Stand: 04.04.2018 von Florian Grummes 7 Kommentare

Seit dem Hoch am 25. Januar 2018 bei 1.365 US-Dollar konnte sich der Goldpreis in einem schwierigen Marktumfeld (Korrektur an den Aktienmärkten, Crash an den Kryptomärkten, schwacher US-Dollar, steigende Zinsen) doch recht gut behaupten. Offensichtlich kommt dem Gold hier sein Charakter als "sicherer Hafen" zugute.

Nach wie vor bewegen sich die Notierungen in unmittelbarer Nähe zur alles entscheidenden Widerstandszone 1.350 – 1.375 US-Dollar. Gleichzeitig läuft der Goldpreis aber auch seit Jahresbeginn zwischen 1.305 US-Dollar und 1.365 US-Dollar seitwärts, ohne dass sich Bullen oder Bären hätten durchsetzen können. Beim Silber und den Minenaktien verlief die Kursentwicklung hingegen wesentlich schwächer.

Angesichts der ungünstigen saisonalen Frühjahrsmonate wäre es nicht verwunderlich, wenn der Goldpreis jetzt bis in den Juni hinein noch einmal auf Tauchstation gehen würde. Dann könnte im Frühsommer der erfolgreiche Ausbruch aus dem aufsteigenden Dreieck und über die harte Widerstandszone mit genügend "Munition" in Angriff genommen werden.

Tageschart Gold in US-Dollar

Marktbericht

Grundsätzlich sind Monats-, Wochen- und Tages-Chart bullisch einzustufen. Allerdings befindet sich die Volatilität auf einem sehr niedrigen Niveau, wodurch sich das Kursgeschehen insgesamt eher schleppend über die Bühne zieht.

Auf dem Tageschart konnte sich der Goldpreis am Ostermontag deutlich erholen, ohne dass die Marke von 1.340 US-Dollar bislang nachhaltig zurückerobert werden konnte. Vorausgegangen war ein Rücksetzer vom kürzlich erreichten Hochpunkt bei 1.355 US-Dollar, in dessen Folge die Marktlage im Bereich um 1.323 US-Dollar kurzfristig bereits wieder stark überverkauft war. Die scharfe Erholung zum Wochenauftakt war also keine Überraschung, sondern nur eine konsequente Reaktion auf den vorangegangenen Abverkauf.

Nun hat sich die Sachlage allerdings erneut gedreht, denn kurzfristig ist der Goldmarkt schon wieder überkauft. Damit bleibt ein erfolgreicher und direkt anstehender Ausbruch über die entscheidende Widerstandszone 1.350 – 1.375 US-Dollar weiterhin fraglich. Je überkaufter die Marktlage bei Kursen oberhalb von 1.350 US-Dollar, umso dünner ist die Luft und umso weniger Munition besitzen die bullischen Kräfte dann noch.

Idealerweise startet die "Ausbruchrally" daher von einer stark überverkauften Lage, die nicht nur auf den ganz kurzfristigen Zeiteinheiten vorliegen sollte, sondern vor allem auch den Tages- und Wochenchart bereinigen haben müsste.

Mit einem Rücksetzer unter das Unterstützungsbollwerk der Bullen im Bereich um 1.305 US-Dollar, könnte dies in den kommenden zwei Monaten gelingen. Dann wäre der Weg frei, um die 200-Tagelinie (1.293 US-Dollar) zu testen und vorübergehend zu unterschreiten. Zusammen mit dem 61,8%-Fibonacci Retracement im Bereich bei 1.285 US-Dollar ließe sich daher eine potentielle Kaufchance im Bereich um 1.275 – 1.295 US-Dollar ableiten.

Alternativ könnten die Bullen das Kursgeschehen aber auch in den "schwierigen Frühlingsmonaten" oberhalb von 1.300 US-Dollar halten. Natürlich ist ebenso ein direkter also unmittelbar bevorstehender Ausbruch über 1.350 US-Dollar möglich. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich in diesen beiden Fällen dann aber um eine nachhaltige Bewegung handelt, ist jedoch eher gering.

Marktbericht

Blickt man zudem auf die neuesten Zahlen vom Terminmarkt, wird klar, dass sich die kommerziellen Händler mal wieder mit aller Kraft gegen die steigenden Kurse stellen und eine deutlich zu hohe Short-Position halten. Hier dürfte erst noch eine Bereinigung notwendig werden, bevor der Goldmarkt wieder nachhaltig durchstarten kann.

Marktbericht

Ebenso mahnt die Saisonalität weiterhin zur Vorsicht. Bis Ende Juni/Anfang Juli gab es im statistischen Durchschnitt der letzten vierzig Jahre meist einen Kursrückgang.

Am realistischen erscheint daher auf Sicht der nächsten zwei bis drei Monate eine eher gedämpfte bzw. rückläufige Preisentwicklung am Goldmarkt. Kommt es dabei idealerweise zu einer stark überverkauften Lage und einer deutlichen Zunahme der Pessimisten, dürfte der Goldmarkt im Frühsommer wieder eine ausgezeichnete Kaufgelegenheit für Antizykliker liefern. Im zweiten Halbjahr wären dann sowohl der Ausbruch über 1.350 US-Dollar als auch eine Rally bis maximal 1.525 US-Dollar zu erwarten.

