| GOLD | 4.340,37 $/oz | 3.760,45 €/oz | 120,90 €/g | 120.901 €/kg |
| SILBER | 67,91 $/oz | 58,81 €/oz | 1,89 €/g | 1.890,79 €/kg |
Silber zeigt ein ähnliches Bild; hier sind zudem noch tiefere Kursziele aktiv. Insgesamt befinden sich die Edelmetalle seit Ende Januar in einer gesunden, aber tückischen und verwirrenden Korrektur, die voraussichtlich noch nicht abgeschlossen ist.
Nach wie vor bleibt der anhaltende Konflikt im Nahen Osten der dominierende und kaum kalkulierbare Risikofaktor für die Rohstoff- und Finanzmärkte. Eine nachhaltige Lösung scheint nicht in Sicht. Vielmehr liegen die physischen Öl-und Gas-Transporte durch die Straße von Hormus weiterhin massiv unter Vorkrisenniveau. Europas Reserven haben die Versorgungsengpässe bislang abgefedert, nähern sich jetzt jedoch ihrem Ende. Solange die logistischen Engpässe nicht behoben sind, bleibt die Volatilität hoch.
Zudem steigt die Anfälligkeit der Finanzmärkte. Kurzfristige Friedenssignale können die Ölpreise abrupt drücken, Rückschläge oder militärische Eskalationen treiben sie ebenso schnell wieder nach oben — ein Umfeld, unter dem auch die Edelmetalle leiden.
Auf der Makroseite verschärft sich hingegen das Dilemma für Risikowerte, allen voran die stark überkauften Aktienmärkte. Die jüngsten Preissteigerungen bedingt durch die gestiegenen Energiepreise erhöhen das Risiko einer anziehenden Inflationsdynamik, sodass die Notenbanken gezwungen sein könnten, die Zinsen anzuheben und die Geldpolitik zu straffen.
Bereits die bloße Erwartung höherer Realzinsen könnte den Goldpreis allerdings weiter unter Druck setzen, selbst wenn diese Zinsentwicklung letztlich ausbleibt. Zugleich stützen steigende Energiepreise die Inflationsperspektive und damit langfristig auch die Nachfrage nach inflationsgeschützten Anlagen.
Chinesische Bestände an US-Staatsanleihen, vom 25.Mai 2026. © Bloomberg
Gleichzeitig sind Chinas Bestände an US-Staatsanleihen auf den niedrigsten Stand seit 2008 gefallen sind, während die offiziellen Goldreserven weiter steigen. China schichtet also weiterhin konsequent aus Dollar-Assets in Gold um. Allerdings ist der Rückgang der Treasury-Bestände ist zu einem gewissen Teil auch eine Frage der Bilanzierung.
Ein relevanter Teil der chinesischen Reserven wurde offenbar über Verwahrstellen wie Belgien gehalten oder auf die Bilanzen staatlicher Banken ausgelagert. Wirtschaftlich bleibt das Exposure gegenüber US-Staatsanleihen damit bestehen, auch wenn es in den offiziellen Statistiken nicht mehr unmittelbar unter Chinas Namen erscheint. Die Zusammensetzung hat sich also stärker verändert als das tatsächliche Risiko.
Was sich aber sehr wohl verändert, ist die Art des souveränen Risikomanagements. China reduziert wie andere strategisch denkende Staaten schrittweise seine Verwundbarkeit gegenüber Vermögenswerten mit politischem Gegenparteirisiko. US-Treasuries sind zwar liquide und tief gehandelt, bleiben aber letztlich Forderungen innerhalb eines westlich geprägten Finanzsystems. Unter Extrembedingungen können sie eingefroren oder sanktioniert werden.
Gold dagegen hat keinen Emittenten, kein Gegenparteirisiko, keine digitale Sperrbarriere und ist seit Jahrtausenden Geld. Es geht den Chinesen dabei nicht um den abrupten Ausstieg aus dem westlichen Finanzsystem, sondern um die Verringerung der Abhängigkeit und mehr Handlungsfreiheit.
Trotzdem befindet sich der Goldpreis seit Ende Januar in einer Korrektur, die nach den spektakulären Zuwächsen der letzten dreieinhalb Jahre aus unserer Sicht mehr als gerechtfertigt und vor allem gesund ist.
