Stand: 29.08.2018 von Florian Grummes 14 Kommentare

Mit dem Hoch am 11.April bei 1.365 US-Dollar begann für den Goldpreis, und damit letztlich auch für den gesamten Edelmetallsektor, eine massive Korrekturphase. Zunächst konnten die Bären nur Schritt für Schritt die Kurse unter 1.300 US-Dollar und Ende Juni dann auch unter 1.260 US-Dollar drücken.

Bis dahin war die Welt der Goldbullen noch in Ordnung und das Kursgeschehen entsprach der vorgezeichneten Erwartung. Mit dem kurzzeitigen Rutsch bis auf 1.237 US-Dollar sah es Anfang Juli dann nach einer ersten vielversprechenden Kaufchance aus. Allerdings konnte sich Gold hier lediglich um knapp 30 US-Dollar erholen und brach elf Handelstage später klar unter die mehrjährige und extrem wichtige Aufwärtstrendlinie. Damit war das ursprünglich ausgegebene „worst case“ Szenario passé und das oft beschriebene aufsteigende Dreieck ebenfalls hinfällig.

Diese eklatante Schwäche konnten die Bären konsequent ab Mitte Juli dazu nutzen, um die Kurse weiter gen Süden und damit in Richtung der psychologischen Marke von 1.200 US-Dollar zu drücken. Zu diesem Zeitpunkt gerieten auch die bis dahin relativ starken Minenaktien zunehmend in Mitleidenschaft. Schließlich begann am 11.August der finale Panikausverkauf am Goldmarkt, wobei die Notierungen innerhalb von gerade einmal drei Tagen von 1.217 US-Dollar bis auf 1.160 US-Dollar in die Tiefe rutschten.

An dieser Stelle hatten die Bären ihr Blatt dann jedoch endgültig überreizt. Dem völlig überverkauften Goldpreis gelang am 16.August, ausgehend von 1.160 US-Dollar, in den frühen Morgenstunden ein klares Umkehrsignal, nachdem die Kurse binnen weniger Stunden sofort 15 US-Dollar angezogen waren.

Bereits zwei Handelstage später war dieses „Reversal“ mit einem Kursanstieg auf 1.190 US-Dollar bestätigt. Mittlerweile ist der Goldpreis auch wieder über die Marke von 1.200 US-Dollar angestiegen und konnte zuletzt 1.214 US-Dollar erreichen. Damit ist die Erholungswelle in vollem Gange.

Goldpreis in US-Dollar – Mindestziel der Erholung 1.230 bis 1.240 US-Dollar

Wie immer lässt der Goldpreis nach einem brutalen Ausverkauf zögerlichen Trendfolgern kaum eine Chance, nahe der Tiefpunkte zum Zuge zu kommen. Vielmehr hat sich die Feinunze bereits um knapp 55 US-Dollar verteuert, wodurch sich das Chancen/Risiko-Verhältnis schon wieder leicht eintrübt.

Tageschart-Goldpreis Goldkurs in US-Dollar 28082018

Dennoch stehen die Weichen kurzfristig klar auf weiter steigende Kurse. Kann der Goldpreis auch nur ein Drittel der zuvor verloren gegangenen Strecke wieder aufholen, müsste die aktuelle Rally zumindest bis zum 38,2%-Retracement bei 1.239 US-Dollar laufen. Eine Etage weiter höher wartet das 50%-Retracement bei 1.263 US-Dollar. Beide Ziele erscheinen aufgrund der ausgebombten Lage im Laufe der kommenden Wochen durchaus realistisch. Unmittelbar greifbare Ziele sind die 50-Tagelinie (1.226 US-Dollar) sowie das obere Bollinger Band (1.227 US-Dollar).

Gelingt mittelfristig sogar eine Erholung bis zum 61,8%-Retracement bei 1.287 US-Dollar, bessert sich das große Bild deutlich auf. Ein Anstieg bis zu dieser Marke wäre sehr erfreulich, besitzt vorläufig aber lediglich eine verminderte Wahrscheinlichkeit. Auf dem Weg dorthin warten auf den Goldpreis einfach zu viele starke Widerstände.

