Stand: 26.03.2020 von Florian Grummes
Mit neuen Allzeithochs begann am 20.Februar der extremste Crash aller Zeiten an den weltweiten Finanzmärkten. Seitdem verbuchte der heimische DAX in der Spitze bereits Verluste von fast 6.000 Punkten bzw. über 42%. Und das innerhalb von gerade einmal vier Wochen!
Gold – Schwere Verwerfungen am Papier-Goldmarkt

In dem verzweifelten Versuch einer Stabilisierung haben die Notenbanken und Regierungen mittlerweile gewaltige Hilfspakete in Form von Zinssenkungen, Helikoptergeld und Rekord-Schulden auf den Weg gebracht.

Bislang sind diese „Bazooka“-Maßnahmen von den Märkten jedoch primär als Rohrkrepierer behandelt worden. Immerhin ist in den letzten Tagen zumindest eine gewissen Stabilisierung zu erkennen.

Die Edelmetalle und insbesondere der Goldpreis konnten sich bis zum 9.März zunächst noch weiter nach oben bewegen. Dabei profitierten sie natürlich von der um sich greifenden Panik. 

Seit dem Hoch bei 1.703 US-Dollar kam es jedoch zu einer ersten scharfen Korrekturbewegung bis auf 1.455 US-Dollar. Von hier aus bahnte sich seit letztem Freitag eine schnelle Erholung ihren Weg zurück bis auf 1.643 US-Dollar.

Während die Nerven bereits überall blank liegen, spielt seit Beginn dieser Woche nun auch noch der Goldmarkt verrückt. Hier kam es aufgrund der Schließungen von Scheideanstalten, Händlern und Minen zu einem dramatischen Aufschlag am Terminmarkt, da dort mittlerweile das Gold zur Lieferung fehlt…

Der Spread zwischen Spot und Future explodiert

Der Spread zwischen Spot und Future explodiert

Aufgrund der zusammengebrochenen Logistikketten kam es zu Beginn der Handelswoche und insbesondere am Dienstag zu einem gewaltigen Anstieg beim Spread zwischen dem Sportpreis und dem Terminmarktpreis für eine Unze Gold. 

Zwischenzeitlich stieg dieser mit über 70 US-Dollar auf den höchsten Stand seit 1980.

Aktuell liegt er bei immer noch hohen 15 US-Dollar. Normalerweise beträgt dieser Unterschied nur wenige Dollar, insbesondere wenn es sich um den Kontrakt zur Lieferung im nächsten Monat handelt.

Da nun aber Scheideanstalten, Goldhändler, Logistikunternehmen und auch Goldminenbetreiber im Zuge der Virusbekämpfung geschlossen werden mussten, stehen zahlreiche Papiergold-Positionen mit dem Rücken zur Wand. 

So fehlt es an der COMEX plötzlich an riesigen Mengen Gold, um die Lieferverpflichtungen, die sich aus einem Kontrakt ergeben, zu erfüllen. 

Wie lange und wie weit dieser Squeeze am Gold-Terminmarkt noch gehen wird, lässt sich nicht seriös abschätzen. Beruhigen wird sich der Markt aber vermutlich erst, wenn die Coronakrise ausgestanden ist und Produktion und Lieferketten wieder geschmeidig ineinandergreifen.

Nicht überraschend wurden übrigens schnell die Spielregeln am Terminmarkt geändert. So gab die CME-Group noch am Dienstagabend bekannt, dass man einen neuen Goldkontrakt mit deutlich flexibleren Lieferkonditionen eingeführt habe. So können nun auch 100 Unzen-, 400 Unzen- sowie 1 Kilo-Barren zur Erfüllung der Lieferverpflichtungen verwendet werden.

Zudem können diese nun auch über die LBMA in London zur Verfügung gestellt werden. Damit haben die Papier-Spekulanten vermutlich noch einmal ihren Kopf aus der Schlingen ziehen können und sich aus dem Gröbsten heraus gewunden.

Gleichzeitig wurden die Banken und Goldhändler angesichts der gewaltigen Gelddruckorgien und der damit absehbaren völligen Zerstörung des Papiergeld-Systems von der großen Nachfrage komplett überrannt. Schnell waren die meisten Edelmetall-Händler in der letzten Woche ausverkauft und mussten obendrein zum Schutz von Kunden und Mitarbeitern ihre Geschäfte schließen.

Das extrem knappe Angebot führte bei explodierender Nachfrage natürlich zu deutlich gestiegenen Aufschlägen auf physische Goldmünzen und Silbermünzen

Dabei wird es vorläufig wohl auch bleiben. In Zukunft sind vermutlich sogar noch höhere Aufschläge zu erwarten.

Die Zeit, sich in Ruhe auf die aktuelle Dramatik vorzubereiten, liegt jedenfalls klar hinter uns. Schließlich kann man für ein brennendes Haus keine Versicherung abschließen. Man braucht die Edelmetalle solange nicht, bis man sie braucht. Dennoch wären Panik und Verzweiflung fehl am Platz.

In Deutschland gibt es ein weit verzweigtes Netz an hochprofessionellen Händlern, die allesamt ihr Bestes tun, um genügend Nachschub zu vernünftigen Preisen zur Verfügung zu stellen. Helfen Sie bitte Ihren Freunden und Bekannten, indem Sie sie auf die richtigen Händler und Webseiten wie Gold.de verweisen.

Warnhinweis: Es treiben sich bereits jede Menge Betrüger herum, die aus der Panik und Not noch Gewinn schlagen wollen.

Hier aktuelle Fakeshop Warnungen von GOLD.DE

Goldpreis-Chart in US-Dollar – Unter 1.700 US-Dollar im Korrekturmodus

Goldpreis-Chart in US-Dollar – Unter 1.700 US-Dollar im Korrekturmodus

Zum Goldpreis in US-Dollar lässt sich aktuell folgendes sagen: Seit dem 9.März und Kursen um 1.703 USD befindet sich der Goldpreis in einem Abwärtstrend bzw. in einer Korrektur. Diese ist trotz der Dramatik an den Märkten und den massiven Gelddruck-Programmen vermutlich noch nicht beendet. 

Vom Tiefpunkt bei 1.455 USD konnte sich der Goldpreis in den letzten Tagen zumindest deutlich erholen. Während der Future-Preis wieder 1.700 US-Dollar erreichte, waren es im Spot-Preis aber „nur“ 1.643 US-Dollar. Damit ist der kurzfristige Abwärtstrend intakt.

Charttechnisch benötigt es also beim Spotpreis einen Anstieg über 1.700 US-Dollar, um den monatelangen Aufwärtstrend wieder aufzunehmen. Schon Kurse oberhalb des 76,4%-Retracements (1.643 US.Dollar) lassen einen erneuten Angriff auf die Oberkante des Aufwärtstrendkanals erwarten. 

Ob die Kräfte der Bullen dazu noch ausreichen, muss aber bezweifelt werden.

Vielmehr überwiegt momentan die Annahme, dass die Rally beim Gold mit 1.703 US-Dollar aufgrund der Coronakrise ihr vorzeitiges Ende gefunden hat. Die Erholung der letzten Tage könnte ebenfalls bereits beendet sein. Damit wären erneut tiefere Kurse und ein Anlaufen der ehemaligen Widerstandszone zwischen 1.350 und 1.400 USD in den kommenden Wochen realistisch.

Neben der angeschlagenen Markttechnik und der Tatsache, dass in einer Deflation zunächst alles fällt, sind es vor allem die miserablen CoT-Daten, die uns zu dieser Einschätzung bewegen. Die neuen Spielregeln an der COMEX haben wieder einmal gezeigt, wer dort am längeren Hebel sitzt.

Außerdem findet der Goldpreis nach einer monatelangen Rally typischerweise im Frühjahr zwischen März und Mai ein wichtiges Hoch und geht dann zumindest bis in den Sommer hinein in eine gesunde Korrektur über. Die ursprünglich anvisierte Marke von 1.800 US-Dollar steht aber weiterhin im Raum und könnte bei erneuten Verwerfungen am Terminmarkt innerhalb weniger Tage doch noch erreicht werden.

Insgesamt empfiehlt sich eine abwartende Haltung, denn das Jahrestief hat der Goldpreis mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit noch nicht gesehen.

Weiterhin keine neuen Kauflimits

Angesichts der drastischen Verwerfungen an den Finanzmärkten und den explodierenden Aufschlägen für physische Edelmetalle, hält man derzeit am besten die Füße in diesen schwierigen Zeiten still.

Wer noch überhaupt kein Gold und Silber besitzt, sollte zumindest fünf Prozent seines Gesamtvermögens so schnell wie möglich in die Edelmetalle tauschen. Dabei kommt es jetzt nicht auf den besten Preis an, sondern nur auf die Tatsache, dass man es in den eigenen Händen hält.

Autor: Florian Grummes
Technischer Analyst

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"