Stand: 14.12.2015 von Jörg Bernhard 0 Kommentare

Am kommenden Mittwoch beschert Fed-Chefin Janet Yellen der globalen Finanzwelt höchstwahrscheinlich die erste Erhöhung der US-Leitzinsen seit fast zehn Jahren. Beim Goldpreis sollte diese seit Monaten angekündigte geldpolitische Maßnahme bereits eingepreist sein - aber sicher darf man sich heutzutage nie sein. Dafür sind die Zeiten einfach zu unsicher.

Der beschleunigte Ölpreisverfall hat den Inflationsschutz Gold in diesem Jahr relativ "alt" aussehen lassen. Am Freitag wurde für Deutschland eine wenig beängstigende November-Teuerungsrate in Höhe von 0,4 Prozent p.a. (siehe Tabelle) gemeldet. Dies lag vor allem daran, dass der Energiesektor innerhalb des Verbraucherpreisindex stark gewichtet ist und die auf Jahressicht hohen Preisrückgänge bei Heizöl (-23 Prozent), Benzin (-8,8 Prozent) und Diesel (-9,9 Prozent) die Preisentwicklung nach oben gebremst haben. Höhere Ausgaben bei Miete (+1,1 Prozent), Nahrungsmitteln (+2,3 Prozent), Gesundheitspflege (+1,8 Prozent) sowie Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen (+2,5 Prozent) zeigen aber auf, dass ein Nachgeben der Preise auf breiter Front - also eine Deflation - derzeit kein Thema ist. Am Freitag veranlasste dies die Europäische Zentralbank, in einem Punkt Entwarnung zu geben: Laut EZB-Direktor Benoit Coeuré sei die Gefahr einer Deflation "vom Tisch". Sollte es im kommenden Jahr ein Comeback der Inflation in Richtung zwei Prozent geben, könnte dies auch zu einem Comeback des Goldpreises führen.

Verbraucherpreisindex für Deutschland

  Index Veränderung Veränderung
Monat / Jahr 2010 = 100 p.a. in % Vormonat in %
November 2014 106,70 0,60 0,00
Dezember 2014 106,70 0,20 0,00
Januar 2015 105,60 -0,30 -1,00
Februar 2015 106,50 0,10 0,90
März 2015 107,00 0,30 0,50
April 2015 107,00 0,50 0,00
Mai 2015 107,10 0,70 0,10
Juni 2015 107,00 0,30 -0,10
Juli 2015 107,20 0,20 0,20
August 2015 107,20 0,20 0,00
September 2015 107,00 0,00 -0,20
Oktober 2015 107,00 0,30 0,00
November 2015 107,10 0,40 0,10

Quelle: Statistisches Bundesamt

Chinas Notenbank bleibt in Kauflaune

Im Juni dieses Jahres hat die chinesische Notenbank erstmals seit April 2009 den Stand der landeseigenen Goldreserven aktualisiert. Der damals gemeldete Lagerzuwachs um mehr als 600 Tonnen auf 1.658 Tonnen fiel absolut betrachtet zwar ausgesprochen üppig und dennoch geringer als von Marktanalysten erwartet aus. Seit Juni kommunizieren die Chinesen im monatlichen Rhythmus den aktuellen Stand ihrer Goldreserven. In der vergangenen Woche meldete die Nachrichtenagentur Reuters, dass Chinas Notenbank weiterhin verstärkt auf Gold zur Diversifikation der Währungsreserven setzt. Demzufolge sollen im November fast 21 Tonnen Gold gekauft und die gehaltene Goldmenge auf mehr als 1.743 Tonnen erhöht worden sein. Weltweit haben vor allem zwei Länder, denen kein sonderlich gutes Verhältnis zum Heimatland der Weltleitwährung USA nachgesagt wird, einen besonders starken Appetit auf Gold: China und Russland.

Beide Länder gehören zu den acht Länder bzw. Institutionen, die über einen Goldbesitz von mehr als 1.000 Tonnen Gold verfügen. In der der vergangenen Woche veröffentlichte der World Gold Council ein Update zu den Goldreserven. Nicht sämtliche aufgeführten Positionen - wie zum Beispiel die der Chinesen - enthalten bereits die im November getätigten Transaktionen, die globale Verteilung lässt sich daraus aber gut erkennen. Und eines ist dabei offensichtlich: Mit einer Goldquote von 1,8 Prozent (China) bzw. 13,6 Prozent (Russland) bei den Währungsreserven verfügen beide Länder gegenüber den zwei "Goldgiganten" USA (73,4 Prozent) und Deutschland (67,7 Prozent) noch über erhebliches Nachholpotenzial. Während Dollars und Euros im Grunde genommen lediglich aus Papier bestehen und von der Hoffnung leben, dieses auch in Zukunft gegen Waren oder Dienstleistungen austauschen zu können, wird Gold - Schwankung hin, Schwankung her - höchstwahrscheinlich auch in den kommenden Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten einen erheblichen Wert haben.