Da die Stochastik auf dem Tageschart bereits klar in die überkaufte Zone vorgedrungen ist, wäre eine etwas größere Verschnaufpause schon in den nächsten Tagen ausgehend von ca. 1.225 US-Dollar keine Überraschung. Solange sich Rücksetzer jetzt aber über der Marke von 1.190 US-Dollar halten können, ist der neue Aufwärtstrend intakt. Wirklich notwendig ist ein Rücksetzer aber nicht, denn nach einem derart langen Abwärtstrend haben die Goldbullen starken Nachholbedarf.

Zudem kommt die Stochastik auf dem Wochenchart gerade erst wieder auf die Beine. Auch fehlt bislang ein richtiger Shortsqueeze, der die Hedgefonds zur Eindeckung ihrer exorbitanten Leerverkaufspositionen gezwungen hätte. Vielmehr schiebt sich der Goldpreis recht beständig Schritt für Schritt nach oben.

Weil die zuletzt veröffentlichten Terminmarktdaten das beste Setup seit 2002 zu Tage brachten, ist dem Goldpreis in den kommenden Monaten durchaus sowohl eine deutliche Erholung als auch ein erneuter Anstieg bis auf 1.350 US-Dollar zuzutrauen. Allerdings ist sehr viel charttechnisches Geschirr zu Bruch gegangen. Entscheidend wird daher die Rückeroberung der Zone um 1.260 – 1.270 USD sein.

Gelingt dies nicht, dürften uns zunächst erneut tiefere Goldkurse und im Anschluss ähnlich wie in den 1980 und 1990er Jahren eine weitere mehrjährige und zähe Seitwärtsphase bevorstehen. Alternativ war die brutale Korrektur der letzte gnadenlose Abschüttler, bevor der Goldpreis in einem zunehmend inflationären Umfeld Richtung 1.500 US-Dollar durchstartet

Goldpreis in Euro Chart – In Euro ist Gold günstig

Tageschart-Goldpreis Goldkurs in Euro 28082018

In Euro gerechnet ist beim Goldpreis bislang noch keine nachhaltigere Trendwende zu beobachten. Bis auf 1.023 Euro war der Preis für eine Feinunze gefallen. Seit dem Hoch Ende Mai bei 1.133 Euro hat sich der Preis also um knapp 10% vergünstigt. Natürlich ist der Preisverlauf enttäuschend und es sind trotz der überverkauften Lage kaum bullische Argumente auf dem Tageschart zu finden. Zudem wurde bereits Ende Juni die Aufwärtstrendlinie der letzten viereinhalb Jahre unterschritten.

Dennoch sind auf Sicht der kommenden Wochen zumindest Kurserholungen bis zur 50-Tagelinie (1.055 Euro) sowie dem 38,2%-Retracement bei 1.065 Euro mehr als realistisch. Weitere Erholungsziele liegen dann im Bereich um 1.078 Euro und 1.091 Euro.

Antizyklisches Kaufchance unterhalb von 1.040 Euro

Das zuletzt genannte Nachkauflimit unterhalb von 1.050 Euro hat in den vergangenen fünf Wochen zahlreiche Einstiegsmöglichkeiten geliefert. Ab jetzt ist Gold jedoch bis auf weiteres eine “Halte-Position”. Nur aber wer bislang immer noch unterinvestiert ist oder die sehr günstigen Preise einfach ausnutzen möchte, findet aktuell unterhalb von 1.040 Euro nach wie vor ein sehr gutes Chancen-Risiko-Verhältnis.

Bitte erwarten sie grundsätzlich keine fulminanten Kursgewinne, sondern machen sie sich nochmals klar, dass es sich bei Edelmetallen um eine Versicherung gegen dramatische Verwerfungen an den Finanzmärkten handelt!Auch wenn die Performance im Vergleich zu anderen Anlageklassen in den letzten Jahren eher enttäuschend war, führt an den Edelmetallen als Stabilisator und ruhender Anker kein Weg vorbei.
Gold - kommt die Trendwende?
Florian Grummes - Florian Grummes ist unabhängiger Finanzanalyst und Berater sowie internationaler Referent mit über 20 Jahren Erfahrung auf den Finanzmärkten. Dabei hat sich Herr Grummes auf die Edelmetalle, Kryptowährungen und die technische Analyse spezialisiert. Mit der Kombination aus technischer, fundamentaler sowie Sentiment Analyse gelingt ihm häufig eine akkurate Konklusion und Prognose zum Goldmarkt.
Webseite des Autors:
www.goldnewsletter.de
Weitere Beiträge:
MEISTDISKUTIERTE ARTIKEL
MEISTGELESENE ARTIKEL
Kommentar zum Artikel schreiben
Sicherheitsfrage: wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar zur Veröffentlichung auf gold.de gespeichert wird. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per Mail an info@gold.de widerrufen.
Hier finden Sie unsere Datenschutzerklärung.
Kommentare [14]
  • von Ungläubig | 21.09.2018, 09:28 Antworten

