Gold: 1.593,24 € +0,06 %
Silber: 20,12 € +0,02 %
Stand: 09.08.2021 von Hannes Zipfel
Seit Mitte letzter Woche konnte man sehr ungewöhnliche Kursentwicklungen bei den Edelmetallen, speziell bei Gold und Silber beobachten. In der Nacht zum Montag kam es im frühen Handel in Asien sogar zu einem Blitz-Crash. Anleger sollten die Flinte aber nicht frustriert ins Korn werfen – im Gegenteil! Für diese Woche stehen wichtige Inflationsdaten auf der Agenda.
Gold & Silber: Wie geht es weiter nach dem Kursrutsch?

Gold- & Silberpreis: Gewollte Verunsicherung?

Jedem, der sich mit Edelmetallanlagen beschäftigt, sollte bewusst sein, dass bei den Kursverläufen von Gold und Silber auch politische Aspekte eine Rolle spielen. Als Inflations- und Krisenbarometer zeigen steigende Preise systemische Missstände an.

Außerdem fungiert Gold als alternative Reservewährung. Auf privater Ebene gilt das auch für Silber. Eine deutliche Aufwertung der Metalle gegenüber den ungedeckten Fiat-Währungen signalisiert Fehlentwicklungen im Finanz- und Währungssystem.

Das missfällt denjenigen, die am meisten von der Aufrechterhaltung dieser Systeme profitieren.

Auf den Goldpreis und den Silberpreis gab es bereits am vergangenen Mittwoch die erste Attacke nach den etwas besser als erwarteten US-Einkaufsmanager-Indizes, aber gleichzeitig massiv enttäuschenden ADP-Arbeitsmarktzahlen.

Die zweite Attacke folgte heute Morgen um 0:45 Uhr bei äußerst dünnen Umsätzen in Asien.

In den folgenden 13 Minuten verlor der Silberpreis in der Spitze über 10 Prozent und der Goldpreis knapp 5 Prozent. Kein Investor, der sich von Gold und Silber trennen möchte, würde sich mutwillig die Verkaufspreise ruinieren, in dem er in kürzester Zeit ohne ausreichende Liquidität den Markt mit Angebot überschüttet.

Ein derartiges Vorgehen lässt auf das Motiv einer bewussten Kursdrückung schließen.

Zumal das Angebot nicht in Form von physischem Metall, sondern als Leerverkäufe am Terminmarkt erfolgte. Irgendwelche kursrelevanten Nachrichten, die die Marktteilnehmer hätten in Panik versetzen können, gab es keine.

Goldpreis Chart in US-Dollar 09.08.2021

Silberpreis Chart in US-Dollar 09.08.2021

Solche offensichtlichen Kursmanipulationen sind aber kein Grund, Gold und Silber als Vermögensanlage zu meiden. Auch bei Aktien gibt es regelmäßig Attacken von sogenannten Shortsellern, die den Kurs durch gezielte Verkäufe unter Druck setzen. Unabhängig von den Motiven, führen solche Attacken gleichwohl nicht immer zum gewünschten Erfolg.

Das gilt auch für Gold und Silber.

In der Vergangenheit gelang es zwar, die Preisanstiege phasenweise durch derartige Aktionen zu unterbrechen und zu verlangsamen, den säkularen Bullenmarkt der Edelmetalle konnten sie aber nicht stoppen.

Warum auch? Die Gründe, Gold zu besitzen, werden jeden Tag vielfältiger. Die Fehlentwicklungen auf Ebene des ungedeckten Fiat-Geld-Systems werden zunehmend offensichtlicher. Jeder Ökonom, der ein realistisches Konzept anbieten könnte, wie man z. B. die Eurokrise behebt und die Geldpolitik der EZB wieder normalisiert, würde sich umgehend für den Wirtschaftsnobelpreis qualifizieren.

Sehr viel wahrscheinlicher ist jedoch das Scheitern unseres heutigen Finanz- und Währungssystems. Daher gilt auch für die Anlageidee der physischen Edelmetalle:

„Nichts kann eine Idee stoppen, deren Zeit gekommen ist.“ (Victor Hugo)

Kurseinbrüche als Chance begreifen

Natürlich rufen fallende Kurse bei Vermögenswerten Frustration hervor. Die Zweifel an der eigenen Anlageentscheidung wachsen. Und Verunsicherung kann auch als Motiv hinter der jüngsten Kursattacke vermutet werden.

Allerdings gab es bei früheren Kursmanipulationen auch andere Motive: zum einen den Abbau von Wetten auf fallende Kurse, bevor die Preise absehbar weiter ansteigen und zum anderen die künstliche Preisverbilligung über den Terminmarkt für die preiswerte Akkumulation physischer Gold- und Silberbestände.