Ausblick für die laufende Woche

Der Countdown hat begonnen: Am Mittwochabend wird das Ergebnis der letzten Fed-Sitzung des Jahres veröffentlicht und im Rahmen einer Pressekonferenz mit Fed-Chefin Janet Yellen ausführlich kommuniziert. Glaubt man dem vom Terminbörsenbetreiber CME Group entwickelten "FedWatch-Tool" liegt die Wahrscheinlichkeit für den ersten Zinsschritt nach oben seit fast 10 Jahren inzwischen bei immerhin 79 Prozent. Allein diese geldpolitische Maßnahme sollte an den Finanzmärkten keine größere Verunsicherung hervorrufen, schließlich wird seit Monaten viel darüber geredet und ähnlich viel darüber geschrieben. Für ein hohes Maß an Spannung ist dennoch gesorgt. Insbesondere die ebenfalls anstehenden einmal pro Quartal veröffentlichten Fed-Prognosen zum BIP-Wachstum, zur Inflation und zum Arbeitsmarkt der USA könnten je nach Tenor hohe Wellen schlagen. Klingt Yellen bei ihren Statements eher wie eine "Taube", stehen die Chancen auf einen positiven Jahresausklang relativ gut. Sollte sie sich hingegen eher wie ein "Falke" anhören, könnte dies an den Finanzmärkten zu erhöhtem Verkaufsdruck sorgen - möglicherweise auch bei Gold. Wussten Sie eigentlich, dass das Falke-Taube-Spiel in der Wissenschaft als evolutionäre Spieltheorie definiert wird? Manchmal hat man den Eindruck, dass Notenbanken mit der Zukunft der globalen Finanzsysteme ebenfalls spielen. Eines dürfte dabei sicher sein: Seit Jahren erleben wir das größte geldpolitische Experiment aller Zeiten - mit völlig offenem Ausgang.

WORLD OFFICIAL GOLD HOLDINGS

NR:   Tonnes % of reserves** NR.   Tonnes % of reserves**
1 United States 8.133,5 73,4 % 51 Malaysia 37,9 1,5 %
2 Germany 3.381,0 67,7 % 52 WAEMU 3) 36,5 10,2 %
3 IMF 2.814,0 1) 53 Peru 34,7 2,1 %
4 Italy 2.451,8 65,6 % 54 Slovakia 31,7 40,3 %
5 France 2.435,5 65,6 % 55 Azerbaijan 30,2 11,9 %
6 China 1.722,5 1,8 % 56 Ukraine 27,4 7,2 %
7 Russia 1.370,6 13,6 % 57 Syria 25,8 5,4 %
8 Switzerland 1.040,0 6,4 % 58 Morocco 22,0 3,6 %
9 Japan 765,2 2,3 % 59 Sri Lanka 22,0 11,8 %
10 Netherlands 612,5 56,5 % 60 Afghanistan 21,9 11,2 %
11 India 557,7 5,8 % 61 Nigeria 21,4 2,4 %
12 ECB 504,8 25,8 % 62 Serbia 17,9 5,6 %
13 Turkey6) 500,9 15,3 % 63 Cyprus 13,9 60,7 %
14 Taiwan 423,6 3,5 % 64 Bangladesh 13,8 1,9 %
15 Portugal 382,5 72,9 % 65 Cambodia 12,4 6,7 %
16 Venezuela 361,0 67,4 % 66 Qatar 12,4 1,2 %
17 Saudi Arabia 322,9 1,8 % 67 Ecuador 11,8 12,3 %
18 United Kingdom 310,3 8,6 % 68 Czech Republic 10,0 0,6 %
19 Lebanon 286,8 20,9 % 69 Tajikistan 8,9 71,4 %
20 Spain 281,6 18,8 % 70 Mauritius 8,9 7,8 %
21 Austria 280,0 43,5 % 71 Laos 8,9 27,1 %
22 Belgium 227,4 33,9 % 72 Ghana 8,7 7,0 %
23 Kazakhstan 216,3 27,8 % 73 Paraguay 8,2 5,0 %
24 Philippines 195,6 8,9 % 74 Myanmar 7,3 3,6 %
25 Algeria 173,6 3,8 % 75 Guatemala 6,9 3,3 %
26 Thailand 152,4 3,5 % 76 Macedonia 6,8 10,4 %
27 Singapore 127,4 1,8 % 77 Tunisia 6,8 3,3 %
28 Sweden 125,7 7,8 % 78 Latvia 6,6 6,8 %
29 South Africa 125,2 10,0 % 79 Ireland 6,0 10,5 %
30 Mexico 121,7 2,5 % 80 Lithuania 5,8 22,1 %
31 Libya 116,6 5,0 % 81 Mozambique 5,6 7,3 %
32 Greece 112,6 70,1 % 82 United Arab Emirates 5,0 0,3 %
33 BIS2) 108,0 1) 83 Nepal 4,9 2,8 %
34 Korea 104,4 1,0 % 84 Bahrain 4,7 2,9 %
35 Romania 103,7 9,9 % 85 Brunei Darussalam 4,5 5,3 %
36 Poland 102,9 3,7 % 86 Kyrgyz Republic 4,1 8,1 %
37 Iraq 89,8 4,9 % 87 Colombia 3,5 0,3 %
38 Australia 79,9 6,4 % 88 Slovenia 3,2 12,1 %
39 Kuwait 79,0 8,8 % 89 Aruba 3,1 15,4 %
40 Indonesia 78,1 2,8 % 90 Hungary 3,1 0,3 %
41 Egypt 75,6 15,8 % 91 Bosnia and Herzegovina 3,0 2,3 %
42 Brazil 67,2 0,7 % 92 Canada 3,0 0,1 %
43 Denmark 66,5 3,1 % 93 Luxembourg 2,2 10,5 %
44 Pakistan 64,5 12,7 % 94 Hong Kong 2,1 0,0 %
45 Argentina 61,7 8,4 % 95 Iceland 2,0 1,6 %
46 Finland 49,1 17,3 % 96 Papua New Guinea 2,0 3,7 %
47 Bolivia 42,5 10,7 % 97 Trinidad and Tobago 1,9 0,6 %
48 Belarus4) 41,7 32,8 % 98 Haiti 1,8 3,5 %
49 Jordan 41,1 8,5 % 99 Albania 1,6 1,9 %
50 Bulgaria 40,2 6,6 % 100 Yemen 1,6 1,1 %

International Financial Statistics, December 2015*

Gold: Null Inflation sorgt für null Interesse
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
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