Stand: 17.09.2019 von Jörg Bernhard 10 Kommentare

In der vergangenen Woche öffnete die EZB nach längerer Abstinenz wieder einmal die Geldschleusen. Außerdem meldeten diverse G20-Staaten aktuelle Inflationsraten für den Monat August (siehe Tabelle). Diese fielen auf den ersten Blick wenig beängstigend aus.

Inflation auf Talfahrt

Selbst in Ländern wie China, Indien und Mexiko fallen die Teuerungsraten relativ moderat aus. Auch in Deutschland muss man sich als Konsument angesichts von Preiszuwächsen in Höhe von 1,4 Prozent p. a. derzeit eher keine Sorgen machen.

August-Inflation diverser G20-Staaten Aug.-19 Dez.-18
Deutschland 1,40 1,60
Mexiko 3,16 4,83
China 2,80 1,90
Frankreich 1,00 1,60
Indien 3,21 2,11
Spanien 0,30 1,20
USA 1,70 1,90
Quelle: Trading Economics

Die EZB sorgt sich hingegen gerade um die nachlassende Preisdynamik, schließlich hat sie in den vergangenen Jahren immer wieder klargestellt, dass sie sich eine Inflation von etwa zwei Prozent wünscht.

Im vergangenen Jahr wurde ihr dieser Wunsch lediglich im Mai, Oktober und November erfüllt. Weil durch die unzähligen Rettungsmaßnahmen weltweit nicht nur die Geldmengen, sondern auch die Schulden regelrecht explodiert sind, ist der Wunsch der Notenbanker nach einer moderaten Geldentwertung durchaus nachvollziehbar, schließlich entwerten sich dadurch die Schulden „automatisch“.

Das Thema „Inflation“ spielte auch bei der am Donnerstag verkündeten Zinsentscheidung eine wichtige Rolle. Die Leitzinsen will man in der Eurozone nämlich so lange nahe Null lassen, bis sich die Inflation wieder in Richtung Zwei-Prozent-Marke bewegt.

Somit scheint das Kaufargument Inflationsschutz an den Goldmärkten auf den ersten Blick derzeit eher nicht zu greifen. Berücksichtigt man jedoch, dass weltweit Anleihen im Billionendollarvolumen negative Renditen ausweisen, wird offensichtlich, dass sich Kapital auch bei relativ geringen Teuerungsraten sukzessive entwerten kann. 

Kritik an der Berechnung der Inflation

Wer kennt diese Volksweisheit nicht?

Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.

Bei der Berechnung der Inflation laufen Statistiker regelrecht zur Höchstform auf – und ihre Kritiker auch. Letztere bemängeln unter anderem, dass der zusammengestellte Warenkorb nicht sonderlich repräsentativ und somit falsch sei. Weil sich die Gewohnheiten der Konsumenten deutlich schneller ändern als dessen Zusammensetzung, wird der Warenkorb höchstwahrscheinlich immer der Realität hinterherhinken.

Deutlich schwerer wiegt aber vor allem die Kritik, welche die Teuerungsrate als falsch und viel zu niedrig zu entlarven versucht. Die dabei angewandte hedonische Bewertungsmethode wird besonders heftig kritisiert. Vereinfacht ausgedrückt schlagen sich Verbesserungen der Leistung oder der Qualität der Produkte in einer abgeschwächten Teuerung nieder. 

So sind zum Beispiel die Macher der Internetseite shadowstats.com der Ansicht, dass die „wahre“ US-Inflation derzeit nicht unter zwei Prozent, sondern vielmehr unter sechs Prozent liegt. 

Ausblick für die laufende Woche

In dieser Woche lautet das Motto: Nach der Zinsentscheidung ist vor der Zinsentscheidung. Nachdem die Europäische Zentralbank am vergangenen Donnerstag ihren Einlagenzins von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent gesenkt hat und ab November erneute Anleihekäufe im Volumen von 20 Milliarden Euro pro Monat angekündigt hat, warten die Akteure an den Goldmärkten nun gespannt, was die US-Notenbank Fed am morgigen Mittwoch beschließen wird.

Laut FedWatch-Tool des Terminbörsenbetreibers CME Group gilt eine Zinssenkung um 25 Basispunkte als sehr wahrscheinlich. Hierfür wird nämlich aktuell ein Wert von über 84 Prozent angezeigt. Trotz der Preissteigerung um in der Spitze mehr als 20 Prozent binnen weniger Monate, blieb die Krisenwährung von einer nennenswerten Korrektur bislang verschont. Die Sorgen hinsichtlich einer drohenden Rezession und der historisch hohen Preise bei Aktien, Anleihen und Immobilien wollen sich offensichtlich einfach nicht verflüchtigen.

Langfristig denkende Investoren sollten das tägliche Marktrauschen ohnehin ausblenden und unabhängig vom Preisniveau regelmäßig Gold kaufen. Der bei Sparplänen greifende Cost-Average-Effekt wirkt sich nämlich nicht nur bei Aktien und Fonds, sondern auch beim gelben Edelmetall positiv aus.

Übrigens: Einige Edelmetallhändler bieten auch Sparpläne auf physisches Gold an, schließlich steht die Altersvorsorge der Bundesbürger nicht gerade auf sonderlich stabilen Beinen.

Gold: Niedrige Inflation – na und!
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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Kommentare [10]
  • von der deutsche Michel | 18.09.2019, 23:05 Antworten

    Laut Merklscher Regierung ( Olaf Scholz ) der, vertaut ja sein ganzes Geld dem Sparbuch und dem Tagesgeldkonto an , da merkt man ja wie INKOMPETENT diese sogenannten FACHLEUTE sind. Und solchen [...] soll man Vertrauen !!! Da hilft nur noch Gold !!!

  • von Klaus Schimano | 18.09.2019, 16:08 Antworten

    Wenig inflation heist das ein Videorecorder oder Casettenrecorder heute viel günstiger zu haben ist Der Warenkorb ist der größte Volksbetrug aller zeiten.

  • von Thomas Richter | 17.09.2019, 15:41 Antworten

    Man brauch sich nur die Preise für Wohnungen, Häuser und die Mietpreise anschauen. Dann brauch man sich noch die Preise im Media Markt anschauen usw.

    Die Frage ist dann nur noch, hat der Normalverdiener hier überhaupt noch eine Überlenbenschance?

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