    Papiergeld hat schon immer nur deshalb seine Funktion für begrenzte Zeit erfüllen können, weil die Mehrheit so ungeschickt war und am Wert des Geldes alternativlos geglaubt hat bis zum großen Fiasko. Gold, Silber,Whisky und hochwertige Sachwerte sind hochwertig geblieben. Ein angemessener Vorrat an Toilettenpapier wird sicherlich sinnvoller sein als zu viel Papiergeld.

    • von Wolga66 | 01.10.2018, 00:27 Antworten

      Gold,Silber und Whisky,das paßt.
      Die fallenden Kurse bei den Edelmetallen kannst Du mit dem Whisky schön saufen.
      Toilettenpapier brauchst Du nicht,benutze Dein "wertloses" Papiergeld.

  • von Nobody | 14.09.2018, 12:28 Antworten

    In meinen Augen ist Gold auch nicht fürs zocken an der Börse gedacht, sondern für den Werterhalt. Das gleiche gilt auch für Silber. Bei Silber wird jedoch der Preis gedrückt damit die Industrie günstig dran kommt. Wir leben im Elektronik Zeitalter. Es wird immer mehr strom benötigt und schnellere Leitfähigkeit. Handys und laptops usw. Schaut mal nach China, Indien und Russland usw. Alles Länder in denen die Menschen stetig reicher werden, und sich mehr leisten wollen und auch können. Riesige Märkte stehen da noch offen.
    Ich bleibe bei Gold und Silber, und es wird immer mal was nach gekauft.

    Mfg.

    • von Silberfreund | 14.09.2018, 17:18 Antworten

      Ja, Nobody, genau so sehe ich das auch. Schätze das z. Zt. viele Leute verunsichert ihre EM-Reserven in Panik verramschen und die Finanzverbrecher an den Schalthebeln nun mit ihren Manipulationen genau das erreicht haben was sie wollten. Durch Preisdrückung die EM für die Zivilgesellschaft unattraktiv zu machen. Somit die EM noch weiter fallen damit diese "Eliten" sich dann selbst stickum günstigst eindecken, jedoch der Presse das genaue Gegenteil erzählen. Ich bin mir sicher das wir eines Tages einen bitterbösen Showdown erleben werden, wobei dann leider die Rechnung wieder einmal dem Steuerzahler präsentiert werden wird! Wohl Dem, der dann noch etwas in der Schublade hat!! By the way: Hörte neulich erneut das die Verursacher der Bankenkrise vor 10 Jahren danach - auch mit Hilfe der Justiz - für den Normalverdiener unvorstellbare Rekordsummen an Boni eingeklagt haben. Da bleibt uns eben nur der Glaube an ehrliche Werte!! Viele Grüße - Silberfreund.

  • von Ralf | 07.09.2018, 09:12 Antworten

    Ich habe gestern meinen Goldvorrat um 1kg erhöht, diese günstigen Nachkaufkurse bekommt man nicht so oft.

