Stand: 30.03.2021 von Jörg Bernhard
Seit dem vergangenen Sommer geriet der Aufwärtstrend des Goldpreises ins Stocken, als Stabilitätsanker macht das gelbe Edelmetall – insbesondere auf lange Sicht – aber weiterhin eine gute Figur.
Gold: Stabilitätsanker in stürmischen Zeiten

Internationale Politik macht keine gute Figur

Drei Beispiele zeigen, dass das Vertrauen in Regierungen derzeit stark erodiert, was kein sonderlich gutes Licht auf deren Währungen wirft.

Beispiel 1: Der türkische Ministerpräsident Erdogan hat sein Volk wieder einmal aufgefordert, durch den Verkauf von Dollars, Euros und Gold die türkische Lira zu retten.

Besonders frech: Das Gold und die Devisen der Türken bezeichnete er als „unser nationales Vermögen“.

Beispiel 2: Nachdem im März das US-Rettungspaket im Volumen von 1,9 Billionen Dollar verabschiedet wurde, denkt US-Präsident Joe Biden bereits über weitere Konjunkturhilfen in Höhe von drei Billionen Dollar nach.

Beispiel 3: Bundeskanzlerin Merkel bittet die deutsche Bevölkerung wegen ihres unausgegorenen Osterruhe-Vorschlags um „Verzeihung“.

Relativ niedrige Vola spricht für Gold

Diverse Studien belegen, dass die Beimischung von Gold das Gesamtrisiko eines Wertpapier-Portfolios senken und zugleich zu einer höheren risiko-bereinigten Rendite führen kann.

Das heißt:

Die Rendite eines Investments wird ins Verhältnis zum damit verbundenen Risiko gesetzt.

Für jeden dürfte völlig nachvollziehbar sein, dass eine Rendite in Höhe 10 Prozent p.a. bei einer Volatilität (Kursschwankungsintensität) von 20 Prozent p.a. als attraktiver anzusehen ist als ein Anlageergebnis von 10 Prozent p.a. bei einer Vola von 40 Prozent p.a.

Zwei Faktoren machen aus Gold eine besonders attraktive Portfoliokomponente.

  • Erstens: Dank seiner negativen Korrelation zu Aktien, Dollar und Zinsen, kann es in Baisse-Marktphasen die Verluste anderer Anlageklassen kompensieren.

  • Zweitens: Dank seiner relativ geringen Volatilität wirkt es auf das Gesamtrisiko eines Depots wie ein Beruhigungsmittel.

Besonders aussagekräftige Daten zum Risikopotenzial einer Anlageklasse liefert der Terminbörsenbetreiber Chicago Board Options Exchange bzw. die Eurex mit ihren zahlreichen Volatilitätsindizes (siehe Tabelle).

Während zum Beispiel der CBOE-Goldvolatilitätsindex gegenwärtig bei lediglich 15,5 Prozent notiert, weisen die Pendants auf den DAX (VDAX-New: 19,4 Prozent) und den Dow-Jones (VXD: 17,7 Prozent) erheblich höhere Werte aus.

Das heißt:

Wer die 30 bedeutendsten deutschen bzw. US-amerikanischen Blue Chips investiert, muss ein höheres Risiko akzeptieren als beim Goldkauf.

Volatilitäten im Vergleich

Volatilitätsindizes aktuell
Gold (GVZ) 15,50 %
Dow-Jones (VXD) 17,70 %
DAX (VDAX-NEW) 19,40 %
Silber (VXSLV) 33,00 %
Rohöl (OVX) 44,90 %
Stand: 29.03.2021

Noch krasser fällt die Diskrepanz bei einem Silber- bzw. Ölinvestment aus. Deren Volatilitätsindizes zeigen derzeit nämlich mit 33,0 bzw. 44,9 Prozent noch höhere Risiken an.

Dank seiner relativ geringen Kursausschläge scheint Gold geradezu prädestiniert zu sein und seine Performance kann sich auf lange Sicht ebenfalls sehen lassen, schließlich hat sich der Goldpreis in den vergangenen 20 Jahren mehr als verfünffacht.

Ausblick für die laufende Woche

Seit über einem Jahr leidet die Welt unter Corona, die einen mehr, die anderen weniger. Während sich die Chinesen, wo die Epidemie zuerst in Erscheinung trat, sich über hohe Wachstumsraten freuen und ihre vermeintliche Überlegenheit gegenüber westlichen Demokratien propagieren, sind Länder wie Deutschland von so etwas wie Normalität meilenweit entfernt. Auch in den USA fallen die konjunkturellen Perspektiven ausgesprochen „rosig“ aus.

Doch dieser schuldenfinanzierte Boom sollte zum Anlass genommen werden, über die Nachhaltigkeit internationaler Geld- und Finanzpolitik einmal nachzudenken.

Ein Ergebnis könnte darin bestehen, seinem Portfolio eine großzügige Goldquote zu gönnen. Mit den Renditen diverser Nebenwerte und Kryptowährungen kann das gelbe Edelmetall zweifellos nicht mithalten, ein nicht existierendes Kontrahenten- und Totalverlustrisiko hat in unsicheren Zeiten aber durchaus seinen Reiz.

In den kommenden Tagen dürften aber ganz andere Themen gespielt werden, schließlich steht ab Mittwoch wieder einmal eine regelrechte Datenflut vom US-Arbeitsmarkt zu Bekanntgabe an.

Insbesondere der März-Bericht des US-Arbeitsministeriums (Freitag) könnte dem gelben Edelmetall neue Impulse verleihen. Laut einer von Trading Economics veröffentlichten Umfrage unter Analysten soll sich die Zahl neu geschaffener Stellen von 379.000 auf 655.000 beschleunigt haben.

Autor: Jörg Bernhard
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von Steffen | 31.03.2021, 14:02 Antworten

Der Autor möge bitte aber auch nicht vergessen, dass Erdogan seine Landsleute voher jahrelang zu Investitutionen in Gold angeregt hatte, obwohl sich die Türken da schon goldaffin gezeigt hatten. Verlierer dürften diese Leute also nicht sein. Ihnen die Sicherheitsboote zu entnehmen, sollte da schon an "Gold gab ich für Eisen" erinnern.

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Handarbeit aus "Schwäbisch Sibirien"