Stand: 29.10.2018  2 Kommentare

Einige Notenbanken verspüren derzeit einen wachsenden Goldappetit und stocken ihre Goldreserven mitunter kräftig auf. Auch in Europa ist dieser Trend zu beobachten. Ein regelrechter Kaufrausch war Mitte Oktober zum Beispiel bei Ungarns Zentralbank registriert worden.

Vertrauen in Währungen lässt nach

Es gibt Notenbanken, die über besonders hohe Goldreserven verfügen. Dabei handelt es sich um die Notenbanken:

  • USA (8.133,5 t)
  • Deutschlands (3.369,8 t)
  • Italiens (2.451,8 t)
  • Frankreichs (2.436,0 t)
  • Russlands (1.998,5 t)

Die erwähnten Mengenangaben stammen vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und datieren vom August bzw. Juli 2018.

Doch bei einigen „Währungshütern“ haben sich die Goldbestände mittlerweile deutlich verändert. So hat zum Beispiel die russische Zentralbank im September den größten monatlichen Goldkauf des Jahres 2018 getätigt. Mit dem Erwerb von 1,2 Millionen Feinunzen (37,32 Tonnen) belaufen sich die Goldbestände des Landes auf nunmehr 2.037,27 Tonnen. Damit sind die Nettokäufe für das Jahr 2018 auf über 199 Tonnen angestiegen, wobei der Goldhunger im März und Juni mit 300.000 bzw. 500.000 Feinunzen relativ gering ausgefallen war (siehe Tabelle).

Russlands Goldkäufe im Jahr 2018

Monat Nettokäufe in Tonnen
Januar 18,66
Februar 24,88
März 9,33
April 18,66
Mai 18,66
Juni 15,55
Juli 24,88
August 31,10
September 37,32
insgesamt 199,04
Quelle: Zentralbank der Russischen Föderation

Möglich wurde dies vor allem durch den massiven Verkauf von US-Staatsanleihen, was auch auf die Sanktionen der USA gegen Russland zurückzuführen war. Erklärtes Ziel ist es, die Abhängigkeit vom Dollar zu reduzieren. Dies dürfte aber nicht leicht werden, schließlich gilt Russlands Wirtschaft als extrem rohstofflastig und hier wird weltweit vor allem in Dollar abgerechnet.

Ungarns Zentralbank: Erster Kauf seit 32 Jahren

Mengenmäßig fiel der im Oktober getätigte Goldkauf der ungarischen Zentralbank mit 28,4 Tonnen zwar weniger gewichtig als die russische Transaktion aus, Anleger sollten ihr dennoch einen hohen Stellenwert einräumen. Zum einen, weil die Ungarn letztmals 1986 Gold gekauft haben und zum anderen, weil sich dadurch die bisherigen Goldbestände auf 31,5 Tonnen mehr als verzehnfacht haben.

Begründet wurde die Maßnahme mit dem Ziel, die Finanzstabilität zu verbessern und das Vertrauen in die ungarische Wirtschaft zu stärken. Außerdem merkten die Notenbanker an, dass man mit den Goldkäufen dem internationalen Trend zu höheren Goldreserven folge. In der Anfang Oktober geführten Goldreserven-Statistik des IWF dürfte sich Ungarn (Rang 89) nach den jüngsten Goldkäufen um mehr als 30 Plätze verbessert haben.

Außerdem hat sich der Goldanteil an den Währungsreserven von mageren 0,4 auf immerhin 4,4 Prozent erhöht. Damit rangiert man aber weiterhin deutlich hinter den Top-Five. Deren Quoten bewegen sich nämlich in einer Bandbreite zwischen 16,8 Prozent (Russland) und 73,5 Prozent (USA). Übertragen auf das Sicherheitsbedürfnis eines Privatanlegers lässt sich konstatieren, dass eine Goldquote von 4,4 Prozent am liquiden Geldvermögen sicherlich zu knapp bemessen wäre.

Ich plädiere für einen Goldanteil von mindestens zehn Prozent plus x, schließlich kann niemand den Fortbestand bzw. die Wertbeständigkeit von Dollar und Euro garantieren. Gold kann zwar schwanken, verfügt auf lange Sicht aber über die besseren Überlebenschancen.

Ausblick für die laufende Woche

An den internationalen Aktienmärkten wird es stürmischer. Fallende Aktienindizes und steigende Volatilitätsindizes sind hierfür der beste Beweis. Seit dem Jahreswechsel ging es zum Beispiel mit dem Volatilitätsindex VDAX-New (deutsche Blue Chips) um 68 Prozent und mit dem VSTOXX (europäische Blue Chips) um 76 Prozent nach oben.

Noch deutlicher kann man die wachsende Verunsicherung am VIX (US-amerikanische Blue Chips) ablesen, der 2018 um 119 Prozent regelrecht explodiert ist. In einer solchen Marktphase sollte man sich nicht wundern, dass der Krisenschutz Gold spürbar teurer wird.

Eines sollten Anleger bei der Beurteilung der aktuellen Gemengelage aber auf keinen Fall außer Acht lassen: Unter den wenigen Anlageklassen weist das gelbe Edelmetall erhebliches Nachholpotenzial auf, schließlich wurde das alte Rekordhoch auf Dollarbasis vor sieben Jahren und auf Eurobasis vor sechs Jahren erzielt, während US-Aktienindizes noch vor wenigen Monaten in Rekordlaune waren. Bis zu diesen Höchstmarken fehlen dem Goldpreis (USD) derzeit 54 bzw. 28 Prozent Goldpreis in Euro.

Ein Grund mehr, kein Gramm Gold aus der Hand zu geben.

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Kommentare [2]
  • von ernst Karwinski | 02.11.2018, 11:37 Antworten

    wer jetzt verkauft kommt mit einem blauen Auge davon

  • von Klaus | 29.10.2018, 17:02 Antworten

    Seit dem Allzeithoch 2012 ist der Goldpreis drastisch gefallen und nun eher in einer Seitwärtsbewegung. Langfristig gesehen ist der nächste starke Anstieg in 14 bis 20 Jahren. Also nur Mut liebe Schreiber, es sind ja nur noch 14 Jahre bis zur nächsten richtigen Goldhausse.

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