Tageschart Gold in Euro

Marktbericht

In Euro gerechnet konnten sich die Preise ab Ende März ausgehend von 1.065 Euro leicht auf 1.095 Euro erholen. Dennoch bleiben das gesamte Kursgeschehen als auch die tägliche Handelsspanne mehr als überschaubar.

Immerhin notiert der Euro-Goldpreis jetzt wieder oberhalb seiner 200-Tagelinie (1.084 Euro), womit sich ein weiterer Schritt in Richtung Stabilisierung und zudem ein nur noch sehr geringes Abwärtsrisiko ablesen lässt. Gleichzeitig ist das obere Bollinger Band (1.091 Euro) aber bereits erreicht worden, so dass die Luft schon wieder dünn wird.

Insgesamt könnte die extrem ruhige Marktphase durchaus noch einige Monate länger anhalten, die Erholung in den letzten zwei Wochen sollte aber klar machen, dass man sich darauf nicht verlassen darf. Die Phase günstiger Preise unterhalb von 1.100 Euro kann auch ganz schnell beendet sein.

Nachkauflimit unterhalb von 1.070 Euro

Wer das zuletzt empfohlene Nachkauflimit unterhalb von 1.070 Euro genutzt hat, kann derzeit ohne akuten Handlungsbedarf in Ruhe die Preisentwicklung verfolgen.

Für alle diejenigen, die noch immer nicht zumindest 10 % ihres Gesamtvermögens in physische Edelmetalle angelegt und damit versichert haben, empfiehlt sich weiterhin ein Nachkauflimit unterhalb von 1.070 Euro.

Bitte erwarten Sie hier keine fulminanten Kursgewinne, sondern machen Sie sich nochmals klar, dass es sich bei Edelmetallen um eine Versicherung gegen dramatische Verwerfungen an den Finanzmärkten handelt!

Auch wenn die Performance im Vergleich zu anderen Anlageklassen in den letzten Jahren eher enttäuschend war, führt an den Edelmetallen als Stabilisator und ruhender Anker kein Weg vorbei.

Gold: Nur Geduld, der Ausbruch kommt
Florian Grummes - Florian Grummes ist unabhängiger Finanzanalyst und Berater sowie internationaler Referent mit über 20 Jahren Erfahrung auf den Finanzmärkten. Dabei hat sich Herr Grummes auf die Edelmetalle, Kryptowährungen und die technische Analyse spezialisiert. Mit der Kombination aus technischer, fundamentaler sowie Sentiment Analyse gelingt ihm häufig eine akkurate Konklusion und Prognose zum Goldmarkt.
Webseite des Autors:
www.goldnewsletter.de
Weitere Beiträge:
MEISTDISKUTIERTE ARTIKEL
MEISTGELESENE ARTIKEL
Kommentar zum Artikel schreiben
Sicherheitsfrage: wie viele Münzen sehen Sie?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar zur Veröffentlichung auf gold.de gespeichert wird. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit für die Zukunft per Mail an [email protected] widerrufen.
Hier finden Sie unsere Datenschutzerklärung.
Kommentare [7]
  • von Heinz Overbeck | 12.04.2018, 16:24 Antworten

    in 5 Jahren seht der Goldpreis im mittel bei 1400 Dollar

    • von Fritzthecat | 13.04.2018, 11:51 Antworten

      Könnten Sie mir auch die Lottozahlen für die nächste Ziehung schicken?
      Bewerben Sie sich doch als Analyst bei der Deutschen Bank. So Leute brauchen die.

    • von Josef97 | 12.04.2018, 18:50 Antworten

      Glaskugel oder Orakel befragt?

  • von Goldfinger | 05.04.2018, 01:00 Antworten

    Interessant ist ja folgendes für uns in Deutschland bzw. Europa: Wann auch immer der Goldpreis klettert wird immer sofort der Dollarkurs schwächer. Als ob da irgendjemand auf der Leitung steht um zu verhindern das wir hier einmal etwas vom steigenden Goldpreis haben. Ich finde das gruselig.

    • von Christian G | 05.04.2018, 06:46 Antworten

      Es ist falsch anzunehmen, dass der Dollar der Stabilitätsanker schlechthin ist, nur weil alles damit gehandelt wird. Wenn man Gold als Basis nimmt, und den Dollar als normale Währung betrachtet, wie jede andere auch, dann ergibt das einen Sinn.

  • von Wolf | 04.04.2018, 19:31 Antworten

    Ich glaube, die EM Preise schießen jetzt nach oben,da Tramp seinen Handelskrieg begonnen hat . . . aber pustekuchen . . . Die täglichen Seitwärts und Abwärtsbewegungen werden mir wohl immer ein Rätsel bleiben !

    • von Christian G | 04.04.2018, 20:34 Antworten

      Nicht direkt ein Rätsel. In den Medien werden alle Themen aufgebauscht, und aus Mücken Elefanten gemacht. Der beschworene "Handelskrieg" ist lediglich Protektionismus, den jedes Land mehr oder weniger betreibt, nur eben meist ohne Medienbegleitung. Solange keine ernsthaften Wirtschaftsprobleme zu befürchten sind, wird Gold noch weiter dahinsiechen. Nicht den Mainstream-Medien unkritisch glauben schenken, sondern hinterfragen. Das gilt auch in anderen Themenbereichen.

Copyright © 2009-2018 by Gold.de - Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur, sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr. Sie betrachten die Seite: Gold.de - Gold und Silber kaufen im Preisvergleich

Handcrafted with in Baden-Württemberg, Germany