Auf jeden Fall kam es nach allen bewusst herbeigeführten sogenannten „Kurswasserfällen“ zu massiven physischen Käufen bei Barren und Münzen. Dies war eindrucksvoll zuletzt Anfang März letzten Jahres zu beobachten, als der Goldpreis innerhalb von sechs Handelstagen um fast 15 Prozent einbrach.

Parallel dazu explodierte die Nachfrage nach Münzen und Barren. Mit dieser Entwicklung ist auch jetzt wieder zu rechnen. Anleger in physischem Metall nutzen erfahrungsgemäß starke Rücksetzer für Käufe.

Spekulanten, die Terminkontrakte, Zertifikate oder Goldfonds präferieren, verhalten sich dagegen prozyklisch und verkaufen ihre Edelmetallderivate in fallende Kurse hinein. Kurzfristig kann dies weiteren Druck auf die Preise auslösen.

Der Markt für derivative Finanzinstrumente auf Gold und Silber ist schließlich um ein Vielfaches größer als der physische Markt. Wenn sich die Kurse aber zu stark verbilligen, bei gleichzeitig konstruktivem Umfeld für Edelmetallinvestments, dann überwältig die physische Nachfrage den Papiermarkt.

So geschehen im Frühling 2020. In der Folge erreichte der Goldpreis neue historische Rekordstände (Allzeithoch).

Goldpreis Chart in US-Dollar per OZ 2021

Wichtige Inflationsdaten stehen an

In der aktuellen Woche gewähren die offiziellen Statistiken einen Einblick in die Dynamik wichtiger Preisbarometer. Bereits am Montagmorgen wurden in China die Erzeugerpreise für den Monat Juli vermeldet.

Diese kletterten mit +9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zurück auf das Dreizehnjahreshoch, das bereits im Juni dieses Jahres erreicht wurde (ebenfalls +9 Prozent).

Am kommenden Mittwoch folgen aus Deutschland die Verbraucherpreise. Hier erwarten Volkswirte eine Bestätigung der Vorabschätzung von +3,8 Prozent gegenüber dem Juli 2020.

Am Nachmittag des gleichen Tages werden die Verbraucherpreise aus den USA für den Monat Juli gemeldet. Diese sollen den Erwartungen nach erneut deutlich über 5 Prozent im Jahresvergleich angestiegen seine ( +5,3 Prozent).

Am Donnerstag geben die Erzeugerpreise aus den USA eine Frühindikation für die weitere Preisentwicklung ab. Erwartet wird ein Anstieg auf Jahresbasis um 7,3 Prozent im Juli.

Ebenfalls einen Blick in die Zukunft der Konsumentenpreise gewähren die deutschen Großhandelspreise am Freitagmorgen. Hier wird sogar ein Anstieg auf Jahresbasis im zweistelligen Bereich erwartet (+ 10,2 Prozent).

In der folgenden Übersicht finden Sie weitere wichtige Termine, die besonders für deutsche Anleger und den Edelmetallmarkt relevant sind:

Wochentag Zeit (MESZ) Datenart Prognose Vorherig
Montag 16:00 Uhr USA: JOLTs Stellenangebote in Millionen 9,28 9,21
Dienstag 11:00 Uhr DE: ZEW Konjunkturerwartungen Deutschland (August) 56,7 63,6
Mittwoch 8:00 Uhr DE: Verbraucherpreisindex entg. (Juli/Jahr) 3,8 % 2,3 %
14:30 Uhr USA: Verbraucherpreisindex (Juli) 5,3 % 5,4 %
16:30 Uhr USA: Rohöllagerbestände (Woche) in Barrel -3,1 Mio. 3,63 Mio.
Donnerstag 14:30 Uhr USA: Erzeugerpreisindex (Juli / Jahr) 7,3 % 7,3 %
14:30 Uhr USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche) 375k 385k
Freitag 08:00 Uhr DE: Großhandelspreisindex (Juli / Jahr) 10,1 % 10,7 %
16:00 Uhr USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen 91,2 81,2
Datenquelle: Investing.com, Thomson Reuters
Autor: Hannes Zipfel
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von Klaus | 10.08.2021, 10:04 Antworten

"Ein derartiges Vorgehen lässt auf das Motiv einer bewussten Kursdrückung schließen."
Na, wer hätte das gedacht. Der Goldpreis wird manipuliert!?
Viele Grüße an die Verschwörungstheoretiker und Aluhüte. Und auch deep state lässt grüßen.

1 Antwort an Klaus anzeigen
von Maik Roenneburg | 11.08.2021, 20:43 Antworten

ich finde sie blicken echt gut durch! Danke

von Impfizierter | 12.08.2021, 06:23 Antworten

Es wird wie überall an der Börse weiter gehen. Jemand kauft zu einem günstigen Preis und verkauft teurer. Ganz egal ob dabei auf steigende oder fallende Kurse gesetzt wurde.

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