Stand: 08.10.2019 von Jörg Bernhard 6 Kommentare

Am 12. September senkte die Europäische Zentralbank ihren Einlagenzins für Kreditinstitute von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent. Dadurch wird Bargeld von deutschen Banken und den Bürgern verstärkt gehortet.

Auch Privatanleger von Negativzins betroffen

Das Finanzportal biallo.de weist in einer Auflistung darauf hin, dass mittlerweile über 30 deutsche Banken auf unterschiedliche Weise diese Kosten an ihre Privatkunden weiterreichen, Tendenz steigend. Die meisten Finanzinstitute haben Guthaben unter 100.000 Euro bislang verschont. Sollte die EZB aber weiter an der Schraube für Einlagenzinsen drehen, drohen auch Durchschnittssparern Strafzinsen

In der Vergangenheit haben einige Banken im Zuge von Marketingaktionen (meist für Neukunden) Tagesgeldkonten von mindestens einem Prozent angeboten, doch seit dem 1. Oktober sucht man die Eins vor dem Komma vergeblich. Mit der ING und der Advanzia Bank haben nämlich die letzten Banken ihre relativ attraktiven Zinsangebote zurückgezogen.

Mit Blick auf die erzielbaren Renditen macht auch der Kauf deutscher Bundesanleihen absolut keinen Sinn, schließlich weisen selbst Papiere mit einer Restlaufzeit von 20 Jahren derzeit negative Renditen in Höhe von minus 0,31 Prozent aus. Bei einjährigen Anleihen fällt sogar ein Strafzins von 0,70 Prozent an.

Im Zuge dieser Entwicklung hat sich die Geldmenge M1, die sich aus Bargeld und täglich fälligen Einlagen (Sichteinlagen) zusammensetzt, zuletzt deutlich erhöht. So meldete die EZB für den Monat August eine Steigerung um 8,4 Prozent p.a. und für Juli ein Plus von 7,8 Prozent p.a. 

Dies alles deutet darauf hin, dass in Deutschland – allen Unkenrufen zum Trotz – Bargeld weiterhin sehr gefragt ist.

Eine im Februar von der Deutschen Bundesbank veröffentlichte Studie zum Thema "Bargeld" kam übrigens zu demselben Schluss. Im Einzelhandel würden drei von vier Zahlungen sowie mehr als die Hälfte sämtlicher Umsätze bar abgewickelt. Außerdem würden Barzahlungen schneller erfolgen und zudem weniger Kosten verursachen. 

Unter Renditeaspekten und Sicherheitsaspekten bietet sich das Horten von Bargeld allerdings nicht an, schließlich schlägt hier die Inflation besonders erbarmungslos zu. Weil der Materialwert von Bargeld gegen null tendiert, sollte ein Teil des Vermögens mehr denn je in Gold gebunkert werden.

Gold: Von Zinsnachteil keine Spur

Zumindest hier zu Lande haben sich bei Goldinvestments die aus dem Zinsverzicht ergebenden Opportunitätskosten mittlerweile völlig in Luft aufgelöst. Weil die inflationsbereinigten Realzinsen mittlerweile zu einer vorprogrammierten Geldentwertung von deutlich über einem Prozent führen, sollten Investoren den Zinsnachteil von Gold für die nächsten Jahre erst einmal aus dem Wortschatz streichen. 

Besonders interessant: Sollte die EZB ihre Einlagenzinsen auf minus 0,6 Prozent senken, entspräche dies dem Gebührensatz den große Edelmetallhändler für das professionelle Verwahren eines Goldvermögens in Höhe von 100.000 Euro derzeit verlangen. Meine persönliche Meinung: Diese Lagerkosten scheinen eher gerechtfertigt zu sein als die von der EZB verlangten Kosten für das Deponieren von Geld.

Goldpreis in US-Dollar – 1 Jahr

Goldpreis in USD bis Anfang Oktober 2019 - letzte 4 Monate

Ausblick für die laufende Woche

Erstmals konnte man dem Goldpreis in diesem Jahr eine markante technische Korrektur attestieren. Gemessen vom Anfang September erzielten Jahreshoch verlor das gelbe Edelmetall in der Spitze fünf Prozent (siehe Chart). Der Verkaufsdruck kam zuletzt auch von den Terminbörsen, wo große Terminspekulanten allein in der Woche zum 1. Oktober per Saldo 43.500 Futures abgestoßen haben. Da ein Kontrakt den Gegenwert von 100 Feinunzen Gold bewegt, entsprach dies auf dem Papier einer Goldmenge von immerhin 135 Tonnen.

Im ETF-Sektor hielt sich das Abgabeinteresse hingegen in Grenzen. So hat zum Beispiel die gehaltene Goldmenge des weltgrößten Gold-ETF seit Ende August von 878,31 auf 923,76 Tonnen zugenommen. Exportorientierte Volkswirtschaften wie zum Beispiel China, Japan sowie Deutschland leiden weiterhin unter dem Handelskrieg zwischen China und den USA. 