Halbleiter-Boom vs. Dot‑Com‑Blase, vom 27.Mai 2026. © The Great Martis
Einziger wirklicher Grund zur Sorge ist, dass sich die Aktienmärkte zuletzt in einem sehr fragilen, geopolitisch belasteten Umfeld in parabolische Kursbewegungen gesteigert haben. Die KI-Rallye hat insbesondere die Halbleiterwerte in völlig überzogene Bereiche getrieben: Der Semiconductor-Sektor ist derzeit so überkauft wie seit zwanzig Jahren nicht mehr. NVIDIA notiert mit einem nachlaufenden KGV von rund 33 und verzeichnet allein in den letzten zwei Monaten ein Plus von 44 %. Micron Technology verzeichnete in den letzten 14 Monaten einen Kursanstieg von 1.450 %!
Die Margin-Levels (also das Spekulieren auf Kredit) liegen bei etwa 1,3 Bio. USD (5,2 % des BIP) und damit über den Spitzenwerten von 2008 und der Dot‑Com-Ära. Sollte es hier zu einer Kehrtwende und Korrektur kommen, dürften die Edelmetale in einem vorübergehenden Liquidity-Crunch ebenfalls mit in den Abgrund gerissen werden. Deswegen sei an dieser Stelle noch einmal unser Worst-Case-Szenario von 3.500 US-Dollar für den Goldpries erwähnt.
Gold in US-Dollar, Tageschart vom 28. Mai 2026. © GOLD.DE
Wie vermutet hat die fallende 50‑Tage Linie (4.628 US‑Dollar) den Goldpreis in den vergangenen sechs Wochen zweimal auf dem Weg nach oben gestoppt. Angesichts dieser schwer überwindbaren und psychologisch belastenden Barriere setzte seit dem 12. Mai eine neue, scharfe Abwärtswelle ein, die heute unser wiederholt genanntes Kursziel in Form der 200‑Tage Linie (4.392 US‑Dollar) erreicht hat.
Damit ist für uns das gröbste Korrekturpotential beim Goldpreis vorerst ausgereizt. Wir hatten stets betont, dass das erste Standbein an der 200‑Tage Linie bei 4.100 US‑Dollar vom 23. März kein ausreichend tragfähiges Fundament darstellte.
Problematisch ist jedoch die Tatsache, dass der Silberpreis seine 200‑Tage Linie (66,56 US‑Dollar) in der seit Ende Januar laufenden Korrektur bislang noch nicht erreicht hat und sich auch noch keine echte Panik im Edelmetall-Sektor beobachten lässt.
Trotz der bereits überverkauften Lage am Goldmarkt würde uns daher eine Fortsetzung der Korrektur bis an das untere Bollinger Band auf dem Wochenchart (4.289 US-Dollar) nicht überraschen.
Insgesamt zeigt der Kursverlauf die typische Frühjahrs-Korrektur. Wir sehen zwischen 4.250 und 4.400 US-Dollar bereits wieder Kaufchancen. Wir erwarten in diesem Bereich zunächst einen Boden, welcher dann das Fundament für eine absehbare Erholung sowie die Sommerrally bilden sollte.
Gold und Silber durchlaufen seit Ende Januar eine gesunde, aber noch nicht abgeschlossene Korrektur: Gold scheiterte zweimal an der fallenden 50‑Tage‑Linie und ist heute bis an seine 200‑Tage‑Linie zurückgefallen.
Silber hingegen besitzt noch deutlich mehr Abwärtsrisiko, da hier die 200‑Tage‑Linie noch gar nicht getestet wurde. Obwohl am Goldmarkt ein Test der unteren Wochen-Bollinger‑Bands um etwa 4.280 USD daher nicht überraschend wäre, sehen wir bereits jetzt und zwischen 4.250 und 4.400 USD attraktive Einstiegspreise.
Die Makro‑ und geopolitische Risiken bleiben jedoch hoch und erhöhen kurzfristig die Volatilität: Die Iran‑Krise und die anhaltenden Engpässe durch die Straße von Hormus belasten weiterhin die Rohstoff‑ und Energiemärkte und schwächen Europas Versorgungssicherheit.
Nur ein breit angelegter Ausverkauf an den stark überkauften Aktienmärkten - getrieben von hohem Margin‑Leverage und einer überhitzten Halbleiter‑/AI‑Rallye - könnte in einem Liquidity‑Crunch auch Gold kurzfristig stark unter Druck setzen; unser Worst‑Case‑Szenario bleibt daher 3.500 US-Dollar.