Stand: 13.08.2019 von Jörg Bernhard 4 Kommentare

An den Goldmärkten ist in diversen Marktsegmenten die Nachfrage kräftig gestiegen. Verantwortlich für das Überwinden der Marke von 1.500 Dollar waren vor allem Notenbanken, ETF-Investoren und Terminspekulanten. Letztere dürften dabei eine besonders wichtige Rolle gespielt haben.

Großspekulanten sind besonders kauffreudig

Der am Freitagabend veröffentlichte Commitment of Traders-Report der US-Aufsichtsbehörde CFTC lieferte hierfür den besten Beweis. Nur ein Beispiel: Seit dem Jahreswechsel hat sich die Anzahl offener Kontrakte (Open Interest), wodurch das allgemeine Interesse an Gold-Futures zum Ausdruck kommt, von 451.360 auf 600.317 Kontrakte (+33,0 Prozent) erhöht.

Der Stimmungsbericht der CFTC (CoT-Report) zeigt einmal pro Woche auf, wie sich das Sentiment der verschiedenen Gruppen von Marktakteuren auf Basis der Daten der Dienstage entwickelt hat. Dabei interessieren sich Anleger für die Transaktionen großer Terminspekulanten (Non-Commercials) in der Regel besonders stark, da sie ausschließlich auf das Erzielen positiver Renditen ausgerichtet sind und ihre Future-Positionen häufig besonders schnell drehen. 

Sie dürften für die diesjährige Goldrally hauptverantwortlich sein. Seit Ende Dezember haben sie nämlich ihre Netto-Long-Position (per Saldo optimistisch gestimmt) von 123.772 auf 292.545 Futures mehr als verdoppelt (siehe Tabelle). Dies stellt den höchsten Wert seit August 2016 dar. 

Wenn man berücksichtigt, dass der Optimismus dieser Markakteure im April auf ein Jahrestief von 37.395 Futures gefallen war, kann man hier von einem regelrechten Kaufrausch sprechen. Auf dem Papier wurde damit ein Goldberg von immerhin 793 Tonnen bewegt.

Gold-Futures: Commitments of Traders-Report

31.12.2018 06.08.2019 Veränderung
Anzahl offener Kontrakte (Open Interest) 451.360 600.317 33,00%
Großspekulanten (Non-Commercials) 123.772 292.545 136,36%
Kleinspekulanten (Non-Reportables) 20.842 31.780 52,48%
Quelle: Commodity Futures Trading Commission
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Gold-Futures: Commitments of Traders-Report

In den vergangenen Wochen fiel allerdings auf, dass eine starke Uneinigkeit zwischen großen und kleinen Terminspekulanten herrschte. In diesem Jahr hat sich die Stimmung großer und kleiner Terminspekulanten (Non-Reportables) bislang 14mal völlig gegensätzlich entwickelt. Soll heißen: Sind große Terminspekulanten optimistischer geworden, nahm bei den Kleinspekulanten die Skepsis zu und umgekehrt. Seit Ende Dezember sind aber auch Kleinspekulanten per Saldo deutlich optimistischer geworden. Seither kletterte deren Netto-Long-Position nämlich von 20.842 auf 31.780 Futures (+52,5 Prozent).

Auch über 1.500 Dollar ein Must-Have

Die große Frage lautet nun: Werden an den Terminbörsen spekulative Marktakteure über Futures oder Optionen weiterhin auf einen steigenden Goldpreis wetten oder sich im großen Stil Gewinnmitnahmen tätigen? Das letztgenannte Szenario dürfte vor allem dann eintreten, wenn sich sämtliche Sorgen hinsichtlich des globalen Wirtschaftswachstums, der geopolitischen Krisenherde und enormen Schuldenberge in Wohlgefallen auflösen sollten. 

Unter Berücksichtigung, dass immer mehr Populisten und Nationalisten in den Machtzentralen bedeutender Staaten das Sagen haben bzw. an Bedeutung gewinnen, kann man die Wahrscheinlichkeit für ein Comeback von politischer und wirtschaftlicher Vernunft als relativ gering einstufen. Signifikante Gewinnmitnahmen können angesichts der jüngsten Wertsteigerungen selbstverständlich nicht ausgeschlossen werden. 

