Stand: 27.06.2013  0 Kommentare

Edelmetallexperte Johann A. Saiger geht davon aus, dass dem bisherigen Rückgang des Goldpreises keine nennenswerten Einbrüche mehr folgen werden. "Die Tiefstpreise haben wir gesehen oder sie stehen unmittelbar bevor", sagt der Verfasser und Herausgeber des Midas Investment Reports am 21. Juni 2013 im Interview mit dem DAF (Deutsches Anleger Fernsehen). In den hohen Belehnungen (kreditfinanzierten Käufen, auch "Margin Buying") von Aktien erkennt er hingegen klassische Crash-Warnsignale.

Finale Ausverkaufswellen beim Gold

Saiger zufolge befindet sich Gold seit September 2011 in einer Baisse. Beim jüngsten Preiseinbruch am 20. Juni 2013 handele es sich nach den deutlichen Kursrückgängen Mitte April und Mitte Mai um die dritte finale Ausverkaufswelle. Die Charttechnik und der Commitment of Traders Report, der die Handelspositionen am amerikanischen Futures- und Optionsmarkt aufführt, weisen darauf hin, dass sich Gold mittlerweile im stark überverkauften Bereich bewegt.

Darüber hinaus zeige die saisonale Entwicklung des Goldpreises in den vergangenen Jahrzehnten, dass Mitte bis Ende Juni häufig ein Tief markiert wird, "von dem aus die nächste Hausse-Welle beginnt." Es sei allerdings möglich, dass der Goldpreis kurzfristig noch einmal den Bereich von 1.250 Dollar testet. "Darauf will ich mich aber nicht verbeißen", sagt Saiger. Nach einem solchen möglichen "Mini-Crash" sei der Markt dann absolut frei für Neueinstiege. Der Experte empfiehlt, zur Sicherheit noch ein paar Tage abzuwarten und dann Gold zu kaufen.

Bedrohung aller Märkte durch amerikanische Geldpolitik

In der Ankündigung von Ben Bernanke, die Anleihekäufe der Fed in diesem Jahr zu reduzieren und bis Mitte nächsten Jahres vollständig einzustellen, sieht Saiger eine Bedrohung für alle Märkte. Das sei am Durchbrechen mehrerer runder und psychologisch wichtiger Marken nach den Äußerungen des amerikanischen Notenbank-Chefs erkennbar. Gold habe sich auf unter 1.300 Dollar (unter 1.000 Euro) verbilligt und Silber auf unter 20 Dollar (unter 15 Euro).

Zugleich seien die Marken von 8.000 Punkten beim DAX und von 15.000 Punkten beim Dow Jones Index unterschritten worden, dieZinsen für Anleihen seien gestiegen und der Dollar habe sich am Devisenmarkt deutlich gegenüber dem Euro verteuert. "Das waren Turbulenzen an allen Märkten. Man sollte das jetzt nicht nur auf die Edelmetalle beziehen", sagt Saiger.

Insider-Käufe bei Minenaktien

Den wichtigsten Goldminen-Index (HUI ) sieht Saiger in einer ähnlichen Situation wie nach den massiven Kursverlusten des Jahres 2008. Damals habe der HUI mit einem Rückgang von 500 Punkten auf 150 Punkte rund zwei Drittel seines Werts eingebüßt, während der Goldpreis einen Rückgang von etwa einem Drittel verzeichnete.

Seit den Höchstständen von 2011 haben sich der Goldpreis und der HUI um vergleichbare Anteile reduziert. "Ich sehe da nicht mehr die große Gefahr von einer Blase und gewaltigen Einbrüchen. Wir sind in der Schlussphase" (der Baisse ), meint der Experte.

Saiger stellt außerdem fest, dass die Direktoren und Präsidenten einiger Goldminengesellschaften massiv ihre eigenen Aktien zurückkaufen und die US-amerikanischen Banken in Gold und Minenwerte investieren. "Das sieht fantastisch aus. Im Moment besteht die Panik nur bei den Privatanlegern. Die Profis decken sich ein."

Crash-Warnsignale am Aktienmarkt

Während sich Edelmetalle schon seit 2011 in einer Baisse befinden, dauert die Aktienhausse bereits 50 Monate. "Hier kann sich schon eher eine Blase gebildet haben", sagt Saiger. Er definiert den Begriff der Aktienblase als einen Wert auf Kredit gekaufter (belehnter) Aktien, der mehr als 2,4 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) beträgt. Im April dieses Jahres haben die Aktienbelehnungen in den USA diesen Anteil wieder überschritten.

Diese Entwicklung sei als deutliches Warnsignal für einen bevorstehenden Crash am Aktienmarkt zu werten, wie die Kurseinbrüche der Jahre 1929, 1987, 2000 und 2007 zeigen, die ebenfalls durch Belehnungen im Wert von mehr als 2,4 % des BIP angekündigt wurden. Für den DAX wäre nach Saigers Einschätzung außerdem das Unterschreiten der 200 Tage Linie ein Hinweis drauf, dass es "jetzt gefährlich wird." Die 200-Tage Linie im Dax verläuft aktuell bei einem Punktestand von 7700 Punkten.

Der Experte rät Anlegern, grundsätzlich auf schwere Kurseinbrüche am Aktienmarkt in der zweiten Wochenhälfte zu achten, auf die keine Erholung am Freitag folgt. "Wenn am Freitag der totale Kurseinbruch kommt, dann ist der Schwarze Montag vorprogrammiert." Als "Schwarzer Montag" war der 19. Oktober 1987 in die Geschichtsbücher eingegangen. An diesem Tag verzeichnete der Down Jones Index einen Kursrückgang von 22,6 %.

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