ist niedriger als Inflation) sorgen bereits seit Jahren zu einer systematischen Vermögensvernichtung. Sollte diese „schleichende“ Entwertung durch einen konkreten Abschlag „sichtbar“ werden, drohen unkalkulierbare Reaktionen.

Von Unternehmenskunden und vermögenden Privatanlegern verlangen viele Banken bereits heute „Strafzinsen“ für Bankeinlagen. Finanzinstitute müssen übrigens für ihre Einlagen bei der EZB seit fast drei Jahren 0,4 Prozent bezahlen.

So sollen Sparer enteignet werden

So schlugen die IWF-Experten vor, Bargeld als Parallelwährung zum so genannten e-Geld zu etablieren. Während auf Letztgenanntes Strafzinsen anfielen, könnte Bargeld im Vergleich zu e-Geld einem Wechselkurs unterzogen werden. Der Umtauschkurs könnte dann so festgelegt werden, dass das Halten von Bargeld immer exakt genauso unattraktiv ist, wie wenn man das Geld direkt auf dem Konto belassen würde.

Das Ziel dürfte klar sein: Statt für schlechte Zeiten, den Lebensabend oder die eigenen vier Wände zu sparen, soll das Geld konsumiert werden, um die Wirtschaft anzukurbeln. Vor diesem Hintergrund bekommt der Kauf von Edelmetallen wie Gold und Silber, insbesondere für diejenigen Charme, die ihr Erspartes nicht auf Geheiß des Staats also gezwungenermaßen ausgeben möchten

Aber findige Experten dürften sicherlich auch hier eine Möglichkeit ausfindig machen, wie man diese „unerwünschten Käufe“ verhindert.

Ausblick für die laufende Woche

Obwohl sich die internationalen Aktienmärkte seit Wochen in einer Erholungsphase befinden, sollten Anleger ihren Risikoappetit weiterhin im Zaum halten. Vor allem in Europa hat sich das Wirtschaftswachstum stark verlangsamt.

Am vergangenen Donnerstag wurde mit Blick auf die deutsche Konjunktur für Q4 ein schwächer als erwartetes Plus von 0,6 Prozent p.a. gemeldet, nachdem im Vorquartal noch ein Zuwachs von 1,1 Prozent p.a. zu Buche schlug.

Der offene Schlagabtausch zwischen den USA und Deutschland auf der Sicherheitskonferenz in München dürften die Perspektiven nicht gerade aufgehellt haben. Dass europäische Autoimporte eine „Gefahr für die nationale Sicherheit der USA“ darstellen und deshalb Sonderzölle von 25 Prozent angemessen sein könnten, zeigt einmal mehr auf, dass es um den freien Handel in der Welt nicht zum Besten bestellt ist.

Die zum Wochenstart veröffentlichten Januarzahlen zum chinesischen Automarkt zeigen, wohin die Reise gehen könnte. Gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresmonat war nämlich ein Minus in Höhe von 15,8 Prozent gemeldet worden. Die weltweit wachsende Unsicherheit dürfte auch der Grund sein, warum der Krisenschutz Gold nahe am Jahreshoch notiert.

Gold: IWF schlägt Steuern auf Bargeld vor
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [23]
  • von Edeltraut Schimanskie | 21.02.2019, 17:35 Antworten

    Es handelt sich nicht um Bargeldumlauf. Um Negativzinsen zu entgehen haben Versicherungen und Banken Schweizer Bunker Angemietet und Palettenweise Bargeld als Rücklage deponiert.

  • von Mister Doctor | 21.02.2019, 08:39 Antworten

    Mit der Tabelle kann man nichts anfangen.
    Anzahl oder Wert?
    Angabe in was? tausend? million?
    Oder gab es 2002 tatsächlich nur 6 Fünf-€-Scheine?

  • von Olaf Westerhagen | 20.02.2019, 18:19 Antworten

    Kann ich auch nur empfehlen, sich einen ordentlichen Vorrat Edelmetall zuzulegen. Ein bisschen Blinbling kann einen gegen solche irrsinnigen Steuervorschläge unserer lieben Politiker schützen. Ich habe mich mal auf [....] informiert und die meinen, dass Gold im Prinzip in jedem Fall sicherer und resistenter ist, als unser jetziges Bargeldsystem. Sieht man ja schließtlich auch an der Inflation, wie im Artikel beschrieben werden immer mehr Scheine gedruckt um mithalten zu können, doch diese verlieren letztendlich an Wert und nur das Gold bleibt. Für immer.

  • von Thomas Witkowski | 20.02.2019, 15:20 Antworten

    Wenn man das Geld derart entwertet, indem man die Sparmöglichkeit wegnimmt, kann das aber auch zu ganz unerwünschten Effekten führen, nämlich, daß das "Geld" an Akzeptanz verliert.
    Außerdem müßte mir mal einer dieser Startegn erklären, wie sinnloses Konsumieren zu dem permanenten Nachhaltigkeits- und CO2-Gelaber paßt.
    Zum Dritten glaube ich nicht, daß ein Interesse besteht, das Sparen in Hold/Silber zu verhindern, denn es geht nicht um ein Wirtschaftswachstum, sondern schlich um die Erhaltung des röuberischen Systems.
    Zum Vierten besteht immer die Möglichkeit, statt in Geld einfach in Zeit zu sparen. Ist sparen nicht mehr möglich, einfach weniger arbeiten.

  • von blingbling | 20.02.2019, 14:38 Antworten

    sind schulden dann eine sache? ist das verbrennen von schuldscheinen sachbeschädigung?
    gehören politiker auch zu konsumgütern? (es wurde ja geld für sie ausgegeben)...

  • von JP | 20.02.2019, 13:52 Antworten

    "Das Ziel dürfte klar sein: Statt für schlechte Zeiten, den Lebensabend oder die eigenen vier Wände zu sparen, soll das Geld konsumiert werden, um die Wirtschaft anzukurbeln. "

    Und genau das versucht man damit, dass man so etwas überhaupt "ankündigt"

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