Stand: 27.12.2016 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Robuste Aktienmärkte, steigende Zinsen und ein starker Dollar stellen weiterhin einen giftigen Cocktail dar, der Goldinvestoren ganz und gar nicht schmeckt. Mittlerweile droht dem Goldpreis der dritte Monatsverlust und bei anhaltendem Verkaufsdruck sogar das vierte Verlustjahr in Folge.

Besonders schlechte Laune herrscht derzeit an den Terminmärkten sowie im ETF-Sektor, während die Geschäfte mit Goldbarren und –münzen relativ rund laufen. Weil der physische Goldhandel im Vergleich zu ETFs und Futures bei der Preisfindung des gelben Edelmetalls aber nicht „die erste Geige spielt“ verlor der Krisenschutz im zweiten Halbjahr gegenüber seinem Anfang Juli erzielten Jahreshoch von 1.375 Dollar fast 17 Prozent.

Bundesbank bei Gold-Rücktransport voll im Plan

Diversen Medienberichten zufolge soll der Rücktransport der im Ausland gelagerten Goldreserven voll im Zeitplan liegen. Konkrete Zahlen dürfte die Deutsche Bundesbank im Januar kommunizieren. Vor fast vier Jahren stellte sie, nach massiver Kritik vom Bundesrechnungshof und anderen Organisationen, ein neues Lagerstellenkonzept vor.

Demzufolge will die Bundesbank ab 2020 die Hälfte der deutschen Goldreserven in eigenen Tresoren lagern. Damals kündigten die Notenbanker an, schrittweise 300 Tonnen Gold von New York und 374 Tonnen Gold von Paris nach Frankfurt am Main zu verlagern.

Mittlerweile soll in der Mainmetropole der Löwenanteil der deutschen Goldreserven gebunkert sein. Ende Dezember 2015 wurden 41,5 Prozent in Frankfurt, 39,9 Prozent in New York, 12,8 Prozent in London und 5,8 Prozent in Paris verwahrt (siehe Tabelle). Mit einem Gesamtgewicht von 3.381 Tonnen verfügt Deutschland weltweit über die zweithöchsten Goldreserven.

Dieser „Goldschatz“ wird lediglich von den USA übertroffen. Während Deutschland den Goldreichtum im Wesentlichen seinen Exportüberschüssen und dem bis 1971 möglichen Umtausch von Dollars in Gold zu verdanken hat, basiert das Goldvermögen der USA unter anderem aus dem staatlich verordneten Goldverbot aus dem Jahr 1933. Damals musste privates Gold zum Preis von 20,67 Dollar pro Feinunze dem Staat übertragen werden. Aufgehoben wurde diese Maßnahme übrigens erst im 1974.

Viel Schweizer Gold fließt gen Asien

In der vergangenen Handelswoche veröffentlichte die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) aktuelle Daten über die Schweizer Goldexporte und –importe für  den Monat November – mit zum Teil ausgesprochen interessanten Erkenntnissen.

Bei den Exporten belief sich die Goldmenge im November auf 191,3 Tonnen, während 218,8 Tonnen importiert wurden. Damit wurden die Goldausfuhren des Vormonats um 17,7 Prozent und die Goldeinfuhren um über 28 Prozent übertroffen.

Goldexporte nach...
1. Idien 63,2 Tonnen
2. China 30,6 Tonnen
3. Hongkong 11,2 Tonnen
Goldimporte aus...
1. Großbritannien 43,3 Tonnen
2. Vereinigte Arabische Emirate 13,5 Tonnen
3. Argentinien 13,4 Tonnen

Dabei fiel eines auf: Die treuesten Abnehmer von schweizerischem Gold waren wieder einmal asiatische Käufer – allen voran Indien (63,2 Tonnen), gefolgt von China (30,6 Tonnen) und Hongkong (11,2 Tonnen).  In allen drei Ländern waren in den Monaten September, Oktober und November Zuflüsse des gelben Edelmetalls registriert worden. Als ausgesprochen interessant kann man auch die Entwicklung im Land des Brexit-Kandidaten Großbritannien betrachten.

Während im September über 50 Tonnen Gold auf die Insel geflossen war, fielen  im Oktober Exporte und Importe in etwa gleich hoch aus. Ein völlig anderes Bild lieferte der November: Mit 43,3 Tonnen erwiesen sich die Briten als größter Goldlieferant der Schweiz. Auf der Insel scheint man dem EU-Austritt relativ „cool“ und „relaxt“ entgegenzusehen.

Ausblick für die laufende Woche

In der vergangenen Handelswoche fielen die Gold-Futures-Umsätze an der weltweit wichtigsten Terminbörse relativ dünn aus und schwankten zwischen 125.306 und 156.735 Kontrakten. Zur Erinnerung: Am Tag des Wahlsiegs von Donald Trump fielen die Umsätze mit über 897.000 Futures um ein Vielfaches höher aus. Dieser illiquide Handel dürfte sich vor dem Jahreswechsel eher fortsetzen als auflösen.

Dadurch wird das gelbe Edelmetall beim Eintreten wichtiger Nachrichten oder aufgrund von charttechnischen Signalen anfällig für entsprechend heftige Preisreaktionen. In der kommenden Woche hält sich die Zahl wichtiger Konjunkturtermine in Grenzen. Eine Ausnahme bildet mit den wöchentlichen Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe und der US-Handelsbilanz für den Monat Dezember lediglich der Donnerstag.

Derzeit sieht es so aus als ob der Krisenschutz den dritten Monatsverlust in Folge erleiden wird. Eine ebenso lange „Durststrecke“ gab es letztmals von September bis November 2014. Für die Psyche dürfte eine andere „Hausnummer“ von entscheidender Bedeutung sein, nämlich der Jahresultimo der London Bullion Market Association in Höhe von 1.062,25 Dollar.

Sollte das gelbe Edelmetall unter diese Marke rutschen wäre dies der vierte Jahresverlust in Folge und angesichts der nicht gerade vor Stabilität strotzenden Finanzsysteme und der unzähligen geopolitischen Krisenherde ganz schön deprimierend.

Gold: Jahresendrally nicht in Sicht
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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