Stand: 15.01.2020 von Florian Grummes 0 Kommentare

Der Goldpreis ist kurz vor Weihnachten wie erwartet nach oben ausgebrochen. Die dann folgende spektakuläre Preisexplosion war allerdings doch eine Überraschung und katapultierte die Goldnotierungen innerhalb von zwei Wochen mit 1.611 US-Dollar auf den höchsten Stand seit Februar 2013.

Die spannende Frage lautet nun, ob der seit einigen Tagen laufende scharfe Rücksetzer lediglich eine gesunde Korrektur im intakten Aufwärtszyklus darstellt oder ob es im Zuge einer dramatischen Übertreibung womöglich bereits zu einer Trendwende am Goldmarkt gekommen ist.

Goldpreis in US-Dollar – Boden zwischen 1.510 und 1.530 US-Dollar zu erwarten

Nachdem der Goldpreis in US-Dollar ab Anfang September bis Mitte November von 1.557 US-Dollar bis auf 1.445 US-Dollar moderat und gesund korrigierte, krochen die Notierungen zunächst bis kurz vor Weihnachten langsam und zäh wieder nach oben.

Mit dem Ausbruch über 1.480 US-Dollar wurde schließlich die Abwärtstrendlinie überschritten und es kam sehr schnell wieder Leben in den Goldmarkt. Der zügige Anstieg bis auf 1.515 US-Dollar war die logische Folge. Bis hierhin ließ sich das Geschehen technisch erklären.

Tageschart Gold in US-Dollar – Goldpreis in US-Dollar – Boden zwischen 1.510 und 1.530 US-Dollar zu erwarten

Mit der Eskalation im Mittleren Osten und insbesondere durch die Tötung des iranischen Terror-Generals Qasem Soleimani sowie des iranischen Gegenschlags explodierte der Goldpreis dann jedoch innerhalb von drei Handelstagen um weitere 100 US-Dollar und erreichte in der Spitze 1.611 US-Dollar.

Politische Börsen haben jedoch meist sehr kurze Beine, so dass der Goldpreis bereits bei den ersten Anzeichen einer Entspannung wieder deutlich bis auf 1.540 US-Dollar zurückfiel. 

Nach einer eher schwachen Zwischenerholung bis auf 1.562 US-Dollar ist der Goldpreis mittlerweile auf ein neues Tief bei 1.536 US-Dollar gefallen und macht nicht den Eindruck, als wäre die Korrektur bereits ausgestanden.

Insgesamt hat das Kursgeschehen der letzten Woche auf dem Tageschart vor allem ein hässliches „Blow-Off Top“ hinterlassen. Gleichzeitig haben die Bären zumindest kurzfristig eindeutig die Kontrolle übernommen. Weitere Rücksetzer bis in den Bereich um 1.510 bis 1.530 US-Dollar müssen daher eingeplant werden.

In Verbindung mit den miserablen Terminmarktdaten sowie den langen Schlangen, welche vor den deutschen Edelmetallhändlern im Dezember zu beobachten waren, wäre nun aus antizyklischer Sicht theoretisch auch eine übergeordnete Trendwende am Goldmarkt denkbar.

Solange sich der Goldpreis aber oberhalb von 1.510 US-Dollar halten kann, sollte die Rally im Anschluss an die laufende Korrektur weitergehen. Dabei gilt, dass in einem Bullenmarkt die schwachen Hände regelmäßig abgeschüttelt werden müssen und sich Rücksetzer dabei nicht als Kaufgelegenheit anfühlen dürfen.

Vielmehr müssen scharfe Korrekturen gelegentlich eine kleine Panik auslösen und das Vertrauen zerstören, so dass der Markt dann an einer „wall of worry“ wieder nach oben klettern kann.

Sollte die geopolitische Lage im mittleren Osten jedoch wieder eskalieren oder neue Krisenherde auftauchen, sind 1.800 US-Dollar noch in diesem Frühjahr erreichbar.

Für den Fall, dass die Trendwende hingegen bereits stattgefunden haben sollte, wird sich diese wohl erst im Laufe der kommenden ein bis zwei Monate mit tieferen Hochs und schwächelnden Bullen Schritt für Schritt herauskristallisieren.

Es gibt also überhaupt keinen Grund in Panik zu verfallen. Allerdings muss auch klar sein, dass die Bullen jetzt vor einer großen Herausforderung stehen und sie im Grunde genommen erst mit Kursen oberhalb von mindestens 1.580 US-Dollar wieder fest im Sattel sitzen.

Kurzfristig sollte sich der Goldmarkt etwas beruhigen und zunächst in Richtung 1.510 bis 1.530 weiter zurücksetzen, bevor eine mindestens eine deutliche Erholung in Richtung 1.560 US-Dollar und höher zu erwarten ist.

Tageschart Gold in Euro – Bollinger Band Squeeze voraus 

Auch beim Goldpreis in Euro kam es in den letzten vier Wochen zu einer dramatischen Preisexplosion und mit 1.443 Euro pro Feinunze sogar zu einem neuen Allzeithoch! Ebenso hinterlässt auch hier der Tageschart aber dank der großen Umkehrkerzen einen faden Beigeschmack bzw. jede Menge Fragezeichen.

Tageschart Gold in Euro – Bollinger Band Squeeze voraus 

Dennoch gilt zunächst, dass der übergeordnete Aufwärtstrend nach wie vor ungefährdet intakt ist und der kurzfristige Abwärtstrend spätestens im Bereich zwischen 1.360 und 1.375 Euro sein Ende finden sollte. Auf der Oberseite signalisieren Kurse oberhalb von 1.410 Euro die mögliche Fortsetzung der Rally. 

Zunächst keine neuen Kauflimits

Mit etwas Glück konnten die Tiefstkurse Mitte Dezember an fünf Handelstagen mit unserem tiefen Kauflimit von 1.315 Euro ideal abgefischt werden. Nach der Preisexplosion und der aktuell etwas unklaren Ausgangslage empfiehlt sich jetzt erstmal Geduld. Gold ist damit zunächst eine Halteposition.

Florian Grummes
Technischer Analyst 
Goldnewsletter.de

Bitte erwarten sie bei den Edelmetallen grundsätzlich keine fulminanten Kursgewinne, sondern machen sie sich nochmals klar, dass es sich bei den Edelmetallen um eine Versicherung gegen dramatische Verwerfungen an den Finanzmärkten handelt! 

Auch wenn die Performance im Vergleich zu anderen Anlageklassen in den letzten Jahren ziemlich enttäuschend war, führt an den Edelmetallen als Stabilisator und ruhender Anker kein Weg vorbei. Die letzten Monate haben das mal wieder eindrucksvoll bewiesen.

Gold – Ruhe bewahren!
Florian Grummes - Florian Grummes ist unabhängiger Finanzanalyst und Berater sowie internationaler Referent mit über 20 Jahren Erfahrung auf den Finanzmärkten. Dabei hat sich Herr Grummes auf die Edelmetalle, Kryptowährungen und die technische Analyse spezialisiert. Mit der Kombination aus technischer, fundamentaler sowie Sentiment Analyse gelingt ihm häufig eine akkurate Konklusion und Prognose zum Goldmarkt.
Webseite des Autors:
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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"