Fazit: Gold bleibt auch bei Preisen über 1.500 Dollar ein Must-Have.

Ausblick für die laufende Woche

Nachdem der Goldpreis in der zweiten Junihälfte die Marke von 1.400 Dollar überwunden hatte, kletterte er in der vergangenen Woche über die Marke von 1.500 Dollar. Damit erhöhen sich die seit dem Jahreswechsel erzielten Kursgewinne auf 17 Prozent. Die Angst vor einer weltweiten Rezession, sinkende Anleiherenditen und der Kurseinbruch an den internationalen Aktienmärkten hat die Investoren in den vergangenen Wochen an die bewährte Schutzfunktion von Gold erinnert. Die am vergangenen Donnerstag gemeldeten Daten zur chinesischen Handelsbilanz im Juli fielen zwar besser als erwartet aus, dem Goldpreis hat dies aber kaum geschadet.

Durch die Abwertung der chinesischen Währung Yuan wird Gold für chinesische Käufer zusätzlich verteuert. Da Asiaten auf steigende Goldpreise häufig mit einer nachlassenden Nachfrage reagieren, darf man nun gespannt sein, ob sich dies an den Goldmärkten negativ bemerkbar machen wird. Sollte die weltweite Verunsicherung der Investoren allerdings zunehmen, könnte dieser Effekt wirkungslos verpuffen. 

Fazit: Es dürfte nicht nur mit Blick auf Gold spannend bleiben. Auch bei Aktien und Anleihen herrscht vor allem ein hohes Maß an Verunsicherung.

Gold-Kaufrausch an den Terminmärkten
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [4]
  • von J. Huber Dipl. Betriebswirt | 20.08.2019, 15:08 Antworten

    Die Großinvestoren wissen schon was es auf sich hat, es wird momentan ein Abschwung mental einfach beiseite geschoben. Sollte es aber so schlimm kommen wie gedacht, da es ja an allen Ecken brennt, insbesondere bei den Banken ist Gold die einzige Versicherung.
    Daher sehe ich die Flucht in Gold sowohl als Sicherheit und als interessantes Investment.
    Ob mit schnell reagierbarem Papiergold oder mit physischem Investment ist persönliche Geschmacks- und Sicherheitsfrage. Durch die QE Programme im Falle einer Krise wird Gold
    auf jeden Fall gegenüber sich entwertendem Cash in Papiergeld (Christin Lagarde) als Sieger hervorgehen.

  • von Lupe | 13.08.2019, 16:17 Antworten

    Für diesen Artikel und die absolut realistische Einschätzung, danke an den Autor Herrn Jörg BERNHARD.

  • von Goldhamster | 13.08.2019, 12:00 Antworten

    Die Investoren scheinen eindeutig die Prämisse auf Gold zu legen. Silber hängt da als Industriemetall bisher eindeutig hinterher. Die Zeiten wo sich Gold und Silber im Verhältnis 1:2 entwickeln,scheinen wieder anzubrechen. Wer "zocken" will, legt sein Geld in Ag an während Au demgegenüber die letzte Zeit viel Ruhe ins Depot gebracht hat. Wer es noch kräftiger braucht und den Rachen nicht voll kriegen kann, steigt in entsprechende Minenwerte ein. Good luck!

  • von Mr.Silver | 13.08.2019, 08:15 Antworten

    Solange das Geld in einen Markt fließt, geht der Preis nach oben. Die Frage ist immer nur wann der Geldfluss endet. Dies passiert von Heute auf Morgen.
    Silber hat einen Nachholbedarf. Die alte Unterstützung und Zielmarke liegt bei 25 Dollar,
    bei Gold ist Sie jetzt bei 1525 Dollar erreicht. Bisher folgten häufig nach dem Erreichen einer Zielmarke eine heftige Korrektur. Mal sehen wie es hier weiter geht.

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