  • von Gold-Finger | 02.09.2018, 22:01 Antworten

    Pro oz Gold hat man wohl Förderungskosten von 800-900$ zZ während wohl vor 10-15 Jahren die Förd.kosten noch zw 4-500$ waren. Im Augenblick sind wohl ungef. 75% der bekannten Goldbestände gefördert es soll wohl noch rund 50-60000 Tonnen geben jährl. Förderung 2-3000 Tonnen. So was sollte also LANGFRISTIG ich betone LANGFRISTIG gegen einen steigenden Goldpr. sprechen. Und an alle Aktienfans schaut Euch die Kurse von T-Online,D.Bank oder der Star-Aktie der Jahrtausendwende EM-TV an ?? Klar gibts immer wieder Aktien die Gold locker toppen ( jedenfalls kurzfr. ) Aber auch die muss man erstmal haben und von Staatsanleihen wollen wir erst gar nicht reden. Sonst mal folgende Behauptung: Seit 1850 gibts wohl in DL eine Börse also Euer Ururururururur-Vorfahre hat Euch vor folgende Wahl gestellt , liebe 2 Erben ich habe 1850 5Kg Gold und im Gegenwert dazu Deutsche Eisenbahnaktien gekauft. Ihr müßte Euch bloss einigen wer das Gold haben will und wer die Eisenbahnaktien ( und Eisenbahnaktien waren damals das Apple und Google v heute ) Also ich wüste sofort was ich nehme

  • von Baumann | 29.08.2018, 17:31 Antworten

    Wer nur kauft, wenn alle kaufen, der kauft stets zu teuer und zu spät. Schon gelesen, die Türkei hat demnächst über 150 Mrd. Schulden neu zu refinanzieren.Da wird Papiergeld bestimmt nicht mehr Wert. Die Papiergeldgläubigen werden eines Tages auch diese Zeche zahlen.

  • von Markus | 29.08.2018, 12:43 Antworten

    Wer braucht noch Gold, fällt ja nur noch! Alle Charttechniker sind jetzt bärisch und selbst die Daueroptimisten schlagen gedämpfte Töne an! Nachtigall, ick hör dir Trapsen! Wenn da nicht was ganz großes ansteht, was niemand für möglich hält und der Preis nach oben schießt!

  • von Alfred | 29.08.2018, 12:25 Antworten

    Nur nicht Aufgeben der Goldpreis wird wieder steigen deswegen werde ich jetzt Gold dazukaufen wer weiß wie lange es noch dauert bis er wieder Anzieht.

  • von Ilse Flickenmeier | 29.08.2018, 11:16 Antworten

    Für Gold ist alles gelaufen,aus und vorbei.

    • von Manni Muckefuck | 29.08.2018, 18:50 Antworten

      Aha, das ist ja ein hochsachlicher, gutformulierter und wohlrecherchierter Beitrag. Also schnell, alles verkaufen und in... äh, ja was denn nun investieren? Türkische Staatsanleihen? Die bringen immerhin über 20%.

      • von IngoT. | 31.08.2018, 12:08 Antworten

        Genau, AU bringt nichts, also alles verkaufen, schnell! Ich freue mich jeden Monat über niedrige Preise. ArGentinien dagegen bringt jetzt sogar 60%. Wie blöd muss man da sein, wer soll denn solche Zinsen erbringen?

      • von Markus | 30.08.2018, 08:36 Antworten

        Nein am besten in den Aktienmarkt. Der steigt ja auch nur noch, voralllem die FANG Aktien Facebook Amazon Netflix Google. Sind ja nur etwas überbewertet. Aber gut, man muss zugeben, dass sind sie schon lange und trotzdem steigen sie. Aber so ist das eben in einer Blase ! Ironie off.....

  • von Optimist | 29.08.2018, 09:08 Antworten

    Ob jemand in Gold unterinvestiert oder überinvestiert ist, wird langfristig wohl auch von den gesellschaftlichen , wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen abhängen. In der Bundesrepublik gibt es seit der Adenauerzeit einen ganz klaren langfristigen Trend zum gemäßigten Sozialismus mit der Neigung zur Umverteilung und zur schleichenden Steuererhöhung. Deshalb ist die Erhöhung des Goldanteils eine richtige Antwort für alle Leistungswilligen. Ich werde jedenfalls den jetzt günstigen Zeitpunkt für weitere Zukäufe nutzen. Lieber ein kg mehr Reserven als Steuerzuwachs für den Sozialismus und für unkontrollierte Zuwanderung.

Copyright © 2009-2018 by Gold.de - Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur, sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr. Sie betrachten die Seite: Gold.de - Gold und Silber kaufen im Preisvergleich

Handcrafted with in Baden-Württemberg, Germany