Stand: 27.08.2021 von Florian Grummes
Vor vier Wochen sah es an gleicher Stelle noch nach dem Start der Sommerrally bei Gold aus. Stattdessen kippte das Bild jedoch nach dem dreimaligen Scheitern an der Widerstandszone um 1.830 USD ab dem 4.August. Aus dem Stand heraus verlor der Goldpreis plötzlich den Boden unter den Füßen und die Notierungen fielen innerhalb von vier Handelstagen um über 150 US-Dollar bis auf 1.675 US-Dollar zurück.
Gold – Sommerrally unter anderen Vorzeichen

Dass dabei eine unsichtbare Hand mit hohen unlimitierten Verkaufsorders am Papiergoldmarkt nachgeholfen hat, ist bekannt. Damit wurde (wieder einmal) die Masse der gehebelten Goldspekulanten vernichtet.

Gleichzeitig wurde der Goldmarkt aber mit diesem fragwürdigen Flash-Crash auch komplett bereinigt, denn seit dem 9.August kennt der Goldpreis im Grunde genommen nur den Weg nach oben.

Zum Wochenbeginn gab es bereits ein Wiedersehen mit der 200-Tagelinie und der Marke um 1.810 US-Dollar. Letztlich scheint die Sommer-Rally nun also doch noch gestartet zu sein.

Allerdings unter anderen Vorzeichen als ursprünglich vermutet.

Im großen Bild befindet sich der Goldpreis weiterhin in einem Bullenmarkt, wobei die letzte große Anstiegswelle von 1.160 USD bis auf 2.075 USD seit über einem Jahr primär über die Zeit verdaut und korrigiert wird.

Der Goldbulle testet also (mal wieder) die Geduld und das Durchhaltevermögen der Anleger.

Bullion Boom Deutschland von 2010 - 2021 physikalische käufe von Goldbarren und Goldmünzen

Ungeachtet der seit Monaten enttäuschenden Preisentwicklung bleibt die Goldnachfrage der Deutschen mehr als stabil. Laut Bloomberg und dem World Gold Council stieg die Nachfrage nach Goldbarren und Goldmünzen in der ersten Jahreshälfte sogar um 35% auf den höchsten Stand seit mindestens 2009 an.

Während die Käufe auch in anderen westlichen Märkten hoch waren, investieren die Deutschen als traditionell größter Münz- und Barrenkäufer in Europa vor allem in Gold als Absicherung gegen die steigende Inflation, welche in Deutschland zuletzt auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahrzehnt gestiegen ist.

Zudem machen die negativen Zinssätze in der Eurozone die „renditelosen“ Edelmetalle schon seit Jahren immer attraktiver.

US-Dollar Goldpreis Chart – Gold überspringt 1. wichtige Abwärtstrendlinie

US-Dollar Goldpreis Chart – Gold überspringt 1. wichtige Abwärtstrendlinie

Seit dem Flash Crash und einem Tiefstkurs bei 1.677 US-Dollar hat sich der Goldpreis in den letzten zweieinhalb Wochen wieder tapfer nach oben gekämpft. Kurz vor Beginn des US-Notenbank Symposiums in Jackson Hole gelingt sogar der Sprung über eine erste wichtige Abwärtstrendlinie, so dass die Notierungen nun auch wieder oberhalb der Marke von 1.800 US-Dollar handeln.

Unmittelbar haben die Bullen allerdings die weiterhin fallende 200-Tagelinie (1.809 US-Dollar) vor der Brust. Solange dieser gleitende Durchschnitt fällt, fehlt einer größeren Aufwärtsbewegung das Fundament zur Nachhaltigkeit.

Dementsprechend wäre auf Sicht der kommenden Wochen zunächst zwar schon ein Sprung über die 200-Tagelinie denkbar, Im Anschluss dürfte sich diese Rally aber in etwas höheren Gefilden schon wieder festlaufen.

Als mögliche Zielzone ist dabei die übergeordnete Abwärtstrendlinie im Bereich von ca. 1.850 bis 1.875 US-Dollar relevant. Bis hierhin könnte die aktuelle Erholungsbewegung noch laufen.

Je nachdem wie der Goldpreis dort dann reagieren wird, lassen sich weitere Rückschlüsse auf den Zustand des Goldmarktes ziehen.

Gegen ein kurzfristiges Aufwärtspotenzial von ca. 60 US-Dollar steht momentan nur der überkaufte Stochastik-Oszillator auf dem Tageschart. Diesem müsste das eher seltene Kunststück einer Transformation in den eingebetteten Status gelingen, um die Goldpreise ohne große Umwege in Richtung von 1.860 US-Dollar hieven zu können.

Angesichts der weltweit weiterhin sehr aggressiven Geldmengenausweitungen in der letzten Woche (allein die amerikanische FED kreierte neue Währung in Höhe von 85,4 Mrd. US-Dollar) sowie den zahlreichen geopolitischen Störfaktoren ist diese Entwicklung aber durchaus möglich.

Charttechnisch unterstützen das klare Kaufsignal auf dem Wochenchart sowie die positiven Divergenzen bei der Stochastik auf dem Tageschart, denn der Oszillator hat das Goldpreistief zuletzt nicht nachvollzogen.

Zusammengefasst hat der Goldpreis in den kommenden Wochen also gute Chancen bis auf ca. 1.860 US-Dollar anzusteigen.

Die dann folgende Reaktion sollte Klarheit darüber verschaffen, ob die übergeordnete Trendwende mit dem dritten Test der Marke von 1.676 US-Dollar vor zweieinhalb Wochen tatsächlich eingeleitet wurde, oder ob sich die zähe 12-Monate währende Korrektur weiter fortsetzen wird.

Gold Kauflimit bei 1.500 Euro

Mit den Kauflimits bei 1.525 US-Dollar und 1.480 US-Dollar konnten wir in den letzten drei Monaten nochmal günstig zukaufen. Da der Goldpreis in Euro seine 200-Tagelinie (1.506 Euro) bereits hinter sich gelassen hat, müssen wir zunächst von steigenden Preisen in Richtung 1.540 und 1.565 Euro ausgehen. Erst bei einem nochmaligen Rücksetzer auf oder unter 1.500 Euro bietet sich wieder ein gutes Chance/Risiko-Verhältnis.

Autor: Florian Grummes
Technischer Analyst

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"