Am Donnerstag treffen sich die beiden Konfliktparteien wieder einmal um nach einer Lösung zu suchen. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies gelingt, dürfte allerdings relativ gering sein. Im Falle einer Einigung wäre jedoch mit einem erneuten Rutsch unter die Marke von 1.500 Dollar zu rechnen. 

Seit dem Jahreswechsel hat sich der Vermögensschutz dennoch deutlich besser als DAX und Dow-Jones entwickelt – und das, obwohl das gelbe Edelmetall weder Zinsen noch Dividenden zu bieten hat.

Gold: Nutznießer der Negativzinsen
Jörg Bernhard - Jörg Bernhard ist diplomierter Betriebswirt (FH) und arbeitet seit dem Jahr 2002 als freier Wirtschaftsjournalist in München. In den vergangenen Jahren hat er sich auf Edelmetall- und Rohstoffinvestments sowie Anlagezertifikate spezialisiert. Zuvor war er mehr als acht Jahre bei einem Münchner Verlag aus dem Bereich Wirtschaftspresse angestellt.
Du hast eine Meinung dazu? Her damit!
Sicherheitsfrage: wie viele Münzen siehst du?
Fragen über Fragen
Ich stimme zu, dass mein Kommentar zur Veröffentlichung auf GOLD.DE gespeichert wird. Du kannst deine Einwilligung jederzeit per Mail an info@gold.de widerrufen. Mir ist bekannt, dass Kommentare, die beleidigend oder diffamierend sind, oder Werbung für Dritte enthalten, nicht erwünscht sind. Hier findest du unsere Datenschutzerklärung.
Kommentare [6]
  • von ThoM | 10.10.2019, 12:47 Antworten

    Nur wenn du Bargeld abhebst, hast du virtuelles Vermögen in Papier- bzw. Barvermögen umgewandelt. Das Bargeld ermöglicht dir anonymes Handeln, schützt dich aber nicht vor der Inflation, aber zumindest vor den Strafzinsen deiner Bank. Je mehr Bargeld abheben, je mehr Bargeld muss die Hausbank und damit verlängert die EZB drucken. Damit könnte das Bargeld nicht(!) abgeschafft werden, zumindest bis zum Zeitpunkt gesetzlicher Kryptowährungen.

  • von ich | 08.10.2019, 22:16 Antworten

    Nun, sollte der Politik es gelingen die Negativzinsen per Gesetz zu verbieten, ist das ein weiterer Weg den Bürger komplett zu verblöden und zu enteignen. Denn dann werden die Banken andere Wege finden müssen das fehlende Geld zu bekommen, sei es über höhere Kontoführungsgebühren oder über sonst was für komische Gebühren. Und dann sind nicht nur die mit Zahlen dran die Geld auf dem Konto haben, sondern ALLE! So fies die sind, man muss den Hut vor soviel Cleverness ziehen. Alle denken da wird für den Bürger was tolles gemacht, ohne zu merken das es genau das Gegenteil ist.

    • von Peter L Ustig | 09.10.2019, 17:53 Antworten

      ....genauso läuft der Hase!
      Gerade wieder einen "Liebesbrief" von einer meiner Banken bekommen, dass von Jahresende an satte VERTEUERUNGEN seitens der Bank für Kontenführung/Transaktionen etc. erhoben werden und man nun Sonderkündigungsrecht bis Ende Oktober hätte um zu widersprechen/kündigen!!!
      Ansonsten gilt es als Einverständniserklärung mit deren Machenschaften um ihre Kunden auszulutschen!!!!

      Angeblich wird durch deren Praxisgebaren dann alles sicherer und besser für den Kunden!!!!

      Mittel und Wege werden diese Kriminellen immer finden!!!!

  • von Ilse Eigenhard | 08.10.2019, 14:54 Antworten

    Negative Politik und negative Zinsen gehören zusammen

  • von Commander Crash | 08.10.2019, 14:25 Antworten

    Vielleicht findet bald eine Bank eine Marktlücke im kundenspezifischen Lagern von Bargeld. Also ein echtes 'hard money' Barkonto, das günstiger ist als ein zentralbankhinterlegtes Negativzinskonto oder Schließfach. Erlaubt sind aber nur 500 Euro Scheine ;-)

  • von Fleischesser | 08.10.2019, 09:03 Antworten

    Negative Rendite .Wenn ich das schon lese dann wird mir schlagartig die (....) kalt

Nach oben

Copyright © 2009-2019 by GOLD.DE – Alle Rechte vorbehalten

Konzept, Gestaltung und Struktur sowie insbesondere alle Grafiken, Bilder und Texte dieser Webseite sind urheberrechtlich geschützt. Missbrauch wird ohne Vorwarnung abgemahnt. Alle angezeigten Preise in Euro inklusive MwSt. (mit Ausnahme von Gold), zzgl. Versandkosten, sofern diese anfallen. Verfügbarkeit, Abholpreise, Goldankauf und nähere Informationen über einzelne Artikel sind direkt beim jeweiligen Händler zu erfragen. Alle Angaben ohne Gewähr.

Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien", Germany