Stand: 22.03.2021 von Jörg Bernhard
Gold und Silber wird normalerweise eine stark positive Korrelation attestiert. Außerdem verfüge Silber zudem über eine Hebelwirkung gegenüber Gold. Beides war in diesem Jahr weniger stark ausgeprägt.
Gold-Silber-Ratio knapp über Siebenjahrestief

Preiswürdigkeit beider Edelmetalle vergleichen

In diesem Jahr verlor der Goldpreis bislang über acht Prozent, während Silber ein Plus von immerhin fast sechs Prozent verbucht hat. Dies hat beim Gold-Silber-Ratio im selben Zeitraum zu einem Rückgang von 76 auf 66,5 geführt.

Diese Kennzahl soll Anlegern dabei helfen, welches der beiden Edelmetalle historisch betrachtet als unter- bzw. überbewertet anzusehen ist. Mathematisch ist die Funktion leicht erklärt, schließlich zeigt das Gold-Silber-Ratio an, wie viele Feinunzen Silber derzeit zum Kauf einer Feinunze Gold benötigt werden.

Hohe (niedrige) Werte lassen Silber relativ günstig (teuer) erscheinen.
Gold-Silber-Ratio 10 Jahre Entwicklung

Bei der Interpretation der Kennzahl gilt es allerdings folgendes zu beachten. Bei einem historisch hohen Gold-Silber-Ratio müsste man sich für Silber entscheiden und würde dann im Falle eines sinkenden (steigenden) Ratios eine Outperformance (Underperformance) gegenüber Gold erzielen.

Doch diese Outperformance würde sich auch einstellen, falls während einer Baissephase Silber geringere Verluste als Gold verbuchen würde. Deshalb eignet sich die Kennzahl in erster Linie für Investoren, die bei beiden Edelmetallen mit einem Aufwärtstrend rechnen, sich aber unsicher sind, welches der beiden Edelmetalle über vermeintliches Outperformance-Potenzial verfügt.

In den vergangenen zwölf Monaten war das Ergebnis eindeutig: Da die Kennzahl von über 120 auf aktuell 66,5 eingebrochen ist, kann man Silber im Nachhinein zweifellos als die bessere Alternative einstufen.

Nun stellt sich die Frage, ob sich diese Outperformance fortsetzen wird?

Hier sollte man einen langfristigen Blick zurück wagen. So gab es zum Beispiel immer wieder Phasen, in denen das Gold-Silber-Ratio Werte unter 40 ausgewiesen hatte und 1979 zeitweise sogar unter 20 gefallen war. Da der Silberpreis von seinem Rekordhoch von 50 Dollar noch meilenweit entfernt ist, sollte man eine anhaltende Outperformance auf keinen Fall ausschließen.

Wer sich die Qual der Wahl ersparen möchte, bietet sich folgender Kompromiss an:

  • 80 Prozent in Gold und

  • 20 Prozent in Silber investieren.

Silber gilt als deutlich „wilder“ als Gold

Durch die oben vorgeschlagene stärkere Gewichtung von Gold, wird man dem Umstand gerecht, dass Silber eine erheblich stärkere Kursschwankungsintensität (Volatilität) aufweist als sein „großer Bruder Gold“.

Besonders gut erkennen kann man dies an den vom Terminbörsenbetreiber CBOE entwickelten Volatilitätsindizes. Mit aktuell 38 Prozent übertrifft der CBOE-Silbervolatilitätsindex sein Pendant auf Gold (aktuell: 16,6 Prozent) um mehr als das Doppelte. Dieser Sachverhalt lässt sich dahingehend interpretieren, dass Silberinvestoren über ein deutlich robusteres Nervenkostüm verfügen sollten als Goldbesitzer.

Wer mit seinen Edelmetallen in erster Linie Vermögensschutz betreiben möchte, sollte vor allem auf Gold setzen, schließlich passen die Attribute „sicherer Hafen“ und „hohe Volatilität“ nicht sonderlich gut zusammen.

Ausblick für die laufende Woche

In der vergangenen Woche sorgte Fed-Chef Jerome Powell nicht nur an den Aktienmärkten für gute Laune, auch der Goldpreis profitierte von der Aussicht auf anhaltend niedrige Zinsen. Zusammen mit dem 1,9-Billionen-Dollar-Hilfspaket der US-Regierung dürften die Schuldenberge weiterhin dynamisch wachsen.

Bei den US-Staatsschulden sind wir mittlerweile bei fast 28 Billionen Dollar angelangt, während die Bilanzsumme der US-Notenbank Fed durch die unzähligen Kaufprogramme auf immerhin 7,5 Billionen Dollar angestiegen ist.

Eines ist sicher: Getilgt werden diese Schulden wohl nie und angemessene Zinsen wird es erst einmal auch nicht geben.

Da viele Staaten, Unternehmen und Privathaushalte höhere Zinsen höchstwahrscheinlich gar nicht stemmen könnten, ist die inflationsbedingte systematische Geldentwertung möglicherweise das geringere Übel.

Richtig übel dürfte es aber werden, falls sich die Inflation beschleunigen und nicht mehr zurückkommen sollte.

Aktuelle Inflationsdaten stehen in dieser Woche lediglich für Großbritannien an. Hiobsbotschaften von der „Inflationsfront“ dürften daher relativ unwahrscheinlich sein.

Autor: Jörg Bernhard
Freier Wirtschaftsjournalist
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von Peter L Ustig | 22.03.2021, 17:11 Antworten

Gut Ding braucht Weile....so ist das eben.
Markt beobachten und zu guten Gelegenheiten nachkaufen...dann auf das "Privatrücklagenvermögen" legen/packen und liegen lassen.

Auf 10 Jahre gerechnet konnte mir bisher keine Bank / Versicherung so viel Wertzuwachs garantieren, wie's mit "Au" bisher geworden ist.
Ich könnt mich nur rückblickend in meinen eigenen Arsch beißen, dass ich nicht eher auf den Zug (Gold zu erwerben) aufgesprungen bin.
Für mich war's jedenfalls bisher die beste Entscheidung meine Rücklagen nicht auf der Bank "abfackeln" zu lassen.

Wenn es soweit ist, dass sich alle VERRÜCKTEN an der Börse und den FIAT-Geldstaaten inklusive der Cyber-GlücksRitter bemerken, dass sie sich böse verzockt haben....werde ich darüber lächeln einst von einigen Spinnern als VERSCHWÖRUNGSTHEORETIKER benannt worden zu